10.06.2022 - 13:53

Bundestrainer Oliver Haiden verlangt viel von seinen Athleten und ist immer Optimist. So hatte er zwei Medaillen im Vorfeld der EM gefordert, wohl wissend, dass Frauen und Männer zuletzt bei den Weltcups für hervorragende Ergebnisse und Medaillengewinne in Einzel, Mixed und Team gesorgt hatten.

Doch das Abschneiden in München trieb auch dem erfahrenen Bundestrainer die ein oder andere Freudenträne ins Auge: Goldfinale mit dem Frauen-Team, Goldfinale mit dem Mixed-Duo Michelle Kroppen & Florian Unruh, Goldfinale Einzel Männer mit Unruh, Goldfinale Einzel Frauen mit Kroppen, Bronzefinale Einzel Frauen mit Bauer. Macht fünf Medaillenchancen und bereits vier sichere Medaillen. „Ich bin wirklich glücklich! Ich hatte ausgegeben, mindestens zwei Medaillen zu gewinnen. Das war eine Demonstration der Mannschaftsstärke, wie wir sie noch nicht erwartet hätten.“

Das war eine Demonstration der Mannschaftsstärke, wie wir sie noch nicht erwartet hätten!

Bundestrainer Oliver Haidn zu der Erfolgsstory bei der Heim-EM

Damit geht die EM jetzt schon als eine der erfolgreichsten in die Geschichte ein, 2014 gewannen die DSB-Athleten Doppel-Gold und Doppel-Silber. Übrigens u.a. durch einen gewissen Florian Kahllund, der damals Einzel-Gold und Team-Silber gewann, 2022 Unruh heißt und erneut nach zwei EM-Titeln greift…

Aber woher kommt die Stärke mit Pfeil und Bogen und das Kontrollieren der Nerven, die sicherlich mehr strapaziert waren als bei einer EM im Ausland? „Wir haben sehr viel Spaß an der Sache, Leistung zu bringen. Man spürt das Miteinander und den Zug innerhalb der Mannschaft“, erklärt Haidn und verweist zurecht darauf, dass mit Jonathan Vetter und Moritz Wieser zwei weitere Akteure in den Top Acht platziert sind und auch Charline Schwarz einen guten Wettkampf schoss, der sie in das Goldfinale mit der Mannschaft führte.

Es ist die stärkste EM, die bis dato geschossen wurde von der Leistungsdichte!

Bundestrainer Oliver Haidn zur Qualität bei dieser EM

Und das alles bei einer EM, die trotz des Fehlens der russischen und weißrussischen Sportler, hochkarätig besetzt ist: „Man weiß um die Stärke der EM – es ist die stärkste EM, die bis dato geschossen wurde von der Leistungsdichte. Vom ersten Match wurden Top-Leistungen verlangt.“

Und die werden natürlich auch im letzten Match verlangt. Die Gegner in den Medaillenmatches sind allesamt Weltklasse-Schützen: Das deutsche Frauen-Team trifft auf die in der Qualifikation an drei positionierten Türkinnen, das Mixed Team Kroppen & Unruh auf die niederländische Formation Gaby Schloesser & Rick van der Ven. Michelle Kroppen misst sich mit der Türkin Gulnaz Coskun, Florian Unruh mit dem Spanier Miguel Alvarino Garcia. Und Katharina Bauer bekommt es mit Elisabeth Straka aus Österreich zu tun.

Und wie sehen die Prognosen des Bundestrainers für den „Super-Sonntag“ aus? „Wenn man im Finale steht, ist alles möglich. Da benötigt man keine großen Prognosen. Wer bei sich bleiben kann, hat kleine Vorteile. Es gibt keine Favoriten mehr in dieser Situation.“

Compound: Yildiz kann als Einziger Titel verteidigen

Das Final-Wochenende wird am Samstag, 11. Juni (ab 10.00 Uhr) mit den Entscheidungen im nicht-olympischen Compound-Bogen eingeläutet. Leider sind keine deutschen Athleten mehr dabei, es gibt aber dennoch einige sehr interessante Fakten.

So ist der Türke Yakup Yildiz der einzige Schütze in München, der seinen Titel aus dem Vorjahr verteidigen kann. Im Einzelfinale trifft er auf den in diesem Jahr noch ungeschlagenen Niederländer Mike „Mr. Perfect“ Schloesser. Übrigens: Im Goldfinale des Teamwettbewerbs stehen sich beide Top-Schützen mit ihren Nationen erneut gegenüber.

Ein erfolgreiches Geschwister-Paar stellen die Esten. Denn Robin Jaatma greift im Einzel nach Bronze, seine Schwester Jisell steht mit ihren Kolleginnen im Bronzefinale des Teamwettbewerbs. Und es verwundert nicht, dass das brillierende Geschwister-Duo im Mixed-Goldfinale steht, wo sie auf die Dänen treffen.

Eine schöne Geschichte bietet auch das Goldfinale im Team-Wettbewerb der Frauen: Mit Jessica Stretton ist die Paralympics-Siegerin von 2016 im britischen Team und zeigt damit, dass Integration und Inklusion im Bogensport sehr erfolgreich gelebt wird.

Die Finalansetzungen am 11./12. Juni

11. Juni (10.00 bis 16.00 Uhr) Compound
Team Frauen: TUR – EST (Bronze) & ITA – GBR (Gold)
Team Männer: SLO – AUT (Bronze) & NED – TUR (Gold)
Mixed: BEL – TUR (Bronze) & DEN – EST (Gold)
Einzel Frauen: Elisa Roner (ITA) – Ayse Suzer (TUR, Bronze) & Isabelle Carpenter (GBR) – Sophie Dodemont (FRA, Gold)
Einzel Männer: Robin Jaatma (EST) – Jozef Bosansky (SVK, Bronze) & Mike Schloesser (NED) – Yakup Yildiz (TUR, Gold)

12. Juni (10.00 bis 16.00 Uhr) Recurve
Team Frauen: SLO – DEN (Bronze) & GER – TUR (Gold)
Team Männer: SUI – GBR (Bronze) & ESP – ITA (Gold)
Mixed: ITA – UKR (Bronze) & GER – NED (Gold)
Einzel Frauen: Katharina Bauer (GER) – Elisabeth Straka (AUT, Bronze) & Michelle Kroppen (GER) – Gulnaz Coskun (TUR, Gold)
Einzel Männer: Mete Gazoz (TUR) – Daniel Castro (ESP, Bronze) & Florian Unruh (GER) – Miguel Alvarino Garcia (GER, Gold)

10.06.2022 - 12:09

Die Ausschüsse sind der grundsätzlichen Ansicht, dass die Verwendung von Blei ein Risiko darstellt, das nicht angemessen kontrolliert wird. In ihren Stellungnahmen haben sie einige Punkte besonders hervorgehoben und entsprechende Änderungen vorgeschlagen:

- Der ursprüngliche Beschränkungsvorschlag der ECHA sei mit geringfügigen Änderungen eine wirksame, praktische und überwachbare Maßnahme, die Risiken von Blei für Menschen, Wildtiere (insbesondere Vögel) und die Umwelt zu verringern.

