24.05.2019 - 11:59

Tradition: In diesem Jahr gibt es ein kleines Jubiläum!Bereits zum 30. Mal findet der Weltcupin München statt, der erste wurde 1986 ausgetragen. Lediglich viermal, 1994, 2002, 2004 und 2010 (damals fand die WM in München statt), kamen die weltbesten Schützen nicht zum Weltcup nach München. Damit ist der Wettkampf in der bayerischen Landeshauptstadt der traditionsreichste innerhalb des Weltverbandes ISSF.

Nationen: Dass es einer der wichtigsten Weltcups im Vorfeld der Olympischen Spiele von Tokio 2020 ist, verdeutlichen auch einige Zahlen: Insgesamt nehmen ca. 908 Athleten aus exakt 96 Ländern teil und gehen dabei insgesamt 1595 Mal an den Start. Zum Vergleich: Bei der Premiere 1986 schossen 370 Athleten aus 27 Nationen.
Die zahlenmäßig größten Teams stellen Indien (36 Sportler), China (30), Gastgeber Deutschland (29) und die USA (27). Das Gegenstück bilden Island, Montenegro und Uganda die jeweils nur einen Athleten vor Ort haben.

Medaillen: Bislang wurden 939 Medaillen in München vergeben, jeweils 313 in Gold, Silber und Bronze. Die erfolgreichste Nation stellt China mit 147 Medaillen (56x Gold, 50x Silber, 41x Bronze), die erfolgreichsten Teilnehmer in München sind zwei herausragende deutsche Athleten: Ralf Schumann gewann mit der Schnellfeuerpistole im Zeitraum 1986 bis 2011 16 Medaillen, zwölf davon glänzten golden. Gewehrschützin Sonja Pfeilschifter (Luftgewehr und KK) holte zwischen 1991 bis 2011 ebenfalls 16 Medaillen, elfmal landete sie dabei auf dem obersten Treppchen.

„Alter Hasen“ & „junge Küken“: Im deutschen Team, das insgesamt 29 Athleten umfasst, gibt es einen Schützen, die bereits 2008 auf dem Weltcup in München schoss: Christian Reitz (Schnellfeuerpistole) galt damals als großes Talent und Nachwuchshoffnung und übererfüllte die hochgesteckten Erwartungen mit u.a. zwei olympischen Medaillen, darunter der glanzvolle Olympiasieg 2016 in Rio.
Als große Talente gelten auch die Gewehr-Schützen Anna Janßen (Jahrgang 2001) und Max Braun (Jahrgang 2000), die in München die jüngsten deutschen Teilnehmer sind und erstmals die deutschen Farben dort vertreten. Für Braun ist es gar Weltcup-Premiere bei den Erwachsenen. Beide hätten sicherlich nichts dagegen, einen ähnlichen Weg einzuschlagen wie Christian Reitz.

Finals: Alle Finals werden live und kostenlos bei Streaming-Partner Sportdeutschland.TV übertagen. Der spannende Mittwoch, 29. Mai, zieht auch den Bayerischen Rundfunk in seinen Bann, der die drei Finals – hoffentlich mit deutscher Beteiligung – ebenfalls live und kostenlos unter www.brsport.de streamt.

Final-Übersicht und Übertragungszeiten bei Sportdeutschland.TV

26.05.: 13.30 Uhr: Finale Luftgewehr Frauen

27.05.: 12.30 Uhr Finale KK-Gewehr 3x40 Männer / 14.15 Uhr Finale Luftpistole Männer / 15.45 Uhr Finale Sportpistole Frauen

28.05.: 13.15 Uhr Finale Luftgewehr Männer

29.05.: 12.30 Uhr Finale KK-Gewehr 3x40 Frauen / 14.15 Uhr Finale Luftpistole Frauen / 17.30 Uhr Finale Schnellfeuerpistole Männer (alle auch live bei BRsport.de)

