06.06.2022 - 09:02

Teilnehmer: Insgesamt nehmen 296 Bogenschützen (175 Männer, 121 Frauen) aus 40 Nationen an der 27. Bogen-Europameisterschaft in der Geschichte teil. Mehr wurden es nicht, weil die Meldungen von Nigeria und Virgin Islands leider nicht berücksichtigt werden konnten… Die EM in München folgt dabei bereits ein Jahr nach der letzten EM in der Türkei; diese wurde aufgrund der Corona-Pandemie und der Verschiebung der Olympischen Spiele ein Jahr nach hinten verschoben.

Ukraine: Erfreulicherweise nimmt auch ein ukrainisches Team an der EM teil. Die Sportler und Trainer hatten bereits auf Einladung des DSB gemeinsam mit dem deutschen Team die EM-Qualifikation absolviert, nun gehen sie – trotz des russischen Angriffskriegs und der schlimmen Situation im eigenen Land – in München an den Start. Möglich macht dies auch die Unterstützung des DOSB-Hilfsfonds und dessen Kampagne „Sportler*innen helfen Sportler*innen“ mit einer Fördersumme von 5.000 Euro. Bundestrainer Oliver Haidn sagt: „Sport muss verbinden. Daher ist es uns ein wichtiges Anliegen, mit unseren ukrainischen Freunden diese schwierige Zeit gemeinsam durchzustehen. Wir hoffen damit, auch ein Signal setzen zu können, dass es immer möglich sein muss, Brücken zu bauen.“

Titelverteidiger: Alle vier Einzel-Europameister aus dem vergangenen Jahr sind auch in München am Start. Die Recurver Lisa Barbelin (Frankreich) und Pablo Acha (Spanien) sowie die Compounder Tanja Gellenthien (Dänemark) und Yakup Yildiz (Türkei) streben die Titelverteidigung an. Dies dürfte vor allem in den Männer-Einzelwettbewerben schwer werden, denn mit Mete Gazoz (Türkei, Recurve) und Mike Schloesser (Niederlande, Compound) sind die aktuellen Weltranglisten-1. dabei.

Bewegtbild: Sowohl im Livestream (Qualifikation in Sportdeutschland.TV, Medaillenentscheidungen in BR24Sport.de) als auch im Fernsehen (Sportschau am 11. Juni und Sportstudio Reportage am 12. Juni) wird die EM ausführlich begleitet. Weitere Formate im deutschen TV (z.B. Morgenmagazin) sind möglich, im Ausland gibt es Bilder online über den Olympic Channel, darüber hinaus in Lateinamerika, Asien (Taiwan, Südkorea, Indien), in der Türkei und auf Eurosport.

European Games: Am Freitag, 10. Juni, steht die EM ganz im Zeichen der Qualifikation für die European Games 2023 in Breslau/POL. Allein in München werden 78 der insgesamt 128 Quotenplätze für das Multisport-Event vergeben – zum einen über das EM-Ergebnis (die besten fünf Recurve-Teams der EM sowie die Viertelfinalisten), zum anderen über ein Qualifikationsturnier. Dabei gilt folgendes zu beachten: Man kann sich als komplettes Team (also drei Schützen) qualifizieren oder nur als Einzelschütze. Im Compoundbereich gibt es nur Einzelplätze.

EM-Statistik GER: 1968 fand die erste Bogensport-Europameisterschaft statt (nur im Recurve), in München steigt zum 27. Mal das wichtigste Championat des Kontinents. Seit 1994 werden die Europameister auch im Compound ermittelt, seit 2010 auch in Mixed-Wettbewerben. Deutschlands Bogenschützen konnten über alle Wettbewerbe und Disziplinen hinweg 31 (7x Gold, 13x Silber, 11x Bronze) Medaillen gewinnen. Als Europameister krönten sich: Rudolf Schiffl 1974 und Florian Kahllund 2014 (Recurve Einzel), Kristina Berger 2012 (Compound Einzel), 1974 und 2010 die Männer-Team Recurve, 1998 das Frauen-Team Recurve und 2012 das Frauen-Team Compound.

