Aufgrund der aktuellen Eindämmungsverordnung ist der Trainingsbetrieb bis mindestens Ende November stark eingeschränkt.
19.10.2020 - 14:31

Alle zwei Jahre wählt die USPE die beste Polizeisportlerin, den besten Polizeisportler sowie die erfolgreichste Polizeimannschaft Europas. Normalerweise findet die Ehrung im Rahmen des USPE- Kongresses statt. In diesem Jahr war dieser Kongress mit den rund 40 Mitgliedsländern im November in Wien geplant. Die Corona-Pandemie hat den Verantwortlichen aber leider den berühmten „Strich“ durch die Rechnung gemacht, sodass die Veranstaltung jetzt in einem anderen Rahmen durchgeführt wurde. Der feierliche Akt für Aaron Sauter fand am 13. Oktober 2020 in der I. Hessischen Bereitschafts-Polizeiabteilung Mainz-Kastel statt.

Mit Polizeioberkommissar Aaron Sauter wurde nach Polizeioberkommissarin Jenny Mensing, im Jahr 2010, erstmals wieder ein hessischer Polizeibeamter ausgezeichnet. Er ist amtierender Europäischer Polizeimeister mit der Luftpistole und Europäischer Vizepolizeimeister mit der Zentralfeuerpistole. Nicht zuletzt aufgrund der bei der 18. Europäischen Polizeimeisterschaft im Schießen im thüringischen Suhl abgerufenen Leistungen, wählten die Mitglieder des Exekutivkomitees und der Technischen Kommission der USPE Sauter einstimmig als besten männlichen europäischen Polizeiathleten. „Das ist Balsam auf die Seele, dass man sportlich und auch darüber hinaus einen positiven Eindruck hinterlassen hat. Und es ist für mich wichtig, dass ich auch der Polizei etwas zurückgeben kann“, so Sauter zu der Auszeichnung.

„Dass Polizeioberkommissar Sauter einstimmig zum besten männlichen europäischen Polizeiathleten 2020 gewählt wurde, freut mich sehr. Ganz Hessen und insbesondere die hessische Polizeifamilie ist stolz auf unseren Topsportler. Der 29-Jährige ist nicht nur eine große Nachwuchshoffnung für das Sportland Hessen, sondern auch eine große Bereicherung für die hessische Polizei. Nach Jenny Mensing, die 2010 zur besten europäischen Polizeisportlerin gewählt wurde, ist Aaron Sauter bereits der zweite Sportler aus den Reihen der hessischen Ordnungshüter, dem diese hohe Auszeichnung zuteil wurde. Diese Wahl ist zugleich auch ein Beleg dafür, dass die Förderung des Spitzensports bei unseren Schutzleuten sehr erfolgreich ist und vielfältige Früchte trägt“, so Staatssekretär Dr. Stefan Heck. 

Das große Ziel von Sauter bleibt natürlich die Teilnahme an Olympischen Spielen. Ob ihm diese Auszeichnung auf seinem Weg nach Tokio einen zusätzlichen Schub gibt, Sauter kämpft mit Christian Reitz und Oliver Geis um zwei Plätze in Japan, verneint er: „Olympia sollte an sich Motivation genug sein und hat seine eigene Magie. Und so eine Auszeichnung ist immer in die Vergangenheit gerichtet, und Olympia ist für mich Zukunftsmusik.“

Polizei-Sportfördergruppe seit 2005
Mit Einführung einer Polizei-Sportfördergruppe wurden der Spitzensportförderung in Hessen bereits 2005 feste Strukturen gegeben. Bis heute konnten so mehr als 150 Polizeibeamtinnen und -beamte im Rahmen der Dualen Karriere unterstützt werden. Zurzeit befinden sich 41 hessische Sportlerinnen und Sportler im Studium. 18 Polizistinnen und Polizisten werden in der Berufsausübung gefördert. „Das Duale Studium hält Sport und Beruf in Balance. Es trägt zur Persönlichkeitsentwicklung sowie langfristigen Existenzsicherung bei und beugt dem vorzeitigen Ende der leistungssportlichen Karriere vor. Unsere Athletinnen und Athleten aus Polizei und Verwaltung können sich so eine berufliche Perspektive schaffen und sich gleichzeitig weiter intensiv ihrer sportlichen Karriere widmen“, so der Staatssekretär des Hessischen Ministeriums des Innern und für Sport. 
 