30.05.: 12.00 Uhr Finale Luftgewehr Mixed / 15.00 Uhr Finale Luftpistole Mixed

24.05.2019 - 10:09

Recurve: Endstation Russland

Schließlich bestritten die Recurver den Wettkampf aus einer intensiven Vorbereitungsphase, die völlig auf den Jahres-Höhepunkt, die WM in den Niederlanden, abzielt. Lisa Unruh kämpfte sich in der Ko-Phase bravourös bis in die vierte Runde, u.a. gelang ihr ein Sieg im Stechen gegen die Taiwanesin Ping, in der sie der Russin Tsyrempilova 2:6 unterlag. Elena Richter hatte sich in Runde drei der an zwei gesetzten Russin Osipova 3:7 geschlagen geben müssen. Im Team-Wettbewerb erfüllten die beiden Frauen gemeinsam mit Michelle Kroppen das von Bundestrainer Oliver Haidn vorgegebene Ziel, indem sie durch ein hart umkämpftes 5:4 gegen Indien das Viertelfinale erreichten. Dort war abermals Russland die Endstation (3:5). Das Männer-Team in der Besetzung Florian Kahllund, Cedric Rieger und Maximilian Weckmüller scheiterte in Runde zwei – natürlich an Russland (0:6). Im Mixed trumpften Kroppen & Kahllund zunächst gegen Brasilien (6:2) und vor allem gegen Italien (5:3) groß auf, ehe das Viertelfinal-Aus gegen die Türkei (2:6) erfolgte. Haidn zog sein Resümee: „Wir befinden uns in der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung auf die WM mit derzeit noch aufsteigend hohen Umfängen. Da muss die Mannschaft jetzt durch. Das ist auch eine Belastung, aber geplant. Wir müssen dennoch erst die Arbeit zu Ende bringen, d. h. die vielen Pfeile schießen, damit sich die Leistung entfalten kann. Das erfordert auch Geduld! Es wird dennoch ein sehr enges Spiel!“

Compound: Trachsel schon in WM-Form

Absolut zufrieden zeigte sich Holger Hertkorn, Disziplinverantwortlicher für den Compoundbogen, mit den Leistungen seiner Athleten. Vor allem Marcel Trachsel bot in Einzel und Mixed starke Leistungen, die mit Platz neun im Einzel bzw. sechs im Mixed an der Seite von Velia Schall endeten. In seinen Einzelrunden schoss er 148, 149 und nochmals 148 Ringe. Marcus Laube beeindruckte ebenfalls mit 148 Ringen, die jedoch gegen den an zwei gesetzten Dänen Hansen in der dritten Runde nicht reichten: „Marcel und Marcus haben hervorragende Resultate geliefert. Sie haben gezeigt, dass sie auch gegen namhafte Gegner bestehen können. Das Leistungsniveau ist weltweit in den letzten Jahren immens angestiegen. Wenn man bei 15 Schuss nur ein oder zwei Ringe abgibt, ist das eine hervorragende Leistung, kann aber mittlerweile manchmal nicht mehr zu einem Sieg reichen“, so Hertkorn. Die Teams unterlagen jeweils in der zweiten Runde (Männer im Stechen gegen Russland, Frauen gegen Großbritannien), im Mixed war im Viertelfinale gegen die Türkei mit 155:156 Endstation. Hertkorn sagte: „Mit den Ergebnissen bin ich - gerade im Hinblick auf die WM - sehr zufrieden. Aufgrund des bereits erwähnten hohen Niveaus wird es eine große Herausforderung, vorne mitzumischen, aber möglich ist alles.“

23.05.2019 - 13:33

A – Aggrat der = Warum z.B. zieht genau der ins Finale ein?
B – Blattl  = 10.9 Ringe
C – Charivari = Mit vielerlei Zierrat und Silbermünzen versehene Kette über dem Gürtel der Lederhose
D – Dua du ned obe = reg dich nicht auf; mach dir keine Sorgen; ein wichtiger Spruch für alle Trainer
E- Eha = Bedeutet so viel wie Hoppla, auch Entschuldigung, aber auch Aha, Erstaunen, und auch überraschte Zustimmung
F- Fesche Dirndl= schöne Mädchen, die man auf dem Weltcup herumlaufen sieht
G- Griasde = übliche bayerische Begrüßungsformel
H – Hammas scho = Wir haben es schon geschafft.
I –  I mog di = Ich mag dich.
J –  Ja mei = Es ist nun einmal so, wie es ist! Da kann man nichts machen.
K – Kruxefix = kräftiger Universalfluch
L – Lätschn = unzufriedenes Gesicht, das einer nach einer schlechten Leistung zieht
M – Matz = Der Spruch von Olympiasiegerin Barbara Engleder „So a Matz“ nach ihrer verpassten Luftgewehr-Medaille sagt schon alles 
N – Narrischer = Ausdruck für jemanden, der außergewöhnliche Leistung bringt
O – Obandln = flirten; aber nicht zu viel, so dass man sich nicht mehr auf’s Schießen konzentrieren kann
P – Pfiade = übliche bayerische Abschiedsformel
Q – Quadratlatschn = große Füße; könnte die Stabilität einiger Schützen erhöhen
R – Ratschn = sich unterhalten; wesentlicher Bestandteil des Weltcups München
S –  Sauber sog i = Ausruf der Anerkennung und des Staunens über eine außergewöhnliche Leistung
T – Trietschln = jemand braucht zu lange, um z.B. seine Sachen nach dem Wettkampf zusammenzupacken
U – Ummara = circa; Beispiel: Ummara Simme im Biergarten. / Um 19.00 Uhr im Biergarten.
V – Vui zvui Gfui = Viel zu viel Gefühl.
W – Weißwurschtauszuzeln = Weißwurst essen; über die verschiedenen Techniken -> Zur Anleitung
X – Xide = Langweiler, den man nicht ernst nimmt
Y – Zu kompliziert für die bayerische Sprache 
Z –  Zwida = schlecht gelaunt; sieht man einen Schützen mit diesem Gesicht, sollte man besser Abstand halten

