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10.07.2020 - 11:50

Was bedeutet Mut im Schießsport? Kann man Mut trainieren? Wer sind die mutigsten Schützen? usw. Barbara Georgi berichtet aus ihrem breiten Erfahrungsschatz und verdeutlicht anhand ihrer Biographie, dass auch sie eine mutige Frau ist.

Wir bedanken uns bei der Meyton Elekronik GmbH und der Carl Walther GmbH für die Unterstützung dieses Projektes und freuen uns über Rückmeldungen und Weiterempfehlungen.

Zu hören ist der Podcast bei Apple Podcasts, Google Podcasts, Spotify und Deezer sowie auf der DSB-Homepage. Über Rückmeldungen und (positive) Bewertungen bei Apple würden wir uns freuen.

10.07.2020 - 08:22

Das komplette Quartett stammt aus dem Gewehrkader, und Bundestrainer Claus-Dieter Roth konnte diese gewaltigen entstandenen Lücken bis heute nicht schließen – verständlich, angesichts der extrem hohen sportlichen Qualität der Ausgeschiedenen.

Auch vor diesem Hintergrund, aber auch ganz allgemein, stellt sich die grundsätzliche Frage nach der Vereinbarkeit von Leistungssport und Beruf, auch mit dem Familienleben. Das hat die DSZ veranlasst, eine kleine Serie zu starten, in der die Schwierigkeiten, die etwa die Genannten mit dieser Vereinbarkeit hatten, beleuchtet werden, aber auch die Chancen für die Sportler, die gerade in den letzten Jahren gestiegenen Möglichkeiten in der Förderung und Unterstützung für die, die an „Später“ denken. In der neuen Juli-Ausgabe finden Sie den ersten der insgesamt drei Teile.

Auch die Serie zum neuen Bundesleistungszentrum setzen wir fort. Nach dem geschichtlichen Rückblick in zwei Folgen beleuchten wir diesmal die Planungs- und Bauphase, ein mit Hindernissen gepflasterter Weg, aber daher umso spannender zu lesen. Dazu finden Sie eine kleinere Geschichte über die Konsequenzen für die deutschen Schießsportler aus den vom Weltverband ISSF geänderten Quotenplatzregelungen für die Olympischen Spiele im nächsten Jahr. Und dazu, wie Sie es gewohnt sind, Service aus den Bereichen Ausrüstung, Gewehr- und Pistolentraining, Verein und eine wie immer spannende Geschichte aus der Historie der Schützen.

Wer sich eigens das kommende Heft sichern möchte – oder eine frühere Ausgabe – hat online die Bestellmöglichkeit unter www.uzv.de, und er kann wählen zwischen gedruckter und digitaler Form.

09.07.2020 - 08:47

Kathrin Hochmuth: Die mutigste Entscheidung auf dem Olympia-Weg

Es ist ihr absoluter Traum: Gewehrschützin Kathrin Hochmuth qualifizierte sich 1984 erstmals für die DDR für die Olympischen Spiele. Doch statt Olympia kam der Boykott. Zwei Jahre später dann die Weltmeisterschaft auf dem heimischen Stand in Suhl.  Statt der erwarteten Einzelmedaille gab es „nur“ eine Mannschaftsmedaille. Bis zu ihrer nächsten Olympia-Chance hatte die damals 25-Jährige ein Zeitfenster vorgegeben bekommen, indem sie sich ihrer Familienplanung widmen könnte – geklappt hat das mit der Schwangerschaft auch, aber "leider" einige Wochen zu spät. So wurde nach sechs Jahren Nationalmannschaft, einer verpassten Medaille und Ungehorsam auch der Traum von einer eigenen Olympiateilnahme ein für alle Mal begraben. „Es stand zu keiner Zeit im Raum, dass ich wieder anfangen dürfe“, erinnert sich Hochmuth. Im Dezember 1987 erblickte schließlich Julia Hochmuth das Licht der Welt. Trotz des unerfüllten Traums von Olympia hat sich der Mut für Hochmuth bezahlt gemacht: „Ich habe die beste Tochter der Welt, das hebt alles auf! Sie ist der Lohn dafür, sich an der richtigen Stelle aufgebäumt zu haben.“ Mutig sei eben auch, einfach mal gegen den Strom zu schwimmen, erzählt Hochmuth, die heute als Referentin für Sport und Ausbildung im Württembergischen Schützenbund arbeitet: „Damals hatte es für mich nichts mit Mut zu tun, sondern eher damit, dass ich meine eigene Entscheidung treffen wollte, im Nachhinein finde ich diese Entscheidung, sich gegen ein solches System zu stellen und seinen eigenen Weg zu gehen, schon fast todesmutig.“ Hochmuth vertraut trotz einer tiefen Narbe darauf, dass alles im Leben so komme wie es soll und ermutigt heute ihre Tochter, die als Pistolen-Nationalkaderschützin denselben Traum von Olympia hat, eigene Entscheidungen zu treffen und sich so ihren Weg durchs Leben zu bahnen. „Ich habe meine Tochter so erzogen, Ziele sehr konsequent zu verfolgen, aber man muss irgendwann an den Punkt kommen, realistische Entscheidungen zum Thema Familie und Beruf zu treffen. Das sind für mich heute mutige Entscheidungen, die oft sehr schwer fallen, wenn man Sportler durch und durch ist. Es sind Entscheidungen fürs Leben, die einen prägen, so wie ich mich entschieden habe, dass der Sport immer Teil meines Lebens bleiben wird – egal, was vorher passiert ist.“