- Zur Ausnahmeregelung für Bleischrot-Munition im Sportschießen

Die Ausschüsse sind der Ansicht, dass die Durchsetzung der Beschränkung vereinfacht würde, wenn diese Ausnahmeregelung nicht umgesetzt werden würde. Sollte der europäische Gesetzgeber jedoch beschließen, dass diese Ausnahmeregelung erforderlich ist, wird vorgeschlagen, diese auf die im Sportschießen gemäß den Regeln von ISSF und FITASC verwendeten Schrotkugelgrößen zu beschränken. Das bedeutet, dass die Schrot-Kugeln zwischen 1,9 und 2,6 mm groß sind. Ziel ist es, die Vorteile eines generellen Verbots des Inverkehrbringens von Bleischrot so weit wie möglich zu erhalten.

- Zur Verwendung von Blei-Geschossen (keine Schrot-Munition) für das Sportschießen

Ursprünglicher Vorschlag: Das Sportschießen mit Bleigeschossen könnte weiterhin auf ausgewiesenen Schießständen fortgeführt werden, die über Geschossfangvorrichtungen verfügen, die eine Rückgewinnung von mehr als 90 % des Bleis gewährleisten können. Diese Rückhaltemaßnahmen müssen 18 Monate nach Inkrafttreten für großkalibrige Geschosse und fünf Jahre nach Inkrafttreten für kleinkalibrige Geschosse vorgehalten werden.

Aktualisierter Vorschlag: Das Sportschießen mit Bleigeschossen aller Kaliber kann fortgesetzt werden, wenn fünf Jahre nach Inkrafttreten des Gesetzes an der Schießstätte Geschossfänge oder Sandfänge nach „best practice-Beispielen" vorhanden sind. Darüber hinaus müssen die Eigentümer von Schießständen die zuständigen Behörden innerhalb von 18 Monaten nach Inkrafttreten der Richtlinie über ihren Schießstand informieren und sicherstellen, dass keine landwirtschaftlichen Tätigkeiten an diesem Standort stattfinden (Anm.: ist in Deutschland bereits entsprechend geregelt).

Grund für die Aktualisierung: Die Liste der „Eingrenzungsmaßnahmen“ wurde nach der sechsmonatigen Konsultation um "Best Practice"-Sandfänge erweitert, die sich als ebenso wirksam wie andere Geschossfänge zur Verhinderung der Freisetzung von Blei in die Umwelt erwiesen haben. Die Übergangsfrist wurde für alle Kaliber auf fünf Jahre verlängert, damit genügend Zeit für die Umsetzung der erforderlichen „Eingrenzungsmaßnahmen“ ist. Die Verpflichtung, die Behörden zu informieren, setzt diese über die entsprechenden Standorte in Kenntnis und hilft bei der Durchsetzung der Regelung.

Die Hinzunahme von Sandgeschossfängen als aus Sicht der ECHA geeignete Geschossfänge sowie die Verlängerung der Übergangsfristen für alle Kaliber auf 5 Jahre können als Teilerfolge angesehen werden; auf die weiteren Details dazu wird der DSB weiterhin einen kritischen Blick haben.

In seiner Stellungnahme spricht sich der RAC als Empfehlung außerdem dafür aus, zukünftig mögliche Risiken durch Blei aus Zündhütchen und beim Sportschießen in „Indoor-Schießständen“ zu prüfen sowie Schießstände aufzufordern, über mögliche Risiken durch die Verwendung von bleihaltiger Munition zu informieren.

Und auch die ECHA selbst hat gemäß dem üblichen Verfahren ihren ursprünglichen Vorschlag aktualisiert, um die während der sechsmonatigen Konsultation, die am 24. September 2021 endete, eingegangenen Beiträge zu berücksichtigen. Der aktualisierte Vorschlag, ein so genanntes Hintergrunddokument, wird in Kürze auf der ECHA-Website verfügbar sein.

Wie geht es weiter?

Die aktuell vorgeschlagenen Änderungen der Ausschüsse und der Beschränkungsvorschlag der ECHA insgesamt werden Gegenstand einer erneuten öffentlichen Konsultation sein. Der SEAC wird Ende Juni eine sechzigtägige Konsultationsphase (voraussichtlich 29.06.-29.08.2022) starten und im Dezember soll dann die finale SEAC-Stellungnahme vorliegen. Noch ist der vollständige Entwurf der SEAC-Stellungnahme jedoch nicht veröffentlicht. Anfang 2023 werden schließlich die beiden finalen Stellungnahmen von RAC und SEAC an die Europäische Kommission übermittelt. Die Entscheidungen über REACH-Beschränkungen werden in der Europäischen Kommission von den EU-Ländern getroffen und vom Rat und dem Europäischen Parlament geprüft.

Der DSB wird sich weiterhin, insbesondere mit seiner eigens dazu eingesetzten „AG Blei“ mit Nachdruck gemeinsam mit den nationalen und internationalen Partnerverbänden aus Schießsport, Jagd und weiteren Interessengruppen für die Belange der Sportschützen einsetzen und deren Interessen vertreten. Dazu werden wir im nächsten Schritt die Stellungnahmen von RAC und SEAC sowie das Hintergrunddokument der ECHA prüfen und uns mit einer weiteren Stellungnahme in das Konsultationsverfahren einbringen. Darüber hinaus wird es anschließend darum gehen, auf die politischen Entscheider auf nationaler und EU-Ebene zuzugehen, um Unterstützung für die Positionen des Schießsports zu erreichen. 

Hintergrund

Im Februar 2021 legte die ECHA einen Vorschlag für EU-weite Beschränkungen der Verwendung von Blei in Munition für die Jagd und das Sportschießen im Freien vor. 

Der Vorschlag für die Beschränkung wurde auf Ersuchen der Europäischen Kommission ausgearbeitet. Eine mögliche Regelung für Blei bei diesen Tätigkeiten soll im Einklang mit dem Green Deal der EU, ihrer Chemikalienstrategie für Nachhaltigkeit und dem Aktionsplan für eine Nullverschmutzung von Wasser, Luft und Boden stehen. Laut ECHA könnte im Falle einer Verabschiedung der aktuell vorgeschlagenen Beschränkung die Bleiemissionen im Vergleich zu einer Situation ohne Beschränkung um 72 % reduziert werden. 

Die militärische Verwendung von Bleimunition sowie andere nicht zivile Verwendungszwecke von Bleimunition, z. B. durch Polizei-, Sicherheits- und Zollbehörden, fallen nicht in den Anwendungsbereich des Beschränkungsvorschlags. Auch die Verwendung von Bleimunition in „Indoor-Schießständen“ ist ausgeschlossen.