23.05.2019 - 08:50

Recurve: Zwei Frauen halten die Fahne hoch

Im Männer-Wettbewerb war das Quartett Florian Kahllund, Cedrig Rieger, Maximilian Weckmüller und Felix Wieser bereits nach der zweiten Ko-Runde nicht mehr vertreten. Während Wieser sich schon in der Auftaktrunde geschlagen geben musste, strich das WM-Trio in Runde zwei gegen einen Chinesen (Rieger 0:6), einen Italiener (Kahllund 3:7) und einen Rumänen (Weckmüller 0:6) die Segel. Das kam nicht unbedingt erwartet, denn in der Qualifikation konnten Rieger und Kahllund mit jeweils 670 Ringen durchaus überzeugen. Bundestrainer Oliver Haidn sagte: „In der Qualifikation gab es insgesamt stabile Leistungen - Platz 8 fürs Team in diesem Feld geht absolut in Ordnung. Trotz zum Teil guter Leistungen haben wir keinen Starter in der dritten Runde. Da hätte mehr raus kommen müssen.“

Die deutschen Frauen machten es andersherum: In der Qualifikation eher mäßig unterwegs - Kroppen war mit 649 Ringen Beste aus dem Quartett – erreichten zumindest Elena Richter und Lisa Unruh die dritte Runde. Richter blieb dabei zweimal ohne Satzverlust (Kasachstan und Kirgisistan), trifft am 23. Mai nun aber auf die an zwei gesetzte Russin Osipova. Unruh kämpfte sich zweimal durch, zunächst 6:4 gegen eine Österreicherin, dann 6:5 dank eines 10:7 im Stechen gegen eine Schwedin. Kommende Gegnerin ist die Taiwanesin Peng. Nach einem souverän Auftaktsieg (6:0 vs. Türkei) musste sich Michelle Kroppen in Runde zwei der Italienerin Avitia mit 4:6 geschlagen geben, wobei sie zunächst ein 0:4 egalisiert hatte. Auch für Katharina Bauer kam in der zweiten Runde das Aus (0:6 gegen China), nachdem ihr zuvor ein 6:5-Achtungserfolg gegen die an Position 20 gesetzte Britin Pitman gelungen war. Haidn bilanzierte: „Sie hatten Startschwierigkeiten in der Qualifikation, zeigten aber eine sehr gute Leistung in der ersten Runde des Mannschaftswettbewerbes. Das Viertelfinale ist Pflicht, Indien ist allerdings ein starker Gegner. Dass nur zwei Damen in der dritten Runde im Einzel stehen, entspricht nicht ganz dem Soll. Wir werden sehen, was Elena und Lisa noch draufsetzen können.“

Insgesamt sieht Haidn sein Team im Plan: „Wir befinden uns in der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung auf die WM mit derzeit noch aufsteigend hohen Umfängen. Da muss die Mannschaft jetzt durch. Das ist auch eine Belastung, aber geplant und erfordert auch Geduld!“

Compound: Zwei Männer halten die Fahne hoch

Umgekehrtes Bild bei den Compound-Schützen: Mit Marcel Trachsel und Markus Laube stehen zwei DSB-Athleten in der dritten Runde, alle anderen DSB-Schützen - Männer wie Frauen - sind ausgeschieden. Vor allem Trachsel glänzte mit einer 148 und muss diese Leistung sicherlich gegen den an vier gesetzten US-Boy Gellenthien wiederholen, wenn er eine Chance auf das Weiterkommen wahren will. Laube reichten 144 Ringe und ein stabiles Nervenkostüm, denn er setzte sich im Stechen mit der besseren Zehn gegen den Schweden Borstrom durch. Nun geht es gegen den an zwei gesetzten Dänen Hansen. Gute Leistungen zeigten Sebastian Hamdorf mit 146 bzw. 147 Ringen und Leon Hollas mit 147 bzw. 146 Ringen, doch ihre Gegner in Runde zwei waren jeweils einen Ring besser.