Hintergrundinformationen zur Union Sportive des Polices d’Europe
Die Union Sportive des Polices d’Europe (USPE) wurde am 30. November 1950 auf Initiative des französischen Polizeisportverbandes in Paris von 10 europäischen Ländern gegründet. Am 5. September 1954 erfolgte der Beitritt des Deutschen Polizeisportkuratorium (DPSK) in den Europäischen Polizeisportverband. Inzwischen besteht die USPE aus 40 europäischen Nationen. Die USPE veranstaltet in 16 Sportarten Europäische Polizeimeisterschaften, die jeweils im Vierjahres-Turnus durch die Mitgliedsländer organisiert werden. Die USPE ist durch das IOC anerkannt und wird durch dieses gefördert.

(Deutsches Polizeisportkuratorium/EB)

19.10.2020 - 14:25

Die Landesverbände sind informiert worden und haben nun die Aufgabe, nach interessierten Ausrichtern Ausschau zu halten. Diese müssten, da es sich um eine „abgespeckte“ Variante handelt, nur eine geeignete Dreifach-Sporthalle organisieren. Geschossen werden soll an zwei Terminen – an dem eigentlichen DM-Termin (19.-21. März) und eine Woche früher oder später.

Die Qualifikation und Zulassung für die Wettbewerbe soll wie bisher mittels Apollon über die Landesverbände laufen. Dazu können Ergebnisse der Landesmeisterschaft 2021, der Landesmeisterschaft 2020 oder der niedrigeren Qualifikationsstufe 2020 oder 2021 herangezogen werden. Die Starterzahl bei den beiden Wettbewerben hängt dann von der Hallengröße und den Meldezahlen ab.

„Der DSB versucht mit allen Mitteln, den Sportbetrieb in dieser für alle schwierigen Zeit aufrecht zu halten. Nachdem nicht alle Landesverbände ihre Meisterschaften abhalten konnten, wollen wir den Athleten die Möglichkeit geben, weiterhin ihrem Sport nachzugehen und ein Ziel geben“, so Gerhard Furnier, DSB-Vizepräsident Sport.

19.10.2020 - 10:22

Die Entscheidung fiel der Weltverband kürzlich einstimmig in einer Video-Konferenz. Dennoch hofft der Weltverband natürlich auf sportliche Aktivitäten im nächsten Jahr. „Geplant ist, in der European und Pacific Zone, Zonen-Meisterschaften auf Basis von Fernwettkämpfen zu organisieren. Diese sollen vermutlich im September/Oktober 2021 stattfinden“, sagt MLAIC-Generalsekretär Gerhard Lang, der zugleich auch der Vorderlader-Bundesreferent im DSB ist.

Auf nationaler Ebene plant der DSB vorerst den regulären Ablauf mit Landes- und Deutschen Meisterschaften, auch der traditionelle Deutschland-Cup soll stattfinden. Da die Ranglisten wegfallen, werden voraussichtlich die Ergebnisse der DM als Bewertungsgrundlage für die Nationalkaderzugehörigkeit herangezogen. Und für Disziplinen, die nicht national geschossen werden, gibt es möglicherweise einen weiteren Schießtag vor der DM.

16.10.2020 - 15:07

Reitz erzählte von seinen Anfängen, wie er zum Sport kam und dass er sich zwischen dem Schieß- und dem Volleyballsport entscheiden musste. Und er antwortete Moderator Jamie Stangroom in fließendem Englisch, welches sein wertvollster Titel bisher war (die Antwort ist wenig überraschend) und wie es ist, mit einer Schützin (Sandra) verheiratet zu sein.

Und natürlich wird auch die Corona-Pandemie und deren Auswirkungen thematisiert: „Wenn wir trainieren können, trainieren wir. Aktuell trainieren wir, um unser Level so hoch wie möglich zu halten. Nächstes Jahr starten wir dann neu“, so Reitz.