Denise Erber: Mit Mut die Hürden des Lebens überwinden

Sport? Kein Interesse. Ja, bis Denise Erber mit 18 Jahren 2012 ihrer Freundin zum ersten Mal bei einem Bundesligawettkampf zusah und ab diesem Moment als Maskottchen das Team bei jedem einzelnen Wettkampf der Saison unterstützte. „Schießen war der erste Sport, den ich mir angesehen habe, weil ich ihn so spannend fand“, erzählt Erber heute, für die nach der Saison klar war: „Das will ich auch probieren.“ Kein Problem! Sie bekam die über 20 Jahre alten Schießklamotten der Mutter ihrer Freundin, das alte Luftgewehr ihrer Freundin und los ging’s. Knapp zwölf Monate später stand die Bayernligamannschaft des Waldkraiburger Teams vor einem Dilemma: Terminüberschneidungen und Krankheitsfälle plagten die Mannschaft, der einzige Ersatz, der noch antreten konnte, war Erber, die bis dahin ohne jegliche Wettkampferfahrung war. Exakt zwölf Monate nach dem ersten Schuss, bestritt Erber ihren ersten Wettkampf ihres Lebens – in der Bayernliga. Kreidebleich und unsicher hangelte sich der Neuling von Schuss zu Schuss, am Ende standen 364 Ringe zu Buche. Knapp sieben Jahre sieht man sie mehr denn je am Luftgewehr-Stand. Inzwischen steht sie allerdings an der Spitzenposition des Bund München in der 1. Bundesliga. Von der Unsicherheit ist keine Spur mehr, stattdessen blickt sie mit Selbstbewusstsein keiner geringeren als Weltschützin Sonja Pfeilschifter in die Augen. Eine Zehn nach der anderen leuchtet auf ihrem Bildschirm auf. Und dieses Mal beendet sie ihren Wettkampf mit perfekten 400 Ringen. „In der Liga wie im Leben braucht man Mut, damit man nicht ins Wanken kommt“, eine Lektion, die Erber durch das Schießen gelernt hat und heute weiß: „Der Mut hat sich für mich in jeder Hinsicht gelohnt: Er hat mir gezeigt, dass, wenn ich 400 Ringe schießen kann, ich auch einige andere Hürden in meinem Leben meistern kann.“