Bitter lief es für die deutschen Frauen, die allesamt in der ersten Runde ausschieden. Dabei zeigte Velia Schall eine gute Leistung (146 Ringe), musste sich aber trotz zweier Zehnen im Stechen der Taiwanesin Chen geschlagen geben. Kristina Heigenhauser unterlag der bärenstarken Britin Gibson mit 144:149, Jennifer Wenzl war in ihrem Erstrunden-Match mit 133 geschossenen Ringen chancenlos.

22.05.2019 - 08:42

Sie ist in Deutschland momentan das Maß aller (Armbrust-)Dinge. Sandra Reimann (BY) hat am Wochenende gezeigt, dass sie nicht nur Stehend (30 Schuss) schießen kann, sondern auch im Kniendanschlag (30 Schuss) eine Wucht ist. Zweimal 578 und einmal 571 Ringe reichten für sie, um souverän die Konkurrenz hinter sich zu lassen. „Es waren zwei super Wochenenden für mich“, resümiert die Spitzenreiterin und blickt bereits in Richtung WM: „Meine Erwartungen an Russland beeinflusst das allerdings nicht. Ich werde dort mein Bestes geben, aber eine Medaille wäre natürlich schön.“

Thomas Aumann (BY) kam sechs Ringe dahinter ins Ziel, Markus Peschel (BY) setzte mit 579 Ringen – und damit der Tagesbestleistung – noch einmal zum Schlusssprint an und sicherte sich den dritten Platz im WM-Team. Alle drei hatten bereits am vergangenen Wochenende das WM-Ticket für Ulyanovsk/RUS (12.-19. August) mit der 10m-Armbrust gelöst und setzten sich auch dieses Mal am Ende deutlich von der Konkurrenz ab. Deutlich war auch der Abstand von Simon Eiglsperger (BY) bei den Junioren. Er gewann mit 1649 Ringen vor Felix Scherand (WT) mit 1620 Ringen und Martina Sprengard (PF) mit 1584 Ringen. Gebhard Fürst (WT)  sicherte sich, wie Kollege Erich Huber (WT), bei den Senioren sein zweites WM-Ticket. Als Dritter komplettiert Klaus Denks (NS) das WM-Team.

Je eine Mannschaft mit drei Sportlern in jeder Disziplin und Altersklasse soll planmäßig bei der WM in Russland an den Start gehen, vorbehaltlich der Nominierung durch den Bundesausschuss Spitzensport. Die letzte Chance auf ein Ticket haben die Feldarmbrustschützen am nächsten Wochenende bei der WM-Ausscheidung (25./26. Mai) in Hausen.

21.05.2019 - 14:45

Nach dem Weltcup ist vor dem Weltcup. Du hast beim letzten Weltcup furios einen Quotenplatz geholt. Der Druck liegt nun auf den anderen. Schießt es sich jetzt leichter oder steigt der Erwartungsdruck an sich selbst?
Oliver Geis: „Diese ‚Last‘ Quotenplatz von sich zu haben, ist schon einmal Gold wert. Man schießt dadurch befreiter, aber unabhängig davon will man wieder im Finale vorne mit dabei sein und versuchen eine Medaille zu holen.“

Der nächste Weltcup ist zugleich der Heimweltcup. Steigt der Druck Zuhause?
Oliver Geis: „Ich weiß es nicht, denn ich denke, wir waren schon zu oft beim Weltcup in München. Es ist auf jeden Fall eine entspanntere Atmosphäre, weil man schon so oft dort geschossen hat. Zwar liegt mir der Stand persönlich gar nicht so gut, aber über die Jahre lernt man, damit umzugehen.“

Welche Besonderheiten hat die Schießanlage in München?
Oliver Geis: „Die Lichtverhältnisse sind hier sehr schwer. Vor allem, wenn du morgens um 8.00 Uhr bei bewölktem Wetter deinen Start hast. Da hast du schon die Arschkarte gezogen. Das gelbe Kunstlicht der Anlage macht es dann sehr schwer dort zu schießen.“

Dennoch hat jeder die gleiche Voraussetzung. Ihr habt den Vorteil, dass ihr den Stand bestens kennt. Erwartet man deshalb mehr von sich, gerade weil man diese Besonderheiten kennt?
Oliver Geis: „Nein. Das würde ich nicht sagen.“