10.06.2022 - 11:39

Die jeweils fünf besten Teams im Recurve-Wettbewerb erhielten einen Team-Quotenplatz, d.h. drei Schützen sind automatisch für die Multisport-Veranstaltung qualifiziert. Durch den Einzug in das Goldfinale gelang dies den DSB-Frauen in der Besetzung Katharina Bauer, Michelle Kroppen und Charline Schwarz souverän. Den Männern Florian Unruh, Jonathan Vetter und Moritz Wieser fehlten exakt zwei Ringe nach ihrem Viertelfinal-Aus, um den fünften Platz zu belegen. „Ich war traurig, weil wir das Soll, uns mit zwei Teams zu qualifizieren, nicht erreicht haben. Ich war nicht enttäuscht, weil die Männer gut geschossen haben, aber die Briten waren einen Tick besser“, meinte Bundestrainer Oliver Haidn.

Demzufolge haben die deutschen Recurve-Männer aktuell durch den Finaleinzug von Unruh einen Startplatz sicher, setzen aber auf die zweite Qualifikationschance im nächsten Jahr, wenn noch drei Teamplätze vergeben werden, damit auch dort das Maximum von drei Plätzen erreicht wird.

Im Compoundbereich gibt es nur Einzelplätze. Und einen gewann Henning Lüpkemann durch seinen starken achten Platz bei der EM. „Als Holger (Hertkorn, Disziplinverantwortlicher Compound, Anm. d. Red.) mir sagte, dass ich einen European Games-Platz für Deutschland gewonnen hatte, war ich zufrieden“, so Lüpkemann.

Lediglich der gesetzte Gastgeber Polen füllt bislang das Maximum an acht Plätzen aus, am nächsten kommen dem Italien (7), die Türkei (6) sowie Deutschland, Spanien, Großbritannien und Dänemark (je 5).

09.06.2022 - 18:19

Recurve: Kroppen in drei, Unruh in zwei Goldfinals
Den sensationellen Tag eröffnete das Frauen-Trio Katharina Bauer, Michelle Kroppen und Charline Schwarz. Das hatte sich nach der Qualifikation, die sie mit 26 (!) Ringen Vorsprung gewonnen hatte, in die Favoritenrolle geschossen. Und der wurde das deutsche Team vollauf gerecht: Mit enormer Konstanz auf höchstem Niveau zog das Trio bei strömendem Regen mit 6:0-Siegen gegen Finnland (58-49, 53-47, 56-45) und Griechenland (54-50, 55-49, 57-52) in das Halbfinale gegen Slowenien. Zwar musste das Team in der ersten Passe die Punkte teilen (54-54), doch machte das nicht nervös, sondern stachelte eher an: 57-53 und 57-54 lauteten die zwei weiteren Durchgänge, ehe ein kleiner Jubeltanz mit Trainer Marc Dellenbach folgte. Bauer, die unzählige Trainingseinheiten und Qualifikations-Wettkämpfe auf der Bogen-Anlage in Garching-Hochbrück absolvierte, freute sich, bei der „EM dahoam“ im Goldfinale zu stehen: „Das habe ich mir gewünscht, und das war der Traum, dass wir die Leistung von den letzten Weltcups mit zwei Silbermedaillen abrufen. Wir werden von mal zu mal eingespielter und es macht sehr viel Spaß.“ Dies bestätigte Kollegin Schwarz, die nach Olympia-Bronze nun nach EM-Gold im Team greift: „Ich bin happy. Wir haben sehr gut geschossen, auch wenn wir leider im Regen standen, wir stehen verdient im Goldfinale.“ Für das hat Bauer einen Wunsch: „Ich wünsche mir viele Zuschauer, die uns unterstützen. Sie dürfen auch gerne laut sein, das wünschen wir uns. In Korea mussten wir gegen die Gastgeber und die Zuschauer antreten und jetzt ist es andersherum. Deswegen wünschen wir uns große und lautstarke Unterstützung.“

Ich wünsche mir viele Zuschauer, die uns lautstark unterstützen!

Katharina Bauer für die Finaltage auf der Theresienwiese

Freude bei den Frauen, die sich mit dem Einzug in das Finale auch mit dem Maximum von drei Athletinnen für die European Games 2023 in Breslau qualifizierten, etwas Katzenjammer bei Jonathan Vetter, Moritz Wieser und Florian Unruh. Die verpassten nach einem 4:5 im Stechen (54-56, 57-53, 54-57, 55-53, 26-28) gegen Großbritannien nicht nur das Halbfinale, sondern auch Platz fünf, der ebenfalls zur Qualifikation für Breslau in voller Stärke berechtigt hätte. Eine abschließende Zehn im Stechen wäre genug gewesen, doch der Pfeil von Unruh landete nur in der Acht. Wieser, der im Stechen perfekt mit einer Zehn vorgelegt hatte, meinte danach: „Ich bin schon enttäuscht, auch wenn wir eigentlich ganz gut geschossen haben. Im Stechen muss man seine Arbeit machen, aber natürlich hat jeder Pfeil hat eine noch höhere Wertigkeit als die Pfeile davor.“ Zuvor hatte das DSB-Trio Dänemark mit 5:3 (55-51, 49-57, 55-50, 51-51) bezwungen.

Schade, ich wäre lieber im Goldfinale auf Kathi getroffen. Ich drücke ihr die Daumen und hoffe, dass wir nachher zusammen auf dem Podest stehen!

Michelle Kroppen zum Duell mit Katharina Bauer im Halbfinale

Am Nachmittag folgte eine nochmalige Stimmungs-Steigerung: Die deutschen Schützen brillierten in der Ko-Phase und räumten nach und nach die Gegner ab, wobei jeder die ein oder andere „Klippe“ zu überwinden hatte. Kroppen stand im Achtelfinale gegen Gaby Schloesser (NED) beim 2:4 mit dem Rücken zur Wand, bog das Match aber mit zwei 28-er Passen wieder um. Bauer hatte im 1/16-Finale 1:5 zurückgelegen, ehe sie eine brillante Aufholjagd startete und im Stechschuss (10-9) gegen die Slowakin Alexandra Longova triumphierte. Danach sagte sie: „Gleich das erste Match hat mir gezeigt, dass man sofort da sein muss und nie aufgeben darf. Das hat mir die Augen geöffnet und ab da ist es echt gut gelaufen.“ Es lief so gut, dass die beiden DSB-Schützinnen im Halbfinale aufeinander trafen und sich ein packendes Duell lieferten. Erst führte Bauer, dann hieß es Unentschieden, ehe Kroppen in Führung ging und am Ende 6:4 (27-28, 28-27, 28-28, 29-27, 20-29) siegte. „Wir haben uns zuvor gesagt, dass wir das Match genießen wollen. Es war ein hochklassiges Match. Es ist schade, ich wäre lieber im Goldfinale auf Kathi getroffen. Ich drücke ihr die Daumen und hoffe, dass wir nachher zusammen auf dem Podest stehen“, so Kroppen. Im Goldfinale wartet die Türkin Coskun Gulnaz, Bauer trifft im Bronzematch auf Elisabeth Straka (AUT). Charline Schwarz schied in ihrem 1/16-Finale äußerst unglücklich aus nach einem Stechschuss (9-9) gegen Straka.