Kristina Berger: Mutig voran im Kampf gegen den Krebs

Compound-Weltmeisterin Kristina Berger stand mitten im Leben, feierte große sportliche Erfolge und reiste um die Welt, ehe sie 2016 eigentlich nur wegen eines scheinbar simplen Hustens zum Arzt ging und mit nur 26 Jahren die Diagnose Krebs erhielt. Statt den Kopf hängen zu lassen, überlegte sie lieber, wann es wieder an die Schießlinie geht, schließlich stand der nächste Wettkampf bevor. „Mir war meine Schwäche nicht bewusst“, so Berger heute, „ich war der Meinung,  ich kann die Deutsche noch mitnehmen.“ Aber die Chemotherapie schwächte sie am Ende doch zu sehr. Angst vor der Rückkehr? Angst vor dem Versagen? Angst vor den Reaktionen? Fehlanzeige. Bereits als die ersten Haarspitzen wieder sprossen, nahm sie wieder Pfeil und Bogen in die Hand. Mit der Deutschen Meisterschaft in der Halle hatte sie ein Ziel vor Augen. Sie meldete sich zurück, durfte ihren Wettkampf aufgrund ihres geschwächten Immunsystems alleine vorschießen, und es tat ihr gut: „Wenn die Psyche gut ist, dann kann sich auch der Körper erholen. Das ist auch beim Schießen so.“ Vielleicht fehlte der Spitzenathletin noch ein wenig die Kraft, doch der Mut, ihren eigenen Weg zu gehen, verließ Berger nie. Im gleichen Jahr qualifizierte sie sich noch für die Weltmeisterschaft in Mexico City, trumpfte dort auf und holte Einzel-Bronze, sowie Mixed-Team-Silber. „Aufgeben darf man nie, und vor allem sollte man nicht in Selbstmitleid zerfließen“, so die ehemalige Nationalkaderschützin, die sich heute lieber ihren Bienen widmet: „Es gibt für mich immer nur einen Weg und der ist geradeaus.“ Vor allem die Menschen, die sie durch den Sport kennenlernen durfte und das ganze Team gaben ihr Mut und Zuversicht und schenkten ihr in dieser herausfordernden Phase ihres Lebens Lebensqualität. Für sie stellte sich daher nie die Frage, ob sie das tue oder nicht. Berger selbst zögert bei der Frage, ob sie sich als mutig beschreiben würde,  gibt sich aber am Ende selbst die Antwort darauf: „Mut ist, immer weiter zu gehen, sonst macht man Rückschritte und das ist das, was einen im Leben voran bringt – egal, wie groß der Schritt ist.“

08.07.2020 - 09:57

Vanessa Seeger und ihre Mutgeschichte:

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David Koenders und seine Mutgeschichte:

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Marc Dellenbach und seine Mutgeschichte:

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07.07.2020 - 10:20

Präsident Hans-Heinrich von Schönfels unterstrich, wie wichtig ihm sowie der gesamten DSB-Verbandsführung dieses Thema ist: „Wir haben – aufgrund der Besonderheit unserer Sportgeräte – eine besondere Verantwortung. Deshalb stellen wir uns die Frage: Wie schützen wir uns gegen Extremismus?“ Zugleich sprach er seinen Dank an die AG-Mitglieder aus, die sich aus Vertretern des Hessischen Ministeriums des Innern und für Sport (HMI), des Landessportbundes Hessen, den Landesverbänden, Vereinen und natürlich dem DSB rekrutieren.

Das DSB-Präsidium hatte nach der schrecklichen Tat von Hanau sowie den rechtsextremen Anschlägen auf Walter Lübcke und einen Eritreer in Wächtersbach - in allen Fällen stammten die Täter aus dem Umfeld unserer Vereine - einstimmig beschlossen, die Präventionsarbeit gegen Extremismus in Schützenvereinen weiter zu forcieren. 

In Zusammenarbeit mit den Experten des Hessischen Informations- und Kompetenzzentrums gegen Extremismus (HKE) des HMI wurde als erster Schritt ein Informations-Flyer erstellt, nun soll mit Hilfe der AG ein Konzept entwickelt werden, wie zum einen extremistische Menschen in den eigenen Reihen erkannt werden und zum anderen auch präventiv geschult wird, um ein Bewusstsein zu schaffen: „Wir müssen das Thema in unsere Trainer- und Jugend-Ausbildung aufnehmen sowie die Haltung und Werte unserer Schützenfamilie stärken“, sagt von Schönfels.

07.07.2020 - 08:13

Warum ist es wichtig als Sportler mutig zu sein?