Und Reitz zeigt sich für die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Tokio gewappnet, denn beim Quiz „Toky-jo or Toky-no“ hatte er immerhin drei Richtige. Alles zu sehen bzw. zu hören im Video unten.

Wer sich Christian Reitz lieber auf deutsch anhört, dem ist der DSB-Podcast "Volltreffer" empfohlen. Reitz stand dem DSB über eine Stunde lang Rede und Antwort (Link siehe unten).

16.10.2020 - 12:12

DOSB-Vizepräsidentin Dr. Petra Tzschoppe entschuldigte sich bei der Veranstaltung in Berlin im Namen des Sports bei allen Betroffenen und sicherte auch Unterstützung bei der Aufarbeitung zu.

Der DSB hat ein umfassendes Präventionskonzept zum Thema „Sexualisierte Gewalt im Sport“ erstellt, um gemeinsam mit der Deutschen SchützenJugend den bestmöglichen Schutz für Kinder und Jugendliche anzubieten.

Landesverbände und Vereine können gerne vom DSB die Handlungsleitfäden und Informationen beziehen und sich bei Bedarf – auch anonym – an den DSB wenden. Schließlich ist der Nachwuchs das höchste Gut der Gesellschaft und das Kindeswohl in unserer aller Sinn.

15.10.2020 - 08:18
  1. Reduziert Stress.
  2. Sport mit Teamkameraden macht doppelt Spaß.
  3. Stabilisiert dein Skelett ud beugt Verletzungen vor.
  4. Verringert Dysbalancen.
  5. Verbessert deine Körperwahrnehmung.
  6. Stärkt dein Immunsystem.
  7. Erhöht die Konzentrationsfähigkeit.
  8. Habe deine Nervosität besser im Griff.
  9. Verbessert die Anpassungsfähigkeit bei extremen Wetterbedingungen (z.B. Hitze).
  10. Bleibe fit bis zum letzten Schuss.

Wer sich selbst oder seine Vereinsmitglieder zum Fitnesstraining motivieren will, der kann sich das Plakat (siehe Link unten) herunterladen und im Verein oder im eigenen Zuhause aufhängen, denn man sollte sich immer seine Ziele visualisieren.

14.10.2020 - 10:04

Schützen müssen sich oft mit dem Vorurteil beschäftigen, dass sie körperlich nicht topfit sind. Was würden Sie den Kritikern entgegensetzen?
Haidn: „Meine Athleten haben nur einen Kritiker: den Bundestrainer. Sonst würde, denke ich, jeder sehr zufrieden sein mit dem athletischen Niveau. Im Bogenschießen ist es vielleicht etwas anders als im Kugelbereich, denn wir haben von vornherein einen Schwerpunkt auf Athletiktraining, Ausdauertraining oder allgemeines Koordinationstraining. Es gehört genauso dazu wie das Schießtraining auch.“

Wie viel Anteil hat das Fitness-Training?
Haidn: „Es hängt davon ab, in welcher Phase wir uns befinden. Zu Saisonbeginn legen wir mehr Wert auf die Athletik, denn die läuft der speziellen Kondition voraus. Jetzt im Oktober schießt ein Bogenschütze ca. zwischen 1000-1500 Pfeile pro Woche, hinzu kommen 7-8 Stunden Athletiktraining. Ab Januar wird diese dann reduziert, dafür werden die Pfeilzahlen erhöht. Im Allgemeinen machen wir ca. 70 Prozent Spezialtraining, der Rest teilt sich auf Athletiktraining und psychologisches Training auf.“

Warum ist Athletiktraining wichtig für Bogenschützen?
Haidn: „Wenn man in den Hochleistungssport reinblickt, dann schießen unsere Bundeskaderathleten bis zu 2000 Pfeile die Woche mit einem Bogen, dessen Zuggewicht zwischen 40-50 lbs liegt (1 lb entspricht 454 Gramm). Also zieht der Athlet in der Woche 1000-2000 Mal 20-25 Kilogramm. Wenn man das technisch sauber umsetzen will, benötigt der Sportler eine allgemeine Kraft.“