Jeder klopft einem in München auf die Schulter, Freunde und Familie sind da, die Augen auf das deutsche Team gerichtet. Ist es schwerer oder leichter Zuhause zu schießen und warum?
Oliver Geis: „Leichter, denn alles ist bereits bekannt. Es ist eine vertraute Umgebung, alle sprechen die Sprache, jeder versteht einen, es ist alles unkomplizierter.“

In München ist das Starterfeld extrem hochklassig. Steigt dadurch der Konkurrenzdruck?
Oliver Geis: „Zwar gibt es mehr Starter, aber das Top-Starterfeld ist dennoch immer dasselbe. Die Top 20 sind sowieso immer überall.“

Nach den guten Ergebnissen von Christian Reitz im Vorfeld und dem Weltcupsieg waren die Augen beim letzten Weltcup auf ihn gerichtet, jetzt hast du den ersten Quotenplatz geholt. Gibt es bei euch einen internen Konkurrenzdruck?
Oliver Geis: „Jemanden wie Christian Reitz vor sich zu haben, nimmt einem eher den Druck. Er ist unglaublich erfahren und strahlt eine unfassbare Ruhe aus. Dadurch, dass der Fokus meist auf ihn gerichtet ist, kann ich im Hintergrund ruhiger agieren. Aber einen Konkurrenzdruck gibt es deshalb bei uns auf keinen Fall.“

Bist du allgemein jemand, der sich selbst viel Druck macht und siehst du Druck als etwas Positives oder Negatives an?
Oliver Geis: „Für mich ist Druck definitiv positiv behaftet, weil ich vor allem unter hohem Druck gute Ergebnisse schieße. Der Druck macht mich fokussierter. Er bringt mich näher an meine Leistungsgrenze. Ich selbst habe immer das Ziel im Finale zu sein, man weiß die eigenen Zahlen aus dem Training und die, die man ungefähr braucht, um in ein Finale zu ziehen. Dennoch schaffe ich es, dass mich der Druck nicht aus der Bahn wirft.“

Wie bleibst du trotzdem relaxed?
Oliver Geis: „Das kommt über die Sicherheit aus dem Training. Du musst auf das Vertrauen, was du kannst und wenn du gut trainiert hast und alles im Vorfeld dafür getan hast, dann musst du auf deinen Weg vertrauen. Du musst deine Nerven unter Kontrolle haben.“

Ist also Selbstvertrauen der Schlüssel für weniger Druck?
Oliver Geis: „Auf jeden Fall. Das trifft auf jeden Schützen zu. Um mir mein Selbstvertrauen und meine Sicherheit aufzubauen, schieße ich im Training viele Leistungskontrollen. Wenn ich dann sehe, dass jedes meiner zehn Halbprogramme über 290 Ringe ist, warum sollte das während eines Wettkampfes nicht auch funktionieren?“

Beim Schießen kann jeder Fehler zum Aus führen. Denkst du der Druck ist dadurch höher als in anderen Sportarten wie z.B. im Tennis, wo man sich durchaus nach einem schlechten Satz oder einem Aufschlag ins Netz noch einmal zurückkämpfen kann?
Oliver Geis: „Bei unserer  Disziplin ist das, denke ich, schon der Fall. Wenn du nur eine Serie schlecht bist, wird es sehr schwer, weil wir nur relativ wenige Schüsse abgeben. In China ist mir das selbst passiert, als ich nach 98 Ringen mit 46 Ringen weitergemacht habe und mir dann gedacht habe: ‚Mensch, jetzt schmeißt du das hier weg.‘ Dass ich dann mit 100 Ringen in vier Sekunden ausschieße, war nicht zu erwarten.“

Das zeigt, dass du gut mit Zeitdruck umgehen kannst.
Oliver Geis: „Die schnelleren Serien liegen mir generell besser. Detlef (Glenz, Anm. der Redaktion) und ich sagen immer spaßeshalber: ‚Da ist weniger Zeit für Fehler‘. In acht Sekunden versucht man viel mehr zu bohren, bei vier Sekunden greift der Automatismus, da musst du Gas geben.“

Wenn man heute auf die Spitzenathleten blickt, sieht man eine klare Professionalisierung des Sports. Hat dadurch der individuelle Druck zugenommen, weil man Angst hat, sonst nicht mehr in der Weltspitze mithalten zu können?
Oliver Geis: „Wenn du im Schießsport nicht unter Profibedingungen trainieren kannst, dann wird es schwer. Ich trainiere von montags bis freitags fast täglich. Wie soll das jemand schaffen, der vielleicht sogar noch einen handwerklichen Beruf ausführt und danach noch anständig die Pistole ruhig in der Hand halten soll? Für den Sport und die Leistung ist die Professionalisierung eine durchaus positive Entwicklung.“