Es erinnert mich ein wenig an 2014, damals haben wir im Team Silber gewonnen und ich Gold im Einzel!

Florian Unruh vergleicht die aktuelle Situation mit 2014

Bei den Männern ging es für den an eins gesetzten Unruh gleich im ersten Match um alles. 4:4 hieß es gegen den Rumänen Dan Olaru, dann holte sich der Olympia-Fünfte den Sieg durch ein 29-27 und meinte danach: „Das erste Match war ein bisschen anstrengender, weil er mal wieder schlecht in der Qualifikation war, dann im Match aber stark geschossen hat. Im zweiten Match war ich schlecht, aber ich hatte den richtigen Gegner zur richtigen Zeit. Danach wurde mein Schießen besser.“ Musste es auch, da im Halbfinale Olympiasieger Mete Gazoz der Gegner hieß. Beide lieferten sich ein Duell auf Weltklasse-Niveau, dass der Norddeutsche „eiskalt“ mit 6:4 (30-27, 26-29, 29-28, 28-28, 29-29) für sich entschied. „Es ändert ja nicht so viel, ob er Olympiasieger ist oder nicht. Ich kenne ihn schon länger und habe oft gegen ihn geschossen“, maß Unruh diesem Duell keinen besonderen Umstand bei. Im Finale wartet nun der Spanier Miguel Alvarino Garcia, die Nummer zwei nach der Qualifikation. Für Unruh ist der Sonntag ein Déjà-vu: „Es erinnert mich ein wenig an 2014, damals haben wir im Team Silber gewonnen und ich Gold im Einzel.“

Mit Jonathan Vetter und Moritz Wieser standen zwei weitere DSB-Akteure im Viertelfinale, das sie jedoch jeweils 0:6 gegen Gazoz bzw. Alvarino Garcio verloren. Mit Platz sieben und acht rundeten sie das tolle Ergebnis ab.

Compound: Lüpkemann sichert Startplatz für European Games
Vier deutsche Medaillen im Recurve-Bereich sind sicher, dagegen werden die deutschen Compounder bei der „EM dahoam“ leer ausgehen. Als letzter Teilnehmer schied Henning Lüpkemann im Viertelfinale mit 144:148 gegen Yakup Yildiz (TUR) aus und wurde Achter. Damit sicherte er zumindest einen Startplatz für die European Games 2023 in Breslau. Zuvor hatte er u.a. Weltmeister Nico Wiener (AUT) 147:146 bezwungen und war dementsprechend zufrieden mit seinem Abschneiden: „Als Holger (Hertkorn, Disziplinverantwortlicher Compound, Anm. d. Red.) mir sagte, dass ich einen European Games-Platz gewonnen hatte, war ich zufrieden. Unter den Top Acht im Einzel unter so vielen Profis ist total in Ordnung.“ Leon Hollas und Julia Böhnke mussten sich im 1/16-Finale aus dem Wettbewerb verabschieden.

Unter den Top Acht im Einzel unter so vielen Profis ist total in Ordnung!

Henning Lüpkemann ist zufrieden mit seinem Abschneiden

Auch in den Team-Wettbewerben, in denen sich die Athleten selbst die besten Chancen ausgerechnet hatten, lief es nicht wie gewünscht: Zunächst scheiterten Julia Böhnke, Franziska Göppel und Carolin Landesfeind im Achtelfinale mit 224:229 an den Polinnen. Dabei fiel in der dritten Passe die Vorentscheidung, als dem DSB-Team nur 53 Ringe gelangen: „Es ist schade, dass wir raus sind, es hätte besser laufen können. Die drei Ringe haben uns am Ende das Genick gebrochen“, urteilte Göppel. Und Landesfeind ergänzte: „Ich hatte mir etwas anderes erhofft und erwartet, von daher bin ich enttäuscht. Es hat uns einfach auch das Quäntchen Glück gefehlt.“

Ich habe mir mehr erhofft!

Holger Hertkorn, Disziplinverantwortlicher Compound, zum Abschneiden bei der EM

Gleiches galt kurze Zeit später für Sebastian Hamdorf, Leon Hollas und Henning Lüpkemann, die sich den Niederländern um den Weltranglisten-1. Mike Schloesser 223:226 geschlagen geben mussten. Für Holger Hertkorn, Disziplinverantwortlicher Compound, insgesamt eine Enttäuschung: „Ich habe mir mehr erhofft. Gerade von den Damen, die mit dem positiven Gefühl des Weltcupsieges aus Antalya und in der gleichen Zusammensetzung hier antraten, aber es muss viel zusammenpassen. Man muss auch sagen, dass wir maximal drei Weltcups schießen, und wir können aus zeitlichen und finanziellen Gründen nicht so viel trainieren. Dadurch fehlt uns die Wettkampferfahrung und Coolness. Dass die EM im eigenen Land etwas mehr Druck aufbaut, spielt vielleicht im Unterbewusstsein eine Rolle. Heute gab es zudem keine Geschenke von den Gegnern.“

Die Finalansetzungen am 11./12. Juni

11. Juni (10.00 bis 16.00 Uhr) Compound
Team Frauen: TUR – EST (Bronze) & ITA – GBR (Gold)
Team Männer: SLO – AUT (Bronze) & NED – TUR (Gold)
Mixed: BEL – TUR (Bronze) & DEN – EST (Gold)
Einzel Frauen: Elisa Roner (ITA) – Ayse Suzer (TUR, Bronze) & Isabelle Carpenter (GBR) – Sophie Dodemont (FRA, Gold)
Einzel Männer: Robin Jaatma (EST) – Jozef Bosansky (SVK, Bronze) & Mike Schloesser (NED) – Yakup Yildiz (TUR, Gold)

12. Juni (10.00 bis 16.00 Uhr) Recurve
Team Frauen: SLO – DEN (Bronze) & GER – TUR (Gold)
Team Männer: SUI – GBR (Bronze) & ESP – ITA (Gold)
Mixed: ITA – UKR (Bronze) & GER – NED (Gold)
Einzel Frauen: Katharina Bauer (GER) – Elisabeth Straka (AUT, Bronze) & Michelle Kroppen (GER) – Gulnaz Coskun (TUR, Gold)
Einzel Männer: Mete Gazoz (TUR) – Daniel Castro (ESP, Bronze) & Florian Unruh (GER) – Miguel Alvarino Garcia (GER, Gold)