Welche Muskelgruppen sind dabei besonders wichtig?
Haidn: „Das Schultergelenk ist vor allem ein muskulär geführtes Gelenk. Um den Schulterkopf in der Gelenkpfanne beim Ausziehen des Bogend zu stabilisieren, ist diese Schultermuskulatur essenziell für Bogenschützen, um den Bogen ruhig halten zu können. Wenn wir das nicht machen, führt das Training schnell zu Überlastungen – auch im Bereich des Sehnenapparates. Verletzungen sind die Folge.“

Gibt es weitere Bereiche, die besonders trainiert werden sollten?
Haidn: „Ebenso wichtig ist der Rücken! Der Trapezmuskel, der Latissimus sowie der Rautenmuskel sind wesentliche Muskeln, die trainiert werden sollten. Aber ein Bogenschütze braucht auch eine entsprechende Rumpfstabilität. Stellt man sich einen Baum im Wind vor, sieht man nur, dass sich die Blätter und Äste bewegen, der Stamm bleibt still. Gleiches gilt für einen Athleten: Wenn dessen Rumpf nicht gut ausgebildet ist, wackelt der ganze Stamm samt Äste, also die Arme des Schützen, gleich mit. Die dritte Komponente ist die statische Muskulatur, die er für einen stabilen Stand braucht, das heißt, auch die Oberschenkelmuskulatur muss entsprechend trainiert sein.“

In welchem Alter sollte ein Bogenschütze mit dem Krafttraining beginnen?
Haidn: „Begleitendes Training sollte von Anfang an in allen Bereichen stattfinden. Vom Ausdauertraining bis hin zum Koordinationstraining. In jedem Verein sollte das ab der Schülerklasse der Fall sein. Ein regelmäßiges, gezieltes Krafttraining mit speziellen Übungen muss spätestens dann erfolgen, wenn der Athlet sich in Richtung Jugendklasse bewegt, denn wir setzen hier ca. 30.000 Pfeile pro Jahr an, wofür er eine entsprechende Kraft benötigt.“

Wie sieht ein optimales Fitness-Training für einen Bogenschützen aus?
Haidn: „Ein Bundeskaderathlet sollte dreimal pro Woche für ca. 60 Minuten ein gerätegestütztes Krafttraining (Seilzug, Beinpresse, etc.) durchführen. Hinzu kommen Workouts (Core-Training), also Ganzkörper-Stabilisationsprogramme. Diese dauern bei uns in der Regel 18 Minuten und werden fünfmal ausgeführt, um die Rumpfstabilität zu stärken. Als dritte Komponente gibt es das Theraband-Programm, das der Schütze ebenfalls fünfmal pro Woche für ca. 15 Minuten durchführt. Das ist ein Spezialprogramm für die Schultern mit Schwerpunkt Innen- und Außenrotation. Obendrauf kommen ca. 100 Minuten Lauftraining, die ein Athlet für den Ausdauerbereich machen sollte. Wenn er lieber mit dem Fahrrad fährt, erhöht sich die Zeit noch einmal. Warum machen wir das? Weil wir hitzeresistent sein wollen, wir so die Konzentrationsfähigkeit über die Woche aufrecht halten können und wir so das Immunsystem stärken. Wenn ein Athlet sich über fünf, sechs Wettkampftage konzentrieren will, dann ist Ausdauertraining unerlässlich.“

Woher wissen Sie, auf welchen Fitnesslevel sich Ihre Athleten bewegen?
Haidn: „Wir testen viermal im Jahr sowohl die allgemeine als auch die spezielle Athletik. Das ist ein Feldstufentest mit einem 45-minütigen Lauf, einem Maximalkrafttest und einem Core-Programm von 21 Minuten mit dem Ziel von 240 sauberen Wiederholungen. Das hilft uns, die Fähigkeiten einordnen und vergleichen zu können, und so können wir das Training entsprechend danach ausrichten.“