Haidn: „An der Schießlinie ist der Sportler allein. Dabei befindet er sich im Wettkampf stets in einem Spannungsfeld aus Risikobereitschafft und Kontrolle der Situation: z.B. Anhalten oder nicht. Genau Zielen oder guter Fluss. Wir können aber im Bogenschießen nur dann gewinnen, wenn wir uns mehr auf der Risikoseite bewegen und fähig sind zu handeln.“

Vennekamp: „Ein Sprichwort sagt, der Erfolg trifft die, die darauf vorbereitet sind. Wer mit Ängsten in den Wettkampf geht, ist so mit diesen beschäftigt, dass er die Chance zum Erfolg wahrscheinlich verpasst.“

Thrien: „Als Sportler befindet man sich regelmäßig in einer unbekannten Sphäre. Einem Raum zwischen Sieg und Niederlage, Erfolg und Misserfolg, Scheitern oder Triumph. Egal, wie viel man trainiert, egal, wie professionell Vorbereitung und Analyse betrieben wird; an irgendeinem Punkt gibt es diese Situationen, die nicht präventiv planbar sind und gewisse Unsicherheiten mit sich bringen. Mutige Sportler „leben“ für diese Momente. Sie begeben sich mit vollem Bewusstsein in Situationen, die mit Unsicherheiten verbunden sind (z.B. bzgl. eines Resultats im Wettkampf) und meiden diese nicht. Mut hilft in diesem Kontext enorm, da es die Bereitschaft, sich solchen Situationen hinzugeben, erhöht und die offene Auseinandersetzung mit Unsicherheiten nicht scheut. Sportler mit Mut können Wettkampfsituationen genießen und wachsen eher über sich hinaus in Momenten, die weniger mutigen Sportlern große Sorge bereiten kann.“

Welchen Einfluss hat Mut im Wettkampf?

Haid: „Nur mutige Sportler können gewinnen, weil nur sie ihr Handeln, also ihren Bewegungsablauf, kontrollieren können.“

Vennekamp: „Ängste bleiben immer im Hinterkopf und blockieren dadurch die positive Sichtweise. So kann die volle Leistungsfähigkeit nicht ausgeschöpft werden. Selbstbewusstsein und Mut sind für einen Athleten also unverzichtbar.“

Thrien: „Mut im Wettkampf ist ein toller Begleiter, um Drucksituationen genießen zu können und Risikomomente lieben zu lernen. Mut im Wettkampf schließt jederzeit mit ein, mit dem, was ich tue, zu scheitern. Mutige Sportler befassen sich ggf. nicht mit diesen „Negativ-Szenarien“, bzw. auch wenn sie das tun, hindert es sie nicht daran, Risiko einzugehen. Mut im Wettkampf bedeutet, die eigene Komfortzone zu verlassen und dahin zu wandern wo „the magic happens“.“

In welcher Phase eines Wettkampfes tut Mut gut?

Haidn: „In jeder Phase, denn jeder Schuss zählt.“

Vennekamp: „Ein einzelner schlechter Schuss macht den Wettkampf nicht schlecht. Wenn nun aber die Angst, den Fehler zu wiederholen, den Fokus einnimmt, fehlt die Konzentration bei den wichtigen Abläufen. Ohne Mut rutsch man nun schnell in einen Teufelskreis.“

Thrien: „Mut lässt sich nicht auf Wettkampfphasen aufteilen. Konstrukte wie Übermut und Risikowahn tut in keiner Phase gut. Mutig, selbstbewusst und mit Lust zu agieren, ist im Vergleich jederzeit ein sinnvoller Ansatz. Trainer nutzen gerne den Begriff des „Risikomanagements“. Diese Definition beschreibt den Gedanken, dass das gegangene Risiko zur Situationsanforderung passen muss. Führe ich hoch im Wettkampf, muss ich nicht ganz so viel riskieren, wie in einer Situation, in der ich unbedingt aufholen muss, um dranzubleiben. In dem Moment sprechen wir aber bewusst von „Risiko“ und nicht von Mut.“

Kann man Mut trainieren und wenn ja, wie?

Haidn: „Mut kann man nicht von einem Tag auf den anderen trainieren. So wie die Automatisierung des Bewegungsablaufs ist auch das "mutige Handeln" ein Prozess über viele Trainingsjahre und viele Wettkämpfe. Wichtig ist als Trainer, den Sportlern ihre Stärken immer wieder zu vergegenwärtigen, aber auch Situationen schaffen, in denen ein Überwinden gefordert ist. So haben wir vor ein paar Jahren beispielsweise Lisa Unruh ein Match vor der Polizeischule in Kienbaum (ca. 30 Teilnehmer ihrer Dienststelle) absolvieren lassen. Das war eine schwere Aufgabe. Die Vorbereitung – gerade im Kopf – für eine solche Situation hat lange davor stattgefunden. Hier hat sich Lisa schon einige Tools angeeignet. Der richtige Zeitpunkt des "Abforderns" war gerade soweit, dass es eben schwierig war. Ich habe gehofft, dass Sie das schafft. Und sie hat es gemacht. Lisa hat mit einer Zehn im Stechen das Match zu ihren Gunsten entschieden. Das Selbstbewusstsein hat einen Schub bekommen. Das war wichtig, aber natürlich auch riskant.“