08.06.2022 - 18:44

Recurve: Kroppen & Unruh mit Stärke ins Finale
Nach der phantastischen Qualifikation, die sowohl Florian Unruh als auch Michelle Kroppen mit jeweils persönlicher Bestleistung auf Platz eins beendet hatten, ging das DSB-Duo natürlich an Position eins gesetzt in den Mixed-Wettbewerb. Es galt, drei Matches zu gewinnen, um das große Ziel – das Goldfinale – zu erreichen. Zunächst hieß Österreich der Gegner, der beim 6:0 (39-36, 35-32, 35-32) kein großes Hindernis darstellte. Direkt danach folgte das Duell um den Einzug in das Halbfinale gegen Bulgarien. Und das DSB-Duo ließ sich nicht aufhalten und fegte die Bulgaren mit 6:0 (37-35, 37-36, 40-36) von der Schießlinie. Damit war der Einzug in den Final-Sonntag sicher, nicht aber eine Medaille. Dazu musste ein Sieg gegen den Silbermedaillengewinner von Tokio, Mauro Nespoli, mit seiner Partnerin Tatiana Andreoli (Italien) her. Und Kroppen und Unruh lieferten: 37-35 in der ersten Passe, der einzige Punkteteilung beim 37-37 in der zweiten Passe und das erlösende 5:1 durch das 38-36 in der letzten Passe. Danach wurde gejubelt und gedrückt, die Freude über die sichere Medaille war groß im deutschen Lager. Unruh meinte danach: „Durch die Platzierung in der Qualifikation hatten wir die etwas schwächeren Gegner – und natürlich haben wir gut geschossen.“ Kroppen wies auf einen Aspekt hin, der dem deutschen Team half: „Wir haben hier den Heimvorteil, weil wir den Wind gut lesen können. Wir hatten keine großen Ausreißer, alle Pfeile im Zentrum, maximal einen Achter. Bei Mixed-Team sind es immer nur vier Pfeile. Vier Pfeile kann jeder gut schießen und mit Platz eins hatten wir eine sehr gute Ausgangsposition, die wir gut genutzt haben.“ Dabei verspürte das Duo keinen Druck des Gewinnen Müssens: „Es ist kein besonderer Druck, es ist immer das Gleiche, es sind die gleichen Gegner“, meinte Unruh, ehe Kroppen die Nüchternheit durchbrach: „Ich bin sehr glücklich, alle Teilnehmer und besonders die deutschen Schützen wollen natürlich um die Medaillen mitschießen im eigenen Land. Es war ein guter Tag."

Ich bin sehr glücklich, alle Teilnehmer und besonders die deutschen Schützen wollen natürlich um die Medaillen mitschießen im eigenen Land. Es war ein guter Tag!

Michelle Kroppen nach dem Einzug in das Goldfinale

Im Einzel musste nur Moritz Wieser in der Ko-Phase ran, alle anderen DSB-Athleten genossen ein Freilos. Und Wieser traf auf den bereits mit mehreren Medaillen dekorierten Franzosen Thomas Chirault und hatte überraschend leichtes Spiel: 6:0 (26-24, 26-25, 27-23) hieß es am Ende, sodass am Donnerstag das komplette DSB-Sextett im 1/16-Finale am Start ist. Im Anschluss sagte er: „Gestern habe ich verhältnismäßig besser geschossen, aber ich habe in diesem Match auch ziemlich viel Glück gehabt.“

Compound: DSB-Trio steht im Einzel 1/16-Finale
Im Einzelwettbewerb fanden die ersten beiden Ko-Runden statt: Am Ende dieser hatte das Trio Julia Böhnke, Leon Hollas und Henning Lüpkemann den Sprung in das 1/16-Finale geschafft.
Hollas gewann zunächst 145:144 gegen den Isländer Alfred Birgisson, ehe er herausragende 149 Ringe gegen den Schweizer Roman Haefelfinger folgen ließ. Nur der letzte Pfeil landete nicht im Zentrum, nur ein kleiner „Makel“: „Es lief einfach, mein Schießen fühlt sich gut an, schon die gesamte EM. Der letzte Pfeil war sauber geschossen, ging aber etwas links weg.“

Lüpkemann und Böhnke griffen erst in der zweiten Ko-Runde in das Geschehen ein. Lüpkemann gewann zwar nur mit einem Ring Vorsprung (146:145) gegen Stefan Hansson (Schweden), doch vor der letzten Passe hatte er drei Ringe Vorsprung und brachte diese souverän nach Hause: „Das Match war aufregend, und ich habe sehr gut angefangen und mir eine Führung herausgeschossen. Das hat es ein wenig entspannt, aber nicht besser gemacht. Jetzt hoffe ich auf schlechtes Wetter, weil bei diesen Bedingungen alle hohe Wertungen schießen können.“ Böhnke schoss starke 144 Ringe gegen die überforderte Isländerin Rosa Sumarlidadottir (121) und meinte danach: „Das war gut, natürlich war die Gegnerin dankbar, aber auch mein Schießen war gut. Es hätte auch eine andere sein können, ich habe mich gut gefühlt.“

Jetzt hoffe ich auf schlechtes Wetter, weil bei diesen Bedingungen alle hohe Wertungen schießen können!

Henning Lüpkemann mit einem ganz besonderen Wunsch

Nicht mehr im Einzel dabei sind dagegen Carolin Landesfeind, Franziska Göppel und Sebastian Hamdorf. Alle drei erlitten vermeidbare Niederlagen mit nur einem Ring Rückstand bzw. im Stechen. Hamdorf schoss seinen besten Pfeil im Stechen gegen den Niederländer Sil Pater, zu dumm, dass dem Gegner exakt das Gleiche gelang und der Pfeil minimal näher am Zentrum platziert war. Zuvor hatte es 141-141 gestanden. Hamdorf begründete danach das Aus: „Es waren die Nerven, das erste Match ist immer schwierig, es war für mich ein Kaltstart. Es geht weiter im Mixed und Mannschaft.“

Landesfeind lieferte sich mit ihrer polnischen Gegnerin Ksenija Markitantova vom ersten Pfeil an ein ausgeglichenes Match. Erst ab der dritten Passe erarbeitete sich die Polin einen kleinen Vorteil, vor der letzten Passe war der Rückstand auf drei Ringe angewachsen. Die perfekte 30 reichte der DSB-Akteurin nicht mehr (142-143): „Es ist bitter! Ich hatte ein, zwei Schüsse, die links rausgingen und ich wusste nicht warum, weil sie eigentlich gut geschossen waren.“ Auch das deutsche „Küken“, die 18-jährige Göppel, verabschiedete sich im 1/24-Finale. Am Ende hieß es 137-138 aus ihrer Sicht gegen die Ukrainerin Kseniia Shkliar, dabei war am Ende mehr möglich – aber beide Schützinnen schossen in der letzten Passe nur eine 25. Dennoch zeigte sie sich nicht enttäuscht: „Ich bin in die EM gegangen, um Erfahrung zu sammeln und Spaß. Und jede Niederlage ist auch eine Erfahrung, daraus lernt man und damit muss man leben können.“ Um dann mit einem kleinen Lachen nachzulegen: „Die beiden Achter am Ende hätten nicht sein müssen!“

Jede Niederlage ist auch eine Erfahrung, daraus lernt man und damit muss man leben können!