Jetzt haben die Bundeskaderschützen in ihren Sportleistungszentren überwiegend hervorragende Trainingsbedingungen. In Vereinen sind die Möglichkeiten oft begrenzt. Haben Sie Tipps, wie sich körperliches Training auch ganz einfach im Verein umsetzten lässt?
Haidn: „Dass das im Verein nicht geht, lasse ich nicht gelten, denn jeder Schütze kann sich ein Theraband besorgen und 15 Minuten im Anschluss ans Schießtraining die Rotatorenmanschette schulen. Übungen kann jeder von uns haben. Ein Ganzkörper-Stabilisationsprogramm führen wir ausschließlich ohne Geräte aus, das heißt, diese 5x18 Minuten kann auch jeder trainieren. Und dann ist auch ein extra Fitnessstudiobesuch nicht mehr nötig, denn damit sollte der Sportler fit genug sein. Ansonsten kann sich natürlich jeder zusätzlich zwei Hantelstangen, Kurzhanteln oder einen Seilzug anschaffen, um gerätegestütztes Training zu machen. Aber man braucht natürlich auch einen Trainer, der die Übungen kontrolliert und bei den Jungschützen begleitet. Das kann z.B. auch ein Physiotherapeut übernehmen, der sich heute schon in fast jedem Verein befindet. Diesen gilt es, zu motivieren und das Training zu übernehmen, wenn es Schützen im Verein gibt, die an einem leistungsorientierten Training interessiert sind.“

13.10.2020 - 11:06

Stattgefunden hat allerdings der vom DSB veranstaltete Online-Fernwettkampf „Meisterschütze 2020 #DuUndDeinVerein“. Über den Ablauf berichtete die neue DSZ wie über die Ergebnisse. Mit der Vorstellung des neuen Bundesleistungszentrums nach dem Neubau beschäftigt sich der vierte und vorletzte Teil unserer Serie unter dem Titel „Ein Paradies für den Leistungssport“. Ebenfalls eine viel beachtete Serie setzen wir unter dem Standard Tradition unter der Dachzeile „Olympische (Spiele)Verderber“ fort. Diesmal geht es, brandaktuell angesichts der „Black lives matter“-Bewegung, um die Einflüsse der Proteste gegen Rassismus.

Wie üblich finden sie wieder unseren kompletten Servicemix im Heft. Training für Gewehr und Pistole sind ebenso Themen wie eine Besprechung zur Ausrüstung und zahlreiche Artikel zu juristischen Betrachtungen für Schützenvereine. Sie finden also wieder ein mit Beiträgen prall gefülltes Heft vor, im gewohnten Umfang. Denn trotz Corona und mit nur wenig aktuellem Sport will die DSZ ihre Leser wie gewohnt über die Entwicklungen und Neuigkeiten zu ihrem Hobby umfassend informieren.

Wer sich eigens das kommende Heft sichern möchte – oder eine frühere Ausgabe – hat online die Bestellmöglichkeit unter www.uzv.de, und er kann wählen zwischen gedruckter und digitaler Form.

13.10.2020 - 08:36

Jolyn, seit wann betreibst du intensiv Fitnesstraining?

Beer: „Bereits im C-Kader mussten wir immer Frühsport machen und ich habe es gehasst, aber ich habe schon immer Fußball gespielt und hatte daher bereits früh eine allgemeine Fitness, die die letzten Jahre leider etwas abgebaut hat. Als ich dann darüber nachgedacht habe, was ich in 2016, als ich schon einmal in Hochform war und diese auch in Finals umsetzen konnte, anders gemacht habe, musste ich mir eingestehen, dass ich dort einfach fitter war. Das war der ausschlaggebende Punkt Anfang des Jahres wieder mit dem Laufen zu beginnen.“

Wie sieht dein Trainingsplan heute aus?

Beer: „Ich gehe ca. dreimal wöchentlich joggen und zweimal ins Krafttraining.“

Hast du dabei Unterstützung bei der Erstellung deines Trainingsplans?