Vennekamp: „Ich denke schon. Wenn man sich seiner Stärken bewusst macht und sein Selbstbewusstsein stärkt, hilft das in jedem Fall auch beim Sport und verbessert die Leistungsfähigkeit.“

Thrien: „Du kannst trainieren, wie es sich anfühlt Situationen zu erleben, die sich aufregend, unkontrolliert und auf ihre Weise überwältigend anfühlen. Passende Fragen sind dann: Wie verhalte ich mich dann? Was fühlt sich neu und ggf. unsicher an? Wie gelingt es mir, mit mehr Mut zu agieren. Im Nachgang lässt sich dann analysieren, was für Emotionen und Verhaltensweisen sich in dem Moment zeigen und wie sich diese regulieren lassen.“

Wie überwinden mutige Sportler ihre Ängste?

Haidn: „Durch das wiederholte erfolgreiche Absolvieren von herausfordernden Situationen.“

Vennekamp: „Vielen Sportlern hilft hier die Sportpsychologie. Mit verschiedenen Übungen, verschiedenen Sichtweisen und Denkanstößen lernt man dann die Situation von anderen Seiten zu betrachten.“

Thrien: „Generell betrachtend kann man sagen: Sie besitzen andere Bewertungsmuster. Ein Beispiel: Nervosität wird möglicherweise eher als hilfreicher Freund betrachtet, anstatt als gefährlicher Feind. Große Momente pushen diese Sportler, da sie einen so enormen inneren Antrieb besitzen unbedingt erfolgreich sein zu wollen. Sie „erlauben“ sich nicht, in den entscheidenden Momenten zu versagen.“

06.07.2020 - 08:04

Wenn man Christian Reitz mit seiner Schnellfeuerpistole an der Feuerlinie stehen sieht, dann erkennt man kein Zögern, kein Wackeln, keine Unsicherheit. Blickt man Lisa Unruh bei den entscheidenden Pfeilen in die Augen, sieht man dort pure Entschlossenheit, ihren Fokus und ihren Willen, aber niemals Zweifel. Was beide gleichermaßen auszeichnet, ist ihr Mut. Mut, im richtigen Augenblick zu riskieren. Warum stellen sich beide immer jeder Herausforderung? Kann man lernen, mutig zu sein? Und muss man mutig sein, um erfolgreich zu werden?

Die Psychologen Peterson und Seligmann definierten 24 Charakterstärken eines Menschen, die sie in sechs menschliche Tugenden zusammengefasst haben – darunter fällt auch der Mut. Er gehört damit zu den Kerneigenschaften des menschlichen Funktionierens und beschreibt eine emotionale Stärke, die gepaart mit Willensleistung dabei hilft, interne und externe Barrieren zu überwinden, um ein Ziel zu erreichen.

Risikofaktoren richtig abschätzen

Spitzensportler wie Lisa Unruh und Christian Reitz mussten zahlreiche Hürden in ihrer Sportlerlaufbahn überwinden: Qualifikationskriterien, Verletzungen, starke Gegner oder die eigenen Gedanken – es hätte viele Gründe gegeben, aufzuhören und den Sport an den Nagel zu hängen. Doch beide Sportler beweisen einen außerordentlichen Willen, sie bemühen sich stets, einen Schritt weiter zu gehen und zeigen damit genau das, was Mut im ursprünglichen Sinne bedeutet. „Mut hat auch damit zu tun, Unsicherheiten zu tolerieren und es trotzdem zu wagen“, so Kerschensteiner, die für den DSB ein psychologischen Rahmenkonzept erarbeitet hat. Das Wort „Mut“ leitet sich aus dem  ideogermanischen „mo“ ab, was „einen starken Willen besitzen“ und „sich bemühen“ bedeutet sowie dem althochdeutschen „mout“, was „Sinn“, „Seele“ (auch „Geist“), „die Kraft des Wollens“ und „Bereitschaft des Empfindens“ bedeutet. Mut erfordert daher eine bestimmte Menge an Entschlusskraft, sich Unangenehmem zu stellen oder es auch zu verweigern, wenngleich Nachteile oder eigene Verluste in Kauf genommen werden. Mutige Menschen schätzen Risikofaktoren also richtig ab. Das beobachtete auch der bereits 1886 geborene US-amerikanische Unternehmensleiter und soziologischer Management-Theoretiker, Chester Barnard: „Einen Versuch wagen und dabei scheitern, bringt zumindest einen Gewinn an Wissen und Erfahrung. Nichts riskieren dagegen heißt, einen nicht abschätzbaren Verlust auf sich nehmen – den Verlust des Gewinns, den das Wagnis möglicherweise eingebracht hätte."