20.05.2019 - 14:50

Knapp 100 Bogenschützen gingen trotz schlechter Wetterbedingungen in Marburg an den Start. Dabei setzte sich bei den Männern mit dem Recurvebogen Jakob Hetz (HS Coburg) an die Spitze. Er siegte im Finale mit 6:2 Punkten gegen Johannes Maier (HS Augsburg). Bei den Frauen konnte ebenfalls eine bayerische Studentin überzeugen. Franziska Langhammer (UNI Bayreuth) gewann mit 6:2 im Recurve-Finale gegen Laura Scherler (LMU München). Leon Hollas (TU Dresden), der auch beim Weltcup in Antalya an den Start gehen wird, überzeugte in der Compound-Qualifikation mit bärenstarken 697 Ringen, musste im Finale allerdings Julian Scriba (UNI Heidelberg) den Vortritt lassen, der mit 144:137 Ringen den Titel gewann. Mit Katharina Raab (HS Kempten) ging lediglich eine Dame in der Compound-Konkurrenz an den Start. Sie erzielte 635 Ringe. Vanessa Rothkegel (UNI Göttingen) und Thomas Steiner (UNI Bochum) dominierten hingegen mit 463 und 455 Ringen die Blankbogenkonkurrenz. Die Rookie-Klasse gewannen Dennis Pache (UNI Bochum) und Neele Richter (UNI Marburg).

Lukas Fischer mit Doppelerfolg in Tübingen

In Tübingen überzeugte Annika Neumann (PH für Wirtschaft und Technik), die sowohl im Luftgewehr-Vorkampf als auch im Finale die beste Leistung zeigte und am Ende Nationalkaderschützin Tina Lehrich (UNI Hannover) und Bundesligaschütze Daniel Karg (HS Nürnberg) auf die Plätze zwei und drei verwies. Gleich zweimal Gold durfte Lukas Fischer (HS RheinMain) mit nach Hause nehmen. Er siegte sowohl im KK-Liegend- als auch im Dreistellungskampf. Damit ist er der erfolgreichste Teilnehmer der diesjährigen Deutschen Hochschulmeisterschaft. Bester Schütze mit der Luftpistole war Aleksandar Todorov (TU München). 570 Ringe in der Qualifikation und 237,9 Ringe im Finale reichten, um sich vor seine Nationalkaderkollegin Carina Wimmer (TU München) einzureihen. Diese verfehlte den Titel auch mit der Sportpistole knapp, reihte sich wieder auf dem Silberrang ein und musste dieses Mal Robin Januszek (UNI Wuppertal) den Vortritt lassen. Zum Abschluss ließ sich auch noch ein altbekanntes Gesicht in Tübingen blicken: Olympiasieger Henri Junghänel, der selbst schon mehrmals an Hochschulmeisterschaften und internationalen Studierendenmeisterschaften am Start war: „Die DHM ist ein hochwertiger Wettkampf, bei dem neben den sportlichen Leistungen auch der Spaß und das Zusammentreffen im Vordergrund steht.“ Und auch Julia Hochmuth, Verantwortliche für Sportschießen im allgemeinen deutschen Hochschulsportverband zeigte sich zufrieden: „Insgesamt war es ein gutes Niveau, wir haben das ein oder andere Spitzenergebnis gesehen. Alles in allem war es eine gelungene Veranstaltung, für einige Schützinnen und Schützen sogar das Ticket für die Sommeruniversiade im Juli in Neapel.“

20.05.2019 - 11:51

Es war ein holpriger Start in die Qualifikation für Elisa Tartler. Ein Pfeil der Berlinerin verfehlte sogar die Scheibe. Das hatte sich die junge Athletin anders vorgestellt, doch Tartler ließ sich nicht aufhalten, schoss Pfeil um Pfeil ins Gold und beendete den Vorkampf mit 637 Ringen als Erste. Eine Trainingseinheit zwischendurch habe ihr wieder Selbstvertrauen gegeben, erzählt das Nachwuchstalent im Nachhinein – nachdem sie es bis ins Gold-Finale schaffte und dort souverän mit 6:2 Punkten die Ukrainerin Iryana Tretiakova besiegte. Es ist ihre erste internationale Einzelmedaille. Die Richtung stimmt. „Ich muss mich noch besser fokussieren, um noch mehr Stabilität zu bekommen und um mental stärker zu werden“, so Tartler selbstkritisch nach ihrem Erfolg. Dass der Weg in die richtige Richtung geht, sieht auch Bundestrainer Marc Dellenbach, der mit den jungen Talenten hart an einer stabilen Schießtechnik feilt: „Unsere Athleten haben verstanden, dass sie mehr Pfeile schießen müssen.“ Wer ein Champion werden möchte, müsse 200 bis 300 Pfeile am Tag schießen, erklärt der Nachwuchsbundestrainer und verweist auf die internationale Spitze: „Im Trainingslager in Korea haben unsere Schützen gesehen, dass die Besten nur ein Geheimnis haben: sie schießen bis zu 500 Pfeile am Tag.“