Beer: „Ja. Anfangs habe ich es alleine versucht, aber hatte dann mit Verletzungen zu kämpfen. Danach habe ich beschlossen mir professionelle Hilfe zu holen, einen Trainer, der das strukturiert mit mir angeht und mich an die Hand nimmt.“

Wie motivierst du dich zum Fitnesstraining?

Beer: „Zuerst einmal habe ich mein Ziel meiner Familie erzählt, die gleich gesagt hat ‚Das schaffst du nicht“ und ich so: ‚Wetten doch?‘ Das hat mich angespornt. Aber natürlich ist man am Anfang topmotiviert und die Motivation lässt mit der Zeit nach. Da ist es gut, wenn man andere Schützen an der Seite hat, mit denen man sich gegenseitig motivieren kann.“

Seit dem Beginn deines Fitnesstrainings steigt auch deine Leistung – vor allem im KK-Bereich. Welche Veränderungen bemerkst du?

Beer: „Das Ausdauertraining hat zur Folge, dass mein Puls nicht so schnell ansteigt, vor allem wenn ich nervös bin. Ich hatte schon immer mit meiner Nervosität zu kämpfen, deshalb ist sie jetzt nicht weg, aber ich habe sie besser im Griff. Das hilft mir vor allem in Finals und lässt mich da meine Leistung besser von Anfang bis Ende abrufen.“

Viele Sportschützen verstehen unter Training lediglich das Training am Schießstand, aber nicht das körperliche Training. Ein Fehler?

Beer: „Ich denke schon. Hier muss es ein Umdenken geben, aber da müssen wir uns auch als Sportler selbst an der Nase fassen und mit gutem Vorbild voran gehen. Fitnesstraining gehört genauso zum Training eines Schützen dazu und ist am Ende Teil des Erfolgs, das müssen wir den jungen Leuten zeigen. Die Sportler, die konstant an der Weltspitze zu finden sind, sind auch körperlich topfit.“

Was würdest du gerne noch den Sportmuffeln mit auf den Weg geben?

Beer: "Ich würde ihnen raten, trotz der anfänglichen großen Motivation, das als langen Weg zu sehen. Man sollte tatsächlich nicht davon ausgehen, innerhalb weniger Wochen riesen Sprünge machen zu können. Am Besten ist es, sich seine persönlichen Ziele des Trainings aufzuschreiben und bei Schwierigkeiten die Motivation zu finden, sie sich immer wieder durchzulesen und dran bleiben!"
 

12.10.2020 - 09:46

Wie viel Kraft braucht ein Schütze?

Auch, wenn nicht alle Sportler gleichviel Kraft für ihre Sportart benötigen, sollte Krafttraining von allen unter präventiven Gesichtspunkten betrieben werden. Verletzungen und Überlastungsschäden sowie Dysbalancen sollen damit vorgebeugt werden. Je nach Sportart kann Krafttraining jedoch auch leistungssteigernd wirken.

Dabei ist Kraft nicht gleich Kraft. Man unterscheidet zwischen Maximalkraft, Schnellkraft, Kraftausdauer und dem reaktiven Kraftverhalten. Dabei ist festzuhalten, dass die Maximalkraft eine Basisfähigkeit darstellt, deren Veränderung einen direkten Einfluss auf die Schnellkraft und die Kraftausdauer hat. Die Maximalkraft ist die höchste Kraft, die jemand bei maximaler willkürlicher Kontraktion aufbringen kann, spielt aber im Bogen- und Schießsport nur eine indirekte Rolle. Die Kraftausdauer hingegen wird als von der Maximalkraft abhängige Ermüdungswiderstandsfähigkeit gegen (lang) andauernde Belastungen bei statischer und/oder dynamischer Muskelarbeit angesehen. Sie ist immens wichtig, damit zum Beispiel auch beim letzten Schuss der Pfeil noch konstant und ruhig ausgezogen oder auch die Pistole im nötigen kleinen Halteraum stabilisiert werden kann. Die Abhängigkeit der Maximalkraft definiert hier den Ausgangspunkt der absinkenden Kurve der Ermüdung und je höher dieser Ausgangspunkt ist, desto länger ist es möglich, das Muskelniveau oberhalb eines kritischen Wertes (wenn z.B. der Pfeil nicht mehr ruhig ausgezogen werden kann) zu halten.