Mutig sein und Ängste überwinden

Dabei heißt es nicht, dass mutige Sportler keine Angst vor dem Versagen haben, aber wie Francois Mitterand es bereits einmal formulierte: „Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben, sondern die Angst zu überwinden.“ Es gilt, sich seines Könnens und seiner eigenen Kräfte bewusst zu sein, um so die Gefahr erfolgreich zu überwinden bzw. der Angst etwas entgegenzusetzen. Es geht also vielmehr darum Stärken zu aktivieren, denn dann wird man automatisch mutiger. Aber auch Neugier, Verzweiflung, Wut oder aber auch Empörung, z.B. über ein ungerechtes Verhalten eines anderen Sportlers, können einen selbst mutiger machen. Mut ist daher in hohem Maße eine Frage der Einstellung, denn wer Mut hat, besitzt das Vertrauen, dass er sein Ziel erreichen bzw. mit Risiken und Schwierigkeiten auf dem Weg dorthin umgehen kann. Tennisstar Steffi Graf sagte einst: „Hindernisse und Schwierigkeiten sind Stufen, auf denen wir in die Höhe steigen.“ Welche Strategie dem Sportler dabei helfe, seine Angst zu überwinden, sei jedoch sehr individuell, so Steurenthaler.

Ist Mut angeboren?

Ob ein Mensch eher mutig oder eher zurückhaltend wird, das zeigt sich schon oft kurz nach der Geburt, auch wenn man nicht sagen kann, dass mutiges Verhalten angeboren ist. Inzwischen weiß man, dass die Epigenetik ausschlaggebend ist, wie stark äußerliche Merkmale und Persönlichkeitsmerkmale ausgeprägt werden. Man vermutet auch, dass es Effekte des mütterlichen Hormonspiegels sind, der beeinflusst, ob ein Kind sich vor neuen Dingen eher fürchtet oder mutig auf Neues zugeht. Zu viel Mut bzw. „angstfreier Mut“ kann jedoch auch gefährlich sein. Trainiert jemand über seine Schmerzgrenze hinaus, können lebenslange körperliche Einschränkungen die Folge sein. Von Mutproben ganz abgesehen. Und nicht zuletzt sieht man immer wieder Sportler, die sich selbst überschätzen und dann schnell merken: Hochmut kommt vor dem Fall. „Mutfreie Angst“ kann wiederum zu Depressionen oder Ähnlichem führen.

Mut trainieren und Vertrauen tanken

Auch hier gilt es immer die richtige Balance zu finden und das Risiko abzuwägen, seinen Verstand und sein Wissen einzusetzen, um zu reflektieren und zu kalkulieren, aber am Ende vor allem zu handeln. Denn man muss schon mutig sein wollen. Deshalb vergleichen Psychologen Mut gerne mit einem mentalen Muskel: Je mehr man ihn trainiert, desto stärker wird er. Je mehr Schüsse man in die Zehn setzt, desto risikofreudiger ist man, da man die Konsequenzen besser einschätzen kann. Je mehr Erfahrung man in Finals gesammelt hat, desto besser lassen sich Situationen und eigene Verhaltensweisen einschätzen. Je mehr man in sich selbst vertraut, desto leichter lassen sich Entscheidungen treffen. Mut ist dabei der Grundstein, wie Steffen Kirchner, der vom Tagesspiegel zu einem der führenden Sportexperten und Mentaltrainer in Deutschland gezählt wird, in einem Podcast erklärt: „Mut ist viel wichtiger als Selbstvertrauen, deshalb sollte man jemanden auch etwas zumuten. Wenn ich jemanden etwas zumute und somit auch zutraue, wird er Vertrauen zu mir aufbauen. Wenn du dir also selbst vertrauen willst, solltest du dir auch selbst etwas zutrauen bzw. zumuten, wofür du dich vielleicht selbst noch nicht bereit fühlst.“