Programmheft: Die wichtigsten Informationen zum Wettkampf, den beiden Bogenarten, dem deutschen Team und die offiziellen Grußworte gibt es im Programmheft Alle weiteren News und Informationen finden sich unter www.em-bogen.de

06.06.2022 - 08:51

Schon in der Qualifikationsrunde konnten die deutschen Junioren und Juniorinnen trotz wechselnder Witterungsbedingungen sehr gute Leistungen zeigen. Clea Reisenweber mit Platz 1 und Elina Idensen mit Platz 3 sowie Mathias Kramer mit Platz 2 und Erik Linke mit Platz 4 (ringgleich mit dem 3. Platz) zeigten ihren Konkurrenten, wie gut sie im Winter gearbeitet hatten. Auch im Mixteam lagen die deutschen Teams mit Platz 2 bis 4 in guter Ausgangslage.

Im Kadettenbereich konnte sich Regina Kellerer trotz solider Qualifikationsleistung nur im Mittelfeld platzieren. Hier fehlte aufgrund der gerade erst überstandenen Coronainfektion noch die spezifische Kraft, um auch in der 2. Runde stabile Leistungen zeigen zu können. Fredrik Roether fiel leider wegen Krankheit komplett aus. Die Berliner NK2-Sportler Vincent Barme und Lisa Lucks zeigten solide Leistungen. Das Kadetten-Mixteam konnte leider die direkte Qualifikation ins Viertelfinale nicht schaffen. In diesem Altersbereich ist die Leistungsstärke und Leistungsdichte der französischen Sportler doch deutlich höher. Eine Ursache liegt hier in der professionellen Förderung der Sportler ab 15 Jahren in Frankreich, wodurch z.B. höhere Trainingsumfänge generiert werden können.

Am Samstag fanden im Anschluss an die Qualifikation sofort die ersten EInzelmatche statt und im Anschluss die Mixteams einschließlich des Bronzefinales. Hier gab es ein deutsches Aufeinandertreffen, welches das Mixteam Mathias Kramer/Johanna Klinger gegen Erik Linke/Clea Reisenweber gewinnen konnten. Das Mixteam Ben Greiwe/Elina Idensen setzen sich gegen das französische Team durch und stand somit im Goldfinale, welches am Sonntag geschossen wurde.

Der Sonntagmorgen begann mit den Viertelfinals in allen Klassen, wobei dann im weiteren Verlauf auch die Plätze 5-8 und aufgrund der hohen Leistungsdichte im Kadettenbereich auch noch der Platz 9 im Finalsystem ausgeschossen wurden.  Hier setzen sich dann über das Halbfinale bis ins Goldfinale Clea Reisenweber und Domenic Merkel durch.

Die Goldfinales wurden dann ab Sonntagmittag für jede Altersklasse in einer kleinen Finalarena geschossen. Hier konnten die Deutschen dann in allen Juniorkategorien deutlich besser ihre Leistungen abrufen und gewannen alle Goldfinals.

Das Fazit von Trainerin Sandra Dehn nach der Maßnahme: „Im Juniorenbereich sind die deutschen Nachwuchssportler im Vergleich zu Frankreich gerade im Finalmodus deutlich besser, im Kadettenbereich gibt es noch Nachholbedarf.“

Endergebnisse

 Junioren: 1. Platz Domenic Merkel, 5. Erik Linke, 7. Mathias Kramer, 9. Ben Greiwe, 20. Max Moulliet

Juniorinnen: 1. Platz Clea Reisenweber, 5. Elina Idensen, 7. Johanna Klinger, 9. Andrea Klinger

Mixteam: 1. Platz  Ben Greiwe/Elina Idensen, 3. Mathias Kramer/Johanna Klinger, 4. Erik Linke/Clea Reisenweber, 6. Domenic Merkel/Andrea Klinger