Die 18-jährige Franziska Göppel mit weisen Worten

Und auch im Mixed verabschiedete sich das Duo Böhnke & Hamdorf nach einer 150:153-Niederlage gegen das französische Weltklasse-Team Sophie Dodemont & Jean Boulch. Dabei hatte das deutsche Team einen guten Start und lag nach zwei Passen vorne (77:75), das Niveau konnte jedoch nicht gehalten werden. „Das ist Frankreich in Bestbesetzung, das geht nicht besser. Da kann man zu keinem Zeitpunkt denken, dass sie geknackt sind“, sagte Hamdorf. „Wenn man konstant gut ist, kann man gewinnen. Das ist uns leider nicht gelungen.“

Im Goldmatch Compound Mixed stehen sich Estland und Dänemark am Samstag gegenüber.

Die Ansetzungen für den 9. Juni mit deutscher Beteiligung

Recurve Team Männer: 1/8-Finale um 9.15 Uhr
GER vs. DEN

Compound Team Frauen: 1/8-Finale um 9.15 Uhr
GER vs. POL

Recurve Team Frauen: 1/8-Finale um 10.00 Uhr
GER vs. FIN

Compound Team Männer: 1/8-Finale um 10.00 Uhr
GER – NED

Recurve Einzel: 1/16-Finale um 14.15 Uhr
Florian Unruh vs. Dan Olaru (MDA)
Jonathan Vetter vs. Artem Ovchynnikov (UKR)
Moritz Wieser vs. Jonas Andersson (SWE)
Michelle Kroppen vs. Kirstine Andersen (DEN)
Katharia Bauer vs. Alexandra Longova (SVK)
Charline Schwarz vs. Elisabeth Straka (AUT)

Compound Einzel: 1/16-Finale um 14.15 Uhr
Leon Hollas vs. Jozef Bosansky (SVK)
Henning Lüpkemann vs. Stas Modic (SLO)
Julia Böhnke vs. Sandra Herve (FRA)

08.06.2022 - 12:01

Ausführlich berichtet die Deutsche SchützenZeitung in ihrer aktuellen Juni-Ausgabe, wie die Deutschen abgeschnitten haben. Dabei zeigte sich, dass in anderen Nationen aufgrund der unterschiedlichen Bedingungen die Zwangs-Wettkampfpause besser genutzt werden konnte.
Deutschland ist im internationalen Schieß- und Bogensport in 2022 ein wichtiges Gastgeberland.

Den Anfang macht die Bogen-Europameisterschaft in München, die bereits begonnen hat. Die DSZ blickt noch einmal zurück auf die Qualifikation, aus der sich das Team mit insgesamt zwölf Sportlern herausschälte. Größer wird das heimische Aufgebot der Vorderladerschützen sein, wenn sie ihre Weltmeisterschaft in Pforzheim austragen würden. Auch sie trugen ihre Qualifikation aus, natürlich in der „Goldstadt“.

Außerdem berichtet die DSZ von der Generalprobe der Bogenschützen, die beim Weltcup in Korea für den olympischen Recurvebereich mit zwei Medaillengewinnen äußerst erfolgreich verlief. Dazu bildet, wie immer, eine Vielzahl von Meldungen und Informationen einen Schwerpunkt in der neuen Ausgabe, gepaart mit Servicetipps zu den Bereichen Ausrüstung, Gewehr und Pistole.

Wer sich eigens das kommende Heft sichern möchte – oder eine frühere Ausgabe – hat online die Bestellmöglichkeit unter www.uzv.de, und er kann wählen zwischen gedruckter und digitaler Form.

07.06.2022 - 19:08

Recurve: Kroppen und Unruh bärenstark
An seinem 29. Geburtstag machte sich Florian Unruh selbst das schönste Geschenk: Der Olympia-Fünfte zeigte sich in Top-Form und steigerte seine persönliche Bestleistung um sechs Ringe auf 687. Dabei agierte er mit hoher Konstanz und war sowohl in der ersten Hälfte als auch in der zweiten Hälfte bester Schütze. Dementsprechend breit fiel das Grinsen danach aus: „Es ist nicht das größte Geschenk, aber ein sehr schönes. Ich hatte Spaß. Es war deutlich weniger Wind als ich erwartet hatte, ich konnte einfach in die Mitte zielen.“ Den deutschen Doppel-Erfolg in der Qualifikation machte Michelle Kroppen perfekt. Die Olympia-Dritte mit der Mannschaft agierte vor allem bei den ersten 36 Pfeilen bärenstark und distanzierte die Konkurrenz zur Halbzeit um elf (!) Ringe. „Ich habe meine erste Halbzeit sehr genossen, ich war im Flow.“ Die beste Ausgangsposition sicherte sie sich mit der viertbesten Leistung in der zweiten Hälfte des Wettkampfes. „Ich habe meine Bestleistung von 675 eingestellt. Das ist gut, auch wenn ich natürlich mehr wollte. Ich bin sehr glücklich“, so Kroppen.

Es ist nicht das größte Geschenk, aber ein sehr schönes!

Florian Unruh zu "seinem" Geburtstagsgeschenk

Auch die anderen DSB-Recurver agierten stark und belegten die Plätze fünf (Katharina Bauer 659 und Jonathan Vetter 676) und sieben (Charline Schwarz 656). Dabei fiel die Beurteilung aber durchaus unterschiedlich aus. So sagte Bauer: „Der fünfte Platz ist in Ordnung, aber mit dem Ergebnis bin ich persönlich nicht zufrieden, weil ich Fehler hatte, die ich hätte vermeiden können.“ Schwarz meinte: „Ich bin glücklich mit meinem Wettkampf. Ich habe gut geschossen, bin unter den Top acht und habe eine gute Ausgangsposition und mein bestes internationales Ergebnis geschossen.“ Und Vetter urteilte: „Ich bin auf jeden Fall zufrieden. Es gibt nie 72 perfekte Schüsse, aber es waren viele gute dabei. Ich bin zuversichtlich und hoffe, dass es weit nach vorne geht.“

Es gibt nie 72 perfekte Schüsse, aber es waren viele gute dabei!