Tapferkeit, Verausgabungsbereitschaft, Authentizität und Enthusiasmus sind Charaktereigenschaften, die den Mut eines Menschen begünstigen und sicher ist, dass jeden dieser Erfolgsmenschen auch mal der Mut verlässt. Doch, wer jedes Risiko scheut, der zerstört all seine Chancen. Erfolgsmenschen vertrauen sich selbst, sie lernen den inneren Champion zu entwickeln, um am Ende auch nach außen hin erfolgreich zu sein. Blickt man am Ende wieder auf Spitzensportler wie Lisa Unruh oder Christian Reitz, weiß man: man wird niemals siegreich, ohne mutig gewesen zu sein.

 

Quellen:

Peterson, C. & Seligman, M. E. P. (2004). Character strengths and virtues: A handbook and classification. New York, NY: Oxford University Press.

Sauer, F. (2017). Ezyklopedie der Wertevorstellungen - Mut. URL: https://www.wertesysteme.de/mut (03.07.2020)

Stangl, W. (2020). Stichwort: 'Mut'. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik. URL: https://lexikon.stangl.eu/24992/mut/ (23.6.2020)

Deutsche Gesellschaft für Positive Psychologie (2020). Charakterstärken. URL: https://www.dgpp-online.de/home/themen-der-positiven-psychologie/charakterst%C3%A4rken/ (03.07.2020)

Greator – GEDANKEN tanken (21. Juni 2020). Steffen Kirchner: Wie überwinde ich Selbstzweifel? [Audio podcast]. URL: open.spotify.com/episode/1MZ77aG3np3jgmQFXdVqjD

Kirchner, Steffen (2020), Der Sportexperte. URL: https://www.steffenkirchner.de/profil/sportexperte.htm (03.07.2020)

03.07.2020 - 14:11

Themenwochen: Start mit dem Begriff "Mut"

Die DSB-Themenwochen stellen für jeweils eine Woche einen Begriff in den Fokus, der über verschiedene Kanäle und auf ganz unterschiedliche Art und Weise thematisiert wird: Es soll ein Mix aus Geschichten, Wissenschaft, Übungen & Videos werden, Plattformen sind die DSB-Homepage, die Social Media-Kanäle oder auch der Podcast Volltreffer. Start der DSB-Themenwochen ist am 6. Juli mit dem Begriff „Mut“.

Webseminare sind auf DSB-YouTube hochgeladen

Für die beiden Webseminare Tuning im Schießsport (Schwerpunkt Luftgewehr) am 6. Juli (18.00 Uhr) mit Christian Bauer und Tuning im Bogensport (Schwerpunkt Compound) mit Henning Lüpkemann am 13. Juli (18.00 Uhr) sind noch einige Plätze frei. Das Anmeldeformular befindet sich im Anhang.

Die bereits erfolgten Webseminare (bis auf das Thema Vereinsrecht) werden auf den DSB-YouTube-Kanal hochgeladen, da sie zeitlos sind und somit auch für Nicht-Teilnehmer zur Verfügung stehen. Dies sind die Webseminare Waffenrecht mit Jürgen Kohlheim, Trainingsplanung mit Stefan Müller und Tuning im Bogensport (Schwerpunkt Recurve) mit Henning Lüpkemann.

03.07.2020 - 11:52

Wer so lange nicht warten möchte, kann sich am Online-Quiz beteiligen und jeden Monat ein „Alkoholfrei Sport genießen“ - Paket der DSJ gewinnen. Die BZgA berichtet in der Juni Ausgabe ihres Magazins "Alkohol Spiegel" über die Kampagne und die bessere Fitness ohne Alkohol."

02.07.2020 - 10:05

Zur nächsten Saison steht das Heft dann auch wie gewohnt kostenlos an den DSJ-Infoständen in gedruckter Form zur Verfügung. Die DSJ wünscht viel Spaß beim Rätseln und Knobeln. 

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