Eine aktuelle Studie von Marco Müller, dem bayerischen Landeskadertrainer Gewehr, im Zuge seiner Diplomarbeit an der Sporthochschule Köln zeigt, dass eine Verbesserung der Rumpfkraft zwar keine signifikante Verbesserung der Halteruhe bei Gewehrschützen zur Folge hatte, aber Schützen durchaus von einer Verbesserung der Rückenschmerzen berichteten und auch einer besseren speziellen Kondition beim Stehendschießen. Dies sichert vor allem bei einer hohen Anzahl an Wettkampfschüssen im entscheidenden letzten Teil die Leistungsfähigkeit des Sportlers und ermöglicht somit dem Sportler auch, sein Potenzial optimal auszuschöpfen. Denn betrachtet man die internationale Spitze, entscheiden oft wenige Zehntelringe über den Finaleinzug. Beim Betrachten der Daten ergab sich zudem eine Auffälligkeit im Bereich der ventralen Muskelkette (Bauchmuskulatur), denn es scheint einen Zusammenhang der Dysbalance zwischen ventraler und dorsaler Muskelgruppe und der Halteruhe zu geben. So schlussfolgert Müller, dass eine leicht stärkere ventrale Muskelgruppe für das Stehendschießen von Vorteil sein könnte, was aber noch in weiteren Studien bewiesen werden muss. Während es bei Gewehrschützen vor allem um die Anschlagsstabilität und die Vorbeugung von Folgeschäden geht, braucht der Pistolenschütze eine starke Arm- und Schultermuskulatur, um eine gute Kraftausdauer über eine längere Schussanzahl vorzuweisen. Gleiches gilt für die Schulter- und Rumpfmuskulatur bei Bogenschützen.

Dabei ist aber nicht nur wichtig, diese sportartspezifische Muskulatur zu trainieren, sondern auch die unproportionale Kraftentwicklung durch die einseitigen Bewegungsabläufe und dem sportartspezifischem Training auszugleichen. Denn ansonsten können gestörte Gelenkfunktionen, ein gestörter Bewegungsablauf oder Überlastungsschmerzen entstehen. Besonders geeignet ist dafür ein sogenanntes funktionelles Training, also Übungen, die vor allem mit dem eigenen Körpergewicht ausgeführt werden, komplexe Bewegungsabläufe beinhalten und dadurch die intermuskuläre Koordination fördern, also das Zusammenspiel der verschiedenen Muskeln bei einem gezielten Bewegungsablauf. Diese Übungen sind meist jederzeit und überall durchführbar und daher, wie der Name verrät, sehr funktionell. Wer sie noch etwas erschweren will, kann die Übungen auf instabilen Unterlagen (z.B. Wackelbrett, Pezziball) durchführen. Dadurch wird die Tiefenmuskulatur angesprochen, die das Skelett schützt, hält und stabilisiert. Sie kann aber nicht willkürlich angesteuert werden, sondern nur reflektorisch reagieren, daher ist ein Training auf instabilen Untergründen notwendig, um diese auch wirklich zu aktivieren. Für den Anfang empfiehlt Stefan Müller, DSB-Bundestrainer Sportwissenschaft, zwei- bis dreimal wöchentlich 20 bis 30 Minuten Krafttraining mit Grundübungen, die den ganzen Körper beanspruchen.