Jonathan Vetter zeigte sich mit seiner Leistung zufrieden

Dies ist auch für Moritz Wieser möglich, der sich in der Qualifikation etwas schwer tat (26. Platz 659 Ringe) und damit - die übrigen DSB-Schützen genossen ein Freilos - auch in der ersten Ko-Runde antreten musste. In dieser wurde es dramatisch, denn gegen den Serben Jovica Velimirovic lautete es nach fünf Sätzen 5:5, sodass ein Stechpfeil über das Weiterkommen entscheiden musste. „Man weiß, dass im Stechen eine 50:50-Chance ist. Man steht mit dem Rücken zur Wand und man versucht, den saubersten Schuss rauszuholen, den man auf Lager hat“, so Wieser. Und das gelang ihm prächtig: Ihm gelang ein X, ein Treffer in das Zentrum, der Serbe schoss nur eine Fünf. Damit ist das Recurve-Sextett am 8. Juni komplett in allen Wettbewerben vertreten und geht in diese als Mixed-Erste (Kroppen & Unruh), Team-Erste (Frauen) und Team-Zweite (hinter Spanien) in die entscheidenden Runden, von denen Geburtstagskind Unruh sagt: „Das Ziel bleibt, gut zu schießen – wie immer!“

Compound: Hamdorf glänzt mit persönlicher Bestleistung
Um Punkt 9.00 Uhr begannen die 47 Compound-Frauen und 78 -Männer bei 15°C und Windstille mit den letzten Übungspfeilen, bevor kurze Zeit später der erste Wettkampftag der EM startete. Mit dabei die DSB-Athletinnen Carolin Landesfeind, Julia Böhnke und Franziska Göppel auf den Scheiben 18D, 20D und 21D sowie die Männer Sebastian Hamdorf (40D), Leon Hollas (39D) und Henning Lüpkemann (38D). Bereits der erste Wettkampfpfeil wurde im leichten Nieselregen geschossen, danach verstärkte sich der Niederschlag – keine angenehmen Bedingungen, aber dennoch kein Problem: „Der Regen war da, hat aber nicht wirklich gestört“, meinte Hamdorf, und Böhnke ergänzte: „Es war nass und kalt, aber es hätte schlimmer kommen können.“

Ich hatte eine ziemliche Wut im Bauch und entsprechend habe ich danach geschossen!

Carolin Landesfeind nach ihrem Fauxpas in der ersten Passe

Schlimm verlief der Start für Landesfeind, denn der letzte Pfeil ihrer ersten Passe war ein „M“, d.h. ohne Wertung, da sie ihn nicht in der vorgeschriebenen Zeit auf die Scheibe brachte („Ich bin nicht reingekommen und dann war die Zeit abgelaufen. Und bei drei Minuten kann man sich nicht viel erlauben, die Zeit war um und mein sechster Pfeil noch im Köcher.“). Davon ließ sie sich aber nicht beeindrucken und kletterte in der Folge mit starken Passen vom letzten Platz immer weiter nach oben bis auf Platz 24 (679 Ringe) im Tableau: „Ich hatte eine ziemliche Wut im Bauch und entsprechend habe ich danach geschossen. Aber umso ärgerlicher ist es im Nachhinein, wenn man weiß, man kann es besser, es aber nicht abruft.“

Einen konstanten Wettkampf zeigte Böhnke, die sich von Beginn an im oberen Tableau bewegte und am Ende auf Rang 18 (681 Ringe) landete und sagte: „Das Ziel beim Bogenschießen ist, jeden Pfeil gleich und insgesamt so konstant wie möglich zu schießen – das hat ganz gut funktioniert. Das „Küken“ im Team, Juniorin Göppel, steigerte sich nach einer schwächeren ersten Hälfte (320 Ringe) deutlich und wurde mit 653 Ringen 40. Knapp über 50 Ringe mehr schossen die beiden Führenden der Qualifikation, die Britin Ella Gibson und Titelverteidigerin Tanja Gellenthien (Dänemark), die beide starke 709 Ringe auf die Scheibe brachten.

Es ist geil, gerade nach den zwei Wettkämpfen, die zuletzt nicht so gut gelaufen sind, zu zeigen, dass man es kann!

Sebastian Hamdorf über seine Genugtuung nach der Qualifikation

In der Männer-Konkurrenz startete Hamdorf mit einer perfekten 60 und blieb auch danach fokussiert. Am Ende landete der 41-jährige EM-Debütant auf Platz acht und verbesserte seine persönliche Bestleistung um vier Ringe auf 706. Dementsprechend zufrieden war er danach: „Es ist geil, gerade nach den zwei Wettkämpfen, die zuletzt nicht so gut gelaufen sind, zu zeigen, dass man es kann. Und dabei habe ich noch ein paar Passen verschenkt, aber ich will mich nicht beschweren.“ Auch Lüpkemann durchbrach mit 702 Ringen (15. Platz) die „magische“ Grenze von 700 Ringen – insgesamt gelang dies 24 Männern. „Ich bin okay mit meiner Qualifikation, einer hätte nicht sein müssen, da ist das Release zu früh aufgegangen. Aber ich habe solide und gut geschossen.“ Nach schwächerer erster Hälfte steigerte sich Hollas auf insgesamt 693 Ringe (43. Platz), als Team gehen die Compound-Männer als Fünfte auf Medaillenjagd.

07.06.2022 - 14:33

Florian Unruh erlebt in München bereits seine fünfte Europameisterschaft. Damit ist der 29-Jährige mit Abstand der erfahrenste deutsche EM-Teilnehmer. Und dementsprechend routiniert äußert sich der Olympia-Fünfte von Tokio zur „EM dahoam“: „Um ehrlich zu sein, ist das nichts Besonderes, es ist ein Wettkampf wie jeder andere. Der erste Weltcup in Berlin (2017, Anm. d. Red.) war schon besonders, weil die Helfer plötzlich alle deutsch sprachen. Aber ansonsten sind die gleichen Leute da, man schießt gegen die gleichen Leute.“

Um ehrlich zu sein, ist das nichts Besonderes, es ist ein Wettkampf wie jeder andere!

Florian Unruh geht ganz entspannt in seine fünfte EM

Auch Compound-Schützin Carolin Landesfeind sieht das so, und das, obwohl sie wie fünf weitere DSB-Athleten EM-Debütantin ist: „Im Endeffekt ist es ein normaler Wettkampf, aber natürlich ist es etwas Besonderes hier zu Hause im eigenen Land.“ Zwar schießt Landesfeind ihre erste EM auf Scheibe, aber dennoch ist sie keine Novizin. Als Juniorin nahm sie bereits an einer EM teil, im Feldbogen konnte die 34-Jährige bereits drei WM-Medaillen gewinnen. Und vor kurzem triumphierte sie an der Seite von Julia Böhnke und Franziska Göppel sensationell beim Weltcup in Antalya, als ihnen der erste Weltcupsieg für ein deutsches Compound-Frauenteam in der Historie gelang: „Der Weltcupsieg gibt Schub und eine gewisse Erwartungshaltung, da wir mit dem gleichen Team am Start sind. Mal gucken, was wir daraus machen.“

Der Weltcupsieg gibt Schub und eine gewisse Erwartungshaltung, da wir mit dem gleichen Team am Start sind!