Vetter und Schilp das Maß aller Dinge

Das hat sich auch Jonathan Vetter zu Herzen genommen und an sich gearbeitet. Mit Erfolg. Auch er zog - wie seine Teamkollegin – ins Gold-Finale ein und gewann. Mit 6:4 Punkten bezwang er seinen Konkurrenten Alessandro Paoli aus Italien. Haarscharf an Gold vorbei schrammte Jonathan Vetter mit Elisa Tartler im Mixed-Team-Wettbewerb. Ein Shoot-off entschied über die Farbe der Medaille, zu Gunsten von Frankreich, die sich mit 5:4 Punkten Gold vor dem deutschen Duo sicherten. Eine beeindruckende Leistung zeigte Flavio Schilp im Finale der Kadetten. Noch im Viertelfinale musste Schilp ums Weiterkommen zittern, denn nur knapp konnte er sich gegen Francesco Gregori im Stechen durchsetzen, im Finale hingegen ließ er dem Bulgaren Ivan Banchev keine Chance und siegte mit 6:0 Punkten. Die dritte Goldmedaille für das DSB-Team. Weitere Top-10-Plätze für Nils Schwertmann (Platz 9/Junioren), Jennifer-Chiara Bleibel (Platz 6/Kadettinnen), Sarah Reincke und Clea Reisenweber (beide Platz 9/ Kadettinnen) komplettierten das starke Mannschaftsergebnis.

Dellenbach stellt Weichen in Richtung Weltmeisterschaft

„Etwas ändert sich, seit ich hier bin und ich bin stolz auf dieses Ergebnis“, resümiert Marc Dellenbach, der gleichzeitig mit gemischten Gefühlen in die Zukunft blickt: „Wenn wir nicht mehr Bogenschützen zwischen 14 und 20 Jahren haben, die mehr oder täglich auf 60-70 Metern und unter guten Bedingungen trainieren können, befürchte ich, dass wir den Anschluss an die Weltspitze verlieren könnten, denn die Welt des Bogensports schreitet mit großen Schritten voran hin zur Professionalisierung der Trainingsbedingungen, wie wir sie bisher nicht kennen.“ Vor allem die asiatischen Länder wie Korea, Taipei, China, Japan und Indien dominieren den Sport. Nachwuchssport ist dort in Sportschulen und Internaten integriert, wo die Athleten jeden Tag mit professionellen Trainern trainieren. „Wir müssen hier Schritt halten, um unseren sportlichen Erfolg abzusichern“, gibt Bundestrainer Dellenbach zum Abschluss die Marschrichtung mit Blick auf die Weltmeisterschaft vor.

20.05.2019 - 10:46

Erfreulicherweise waren die Ergebnisse wieder sehr hoch. So setzte sich Michael Sturm gleich in zwei Disziplinen Vetterli (50 Meter Perkussionsgewehr) und Tanegashima (50 Meter stehend Luntenschloss-Muskete) mit jeweils 2 mal 100er Serien durch, dicht gefolgt von Walter Massing (199) und Ute Gretz (198) in Vetterli sowie von Christian Trumpf (198) und Peter Käpernick (197) in Tanegashima. Diese Ergebnisse sollen nur exemplarisch für die insgesamt sehr guten Leistungen der Qualifikanten stehen (siehe Ergebnislisten).

Mit einem Mix aus drei Damen, vier Flinten-, neun reinen Langwaffen-, fünf reinen Kurzwaffen- und vier kombinierten Schützen ist das deutsche Vorderladerteam 2019 bestens aufgestellt. In diesem Jahr haben zwei Neulinge, Josef Wegscheider und Alfred Bloem, den Sprung in den Kader geschafft. Somit ist die Hoffnung auf eine gute DSB-Medaillenausbeute wieder berechtigt, wobei in den vergangenen Jahren die Leistungsfähigkeit der Sportler aus anderen Nationen deutlich gestiegen ist. "Speziell im Kurzwaffenbereich haben die Schützen aus den osteuropäischen Ländern inzwischen deutlich aufgeholt. Dennoch sollte die Ausgewogenheit der Mannschaftszusammenstellung dem DSB auch in diesem Jahr wieder viele Medaillen bescheren", urteilt der Disziplinverantwortliche Gerhard Lang.