 Mit Ausdauertraining den Puls im Griff

Ausdauer bei Schützen? Die stehen doch bloß rum! Ja, aber eine gute Ausdauerfähigkeit kann viele Vorteile für Schützen haben, denn durch die Verbesserung der Kapillarisierung der Skelettmuskulatur wird die Muskulatur besser durchblutet und mit Sauerstoff versorgt. Wer einen niedrigeren Puls hat, hat in Folge dessen auch langsamere Waffenbewegungen. Besonders deutlich wird dies bei hoher Nervosität. So hat eine verbesserte Ausdauerfähigkeit auch zur Folge, dass Stress und Hitze weniger Einfluss auf die Leistungsfähigkeit haben, denn der Kreislauf bleibt länger stabil und der Schütze reagiert mit weniger hohen Pulsfrequenzen. Natürlich kommt es beim Schießen auf eines ganz besonders an: die Konzentration. Durch eine verbesserte Versorgung des Gehirns und Nervensystems mit Sauerstoff wird die Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit gesichert, denn der Körper wird somit länger mit der nötigen Energie versorgt, was besonders bei längeren Wettkämpfen essenziell ist. Eine erhöhte Ausdauerfähigkeit erhöht die Einlagerungsfähigkeit von Nährstoffen im Körper und damit ein längeres Durchhalten.

Ob Schwimmen, Tennis spielen oder Laufen die richtige Ausdauersportart ist, muss dabei jeder für sich selbst herausfinden. Hauptsache es macht Spaß! Grundsätzlich sind jedoch Sportarten mit gleichförmigen Bewegungen besonders für Sportarten mit Seitendominanz geeignet, um einseitig defizitäre Entwicklungen vorzubeugen. Müller empfiehlt: „Wer es schafft, zwei- bis dreimal pro Woche mit immer einem Tag Pause dazwischen, Rad zu fahren, zu Joggen oder zu gehen, ist gut gewappnet. Dabei sollte die Geschwindigkeit so gewählt werden,  dass man sich nebenher noch unterhalten könnte und nicht völlig aus der Puste ist. Die Dauer ist wiederum abhängig vom Mittel der Wahl, aber 30 bis 60 Minuten wären sinnvoll.“

Wann Stretching sinnvoll ist

Dehnen kann die Beweglichkeit verbessern, die Muskeln geschmeidiger machen und kurzfristig gegen Verspannungen helfen. Das ist sicher. Mehr nicht! Oftmals hört man, dassDehnen die Erholung beschleunigen soll, Muskelkater verhindern soll und Verletzungen vorbeugen kann. „Alles Quatsch“, sagt dagegen Dr. Jürgen Freiwald, Professor für Bewegungswissenschaft, ein viel zitierter und anerkannter Experte im Bereich „Dehnen“ von der Bergischen Universität Wuppertal. „Wissenschaftliche Studien­ stützen diese Be­hauptungen überhaupt nicht.“

Keinen Sinn macht Dehnen direkt vor dem Schießen. Müller erklärt warum: „Gerade Faszienrollen oder auch statische, extreme Dehnübungen schwächen im ersten Moment die Struktur, machen sie  labbrig. Wer also vor dem Schießen dehnt, der kann keine gute Körperstabilität aufbauen.“ Als separate Einheit in der Woche oder wenn vor dem Schießen wirklich körperliche Einschränkungen vorliegen, die damit behoben werden können, sei Dehnen jedoch völlig in Ordnung. Auch ein wippendes Dehnen vor dem Wettkampf sei laut Müller nicht förderlich, da diese Bewegung nicht wie z.B. bei Turnern im Wettkampf auch tatsächlich abgerufen werden muss. Wer am Morgen vor dem Wettkampf in Schwung kommen will, kann dies mit einer kleinen Morgengymnastik tun. Arme und Füße zu kreisen hilft hier, um wach zu werden.

Wer also seine Leistung stabilisieren will, der kommt um körperliches Training nicht drum herum. Und so gilt für Schützen einmal mehr: In der Ruhe liegt die Kraft.

 

Quellen:

Müller, M. (2019). Relation von Rumpfkraft und Halteruhe. Disziplin Luftgewehr. Köln: Studienarbeit an der Trainerakademie Köln des Deutschen Olympischen Sportbundes.

Wirth, K., Schlumberger, M,, Zaweieja, M. & Hartmann, H. (2012). Krafttraining im Leistungssport. Theoretische und praktische Grundlagen für Trainer und Athleten. In: Schriftreihe des Bundesinstituts für Sportwissenschaft, 2012/1, Bundesinstitut für Sportwissenschaft (Hrsg.). Köln: Sportverlag Strauß.

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