Carolin Landesfeind hofft, den Coup von Antalya wiederholen zu können.

Abwarten will auch Moritz Wieser. Schließlich weiß er trotz seiner erst 21 Jahre, worauf es ankommt: „Du kannst heute Weltmeister sein und morgen gar nichts mehr. Es ist immer auch abhängig, wie die anderen drauf sind. Ich muss meine Arbeit machen und gut schießen und was rauskommt, kommt raus.“ Dass etwas Gutes herauskommen kann, hat er bereits bei seiner EM-Premiere im vergangenen Jahr in Antalya bewiesen. Damals gewann er im deutschen Duell gegen Unruh die Bronzemedaille, er erinnert sich: „Meine erste EM war aufregend. Eigentlich wollte ich mich in dem Jahr ins Team schießen und mir Respekt erarbeiten. Das habe ich recht gut geschafft. Ich habe mich auf mich konzentriert, war ziemlich gut drauf, und die Medaille war die Belohnung dafür.“ Ein gleiches Szenario würde sich der Tachertinger sich als waschechter Bayer natürlich für die „EM dahoam“ wünschen, dennoch geht er die Angelegenheit realistisch an: „Eine Medaille ist nicht garantiert. Ich spüre keinen Druck. Die Leute, die kommen und mir zuschauen, kommen, weil sie mir zuschauen und nicht, weil sie erwarten, dass ich etwas gewinne.“

Dies sieht auch der „alte Hase“ Unruh so, der ebenfalls bei seiner ersten EM, 2014 im armenischen Echmiadzin, sensationell den EM-Thron bestieg: „Ich bin 2014 mit dem Gedanken hingefahren, ich kann hier Europameister werden. Durch glückliche Umstände und gute Leistungen bin ich dann Europameister geworden.“ Zwar konnte er bei den nächsten drei kontinentalen Titelkämpfen keine weitere Medaille gewinnen, doch der aktuelle Weltranglisten-Neunte erklärt: „Und auch danach war es immer so, es schaffen zu können. Auch hier habe ich die Möglichkeit, am Wochenende dabei zu sein.“

Ich fühle mich nicht als Küken, aber auch nicht als alter Hase. Irgendetwas dazwischen!

Moritz Wieser ist noch auf der Suche nach einem Tier, das auf ihn passt

Das ist das große Ziel aller DSB-Teilnehmer, in irgendeinem Medaillenmatch am Samstag (Compound) oder Sonntag (Recurve) mitschießen zu können. Und da unterscheiden sich die „Hasen“ nicht von den „Küken“ oder denjenigen, die sich weder in dem einen noch in dem anderen wiederfinden, wie Moritz Wieser: „Ich fühle mich nicht als Küken, aber auch nicht als alter Hase. Irgendetwas dazwischen.“

06.06.2022 - 19:07

Bei schönstem Sonnenschein versammelten sich Athleten, Teambetreuer, Kampfrichter, Funktionäre und die an der Zeremonie beteiligten Teilnehmer auf dem „Konrad-Wiernhier-Platz“ und somit dort, wo 1972 die olympischen Medaillengewinner im Schießsport geehrt wurden. Wiernhier gewann damals Gold im Skeet-Wettbewerb.

Jede der 40 teilnehmenden Nationen lief - stellvertretend durch einen oder zwei Athleten (für Deutschland waren es Moritz Wieser und Franziska Göppel) - mit Nationalflagge auf den Platz, dann begrüßte Gerhard Furnier, der DSB-Vizepräsident Sport, alle Anwesenden: „Wir sind stolz, nach der Hallen-EM 1988 in Oldenburg und der Junioren-EM 2010 in Winnenden nun die EM für Recurve- und Compoundbogen auszurichten.“

Charline Schwarz und Jonathan Vetter zogen die WAE-Fahne hoch, ehe Michelle Kroppen für die Athleten, Bundestrainer Oliver Haidn für die Trainer und Sabrina Steffens für die Wettkampfrichter den Eid sprachen, faire Wettkämpfe auszutragen.

Am lautesten wurde es am Ende der Eröffnungsfeier: Die Münchener Böllerschützen ließen es krachen und begeisterten mit ihrer Show die sonst die Ruhe ausstrahlenden Bogenschützen.

06.06.2022 - 15:43

Im Goldfinale ging es für das deutsche Duo gegen den dreifachen Olympiasieger Vincent Hancock und Austen Smith. Und das Match begann spektakulär und völlig ausgeglichen, denn beide Teams schossen in den ersten beiden Runden jeweils eine „Fahrkarte“, sodass jeweils die Punkte geteilt wurden. Die ersten zwei Fehler des bis dahin makellosen Schreiers verschaffte den USA die 4:2-Führung, die sich der Favorit nicht mehr nehmen ließ: Mit 8:7 siegten sie auch im letzten Satz knapp. Bundestrainer Axel Krämer war dennoch hellauf begeistert: „In der Qualifikation mussten wir in die Nähe der Maximalleistung schießen. Dann haben sie sich im Shoot-off souverän durchgesetzt. Und im Finale waren wir auf Augenhöhe mit den Amerikanern, das war eine blitzsaubere Leistung. Wir sind knapp dran und bewegen uns aktuell auf einem ganz anderen Niveau.“

Es gibt so Tage, da läuft es wie geschmierte Butter!

Christine Wenzel gewann nach Gold im Team nun Silber im Mixed.

Auch Christine Wenzel war hoch zufrieden: „Es gibt so Tage, da läuft es wie geschmierte Butter. Das war ein großartiger Wettkampf. Wir sind total happy mit unserer Silbermedaille sowie mit den 146 Treffern von 150 möglichen in der Qualifikation. Ich komme das erste Mal mit zwei Medaillen von einem Wettkampf nach Hause und finde die neuen Wettkampfformate richtig cool.“

In der Qualifikation hatten Schreier & Wenzel jeweils sehr starke 73 Treffer landen können, sodass sie sich – treffergleich mit der Tschechischen Republik und dem zweiten US-Team – in ein Stechen begeben mussten. In diesem zeigte das DSB-Duo Nervenstärke und Klasse, denn nach acht Scheiben „patzten“ zunächst die Amerikaner und nach 14 Scheiben die Tschechen.

Dabei schoss Wenzel, wie schon im mit Gold belohnten Teamwettbewerb, mit dem Waffensystem von Teamkollege Felix Haase, nachdem ihre Waffe im Einzel

Das zweite deutsche Duo, Vincent Haaga & Nele Wißmer, belegte mit 140 Treffern den zwölften Platz.

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