 

Das deutsche Vorderlader-Team für die EM

Kugel Herren - Lang- und Kurzwaffen gemischt

  1. ​Sturm​, Michael​ WT​ Langwaffen ​40 Punkte
  2. ​Kretschmer​, Wilfried ​NS​ Kurzwaffen​ 34 Punkte
  3. ​Kloke, ​Martin​ BD ​Lang- und Kurzwaffen​ 34 Punkte
  4. Stock, Andreas ​WT ​Kurzwaffen​ 30 Punkte
  5. Haller​, Joachim WT ​Lang- und Kurzwaffen​ 29 Punkte
  6. Trumpf​, Christian​ BY ​Langwaffen​ 29 Punkte
  7. Holla​, Reiner​ HS ​Langwaffen 28 Punkte
  8. ​Massing​, Walter ​HS​ Langwaffen​ 38 Punkte
  9. ​Käpernick, ​Peter​ BY ​Langwaffen​ 28 Punkte
  10. ​Würdinger, ​Hans-Michael​ HS​ Kurzwaffen​ 27 Punkte
  11. Brader, Leonhard ​BY​ Langwaffen​ 26 Punkte
  12. ​Klock​, Jörg​ HS​ Kurzwaffen​ 26 Punkte
  13. ​Bailer, ​Alfred​ WT ​Lang- und Kurzwaffen ​23 Punkte
  14. ​Wägeli​, Robert​ WT ​Lang- und Kurzwaffen​ 22 Punkte
  15. Bailer, ​Achim ​WT ​Langwaffen​ 21 Punkte
  16. Juranek, ​Roland​ BY​ Langwaffen​ 21 Punkte
  17. Wegscheider​, Josef​ BY​ Kurzwaffen​ 19 Punkte
  18. ​Börtzler​, Frank ​PF​ Langwaffen​ 18 Punkte

Kugel Damen - Walkyrie

  1. ​Heber​, Tania ​SB​ Walkyrie​ 15 Punkte
  2. Gretz​, Ute​ BD​ Walkyrie​ 11 Punkte
  3. Ukas, ​Barbara​ SB ​Walkyrie ​08 Punkte

Flinten

  1. ​Lotspeich, ​Franz​ WT ​Flinte ​21 Punkte
  2. Grübl​, Armin​ BY​ Flinte​ 17 Punkte
  3. Huber​, Martin​ BY​ Flinte​ 15 Punkte
  4. ​Bloem​, Alfred ​NW ​Flinte​ 12 Punkte

 

Text: Gerhard Lang

17.05.2019 - 14:46

Nach einer kurzen Regenerationsphase durchläuft das Recurve-Team nun eine spezielle Vorbereitung, alles mit Zielrichtung WM. Bundestrainer Oliver Haidn fasst zusammen: „Wir haben in den vergangenen Tagen „Nachtuning“ betrieben und wettkampfspezifische Trainingsinhalte absolviert. Antalya ist für unsere Athleten der Kontroll-Wettkampf, ehe danach Heimtraining ansteht und bei der WM die Leistung abgerufen werden soll!“ Lisa Unruh ergänzt: “Dieser Weltcup ist als kleine Generalprobe zu sehen, wobei man auch noch einmal etwas ausprobieren und dann beruhigt in die WM einsteigen kann.“

Das ist auch das Ziel der Compound-Fraktion, die für die WM jedoch noch nicht feststeht. „Antalya ist für uns insofern wichtig, dass es die zweite Qualifikationsstufe zur WM ist. Erst danach entscheidet sich, wer zur WM fährt“, erklärt der Disziplinverantwortliche Holger Hertkorn. Der interne Druck ist demnach da, aber natürlich auch der externe durch die internationale Konkurrenz, wie Hertkorn erläutert: Die meisten Nationen werden dort sein, um sich auf die WM vorzubereiten. Das ist eine gute Möglichkeit, sich im Vorfeld mit der Konkurrenz zu messen.“

Das deutsche Team in Antalya

Recurve: Katharina Bauer, Michelle Kroppen, Elena Richter, Lisa Unruh, Florian Kahllund, Cedric Rieger, Maximilian Weckmüller, Felix Wieser

Betreuer: Oliver Haidn, Natalia Butuzova, Susanne Hentsch, Gregor Kuhn

Compound: Kristina Heigenhauser, Velia Schall, Jennifer Wenzl, Marcus Laube, Leon Hollas, Marcel Trachsel, Sebastian HAmdorf

Betreuer: Holger Hertkorn

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