Kadetten: 17. Vincent Barme

Kadettinnen: 8. Regina Kellerer, 13. Lisa Lucks

Mixteam:  12. Vincent Barme/Regina Kellerer

05.06.2022 - 17:34

Gegen die favorisierten Amerikanerinnen zeigten die deutschen Frauen keinerlei Respekt und begannen „bärenstark“. Elf von zwölf Scheiben ließen sie im ersten Durchgang zerplatzen und gingen damit 2:0 in Führung. Die Amerikanerinnen glichen aus, liefen dann aber erneut einem Rückstand hinterher (2:4), weil dem DSB-Trio nur zwei Fehler unterliefen. Nach einer Punkteteilung und einem Satz für die US-Girls lautete das Ergebnis 5:5, sodass das Shoot-off entscheiden musste. Und dieses verlief unspektakulär, weil Caitlin Connor nur eine von zwei Scheiben traf und Messerschmidt danach beide Scheiben pulverisierte. Der Jubel war groß, auch wegen eines besonderen Umstands: „Christine musste quasi mit einer fremden Waffe schießen. Sie hat das System von Felix Haase genommen und ihren Schaft darauf geschraubt. Das war eine ganz starke Leistung“, lobte Krämer den Routinier.

Erstmalig in meiner Finalerfahrung mussten wir in ein Shoot-off, und das haben wir gewonnen. Eine ganz tolle Leistung der Mädels!

Skeet-Bundestrainer Axel Krämer machte auch eine neue Erfahrung

Bereits in der Qualifikation hatte das deutsche Trio vollauf überzeugt und sich mit 211 Treffern als zweitbestes Team für das Goldfinale qualifiziert.

Auch das Männer-Team war gut unterwegs und lag nach zwei von drei Durchgängen klar auf Medaillenmatch-Kurs. Doch die letzte Serie missriet mit nur 65 Treffern völlig, sodass statt Kampf um die Medaillen Platz sieben heraussprang. Krämer dazu: „Eine Serie hat uns reingeritten. Auch da hätten wir vorne mitmischen können. Das Jahr ist aber noch nicht zu Ende, das Ziel sind EM und WM. Jetzt heißt es, die Form zu wahren und auszubauen.“

05.06.2022 - 16:36

Mit stehenden Ovationen wurde Scarzella nach der Wiederwahl gefeiert, gleiches galt für den Vizepräsidenten, den Türken Hakan Cakiroglu. Erfreulich: Auch Sabrina Steffens wurde mit dem besten Wahlergebnis der zu wählenden Vorstandsmitglieder in ihrem Amt bestätigt.

Vor den Wahlen gab es verschiedene Grußworte, u.a. von Prof. Ugur Erdener, Präsident der World Archery, und von DSB-Präsident Hans-Heinrich von Schönfels. Beide betonten die Vorfreude auf die EM und den Fakt, dass 50 Jahre nach den Olympischen Spielen der internationale Bogensport wieder nach München zurückkehrt. Als Dank für die Ausrichtung des Kongresses und der kontinentalen Meisterschaft überreichte der WA-Präsident, der auch IOC-Vizepräsident ist, dem DSB-Präsidenten eine olympische Fackel von Tokio 2020.

Der Blick in die Vergangenheit bzw. Gegenwart und in die Zukunft folgte. WA-Generalsekretär Tom Dielen berichtete von der starken Entwicklung des Bogensports, so sei der Sport mit Pfeil und Bogen in der vergangenen Saison die Nummer sieben aller olympischen Sportarten auf Social Media gewesen. Als weiteren Beleg führte er an, dass die EM in München weltweites Interesse im TV- und Streamingbereich hervorrufe. Die Vorstellung der zukünftigen europäischen Wettkampfhöhepunkte schloss den Kongress. DSB-Bundesgeschäftsführer Jörg Brokamp stellte in Wort und Bild die EM 2024 vor. Dann wieder in Deutschland. Dann im „Pott“ in Essen.

04.06.2022 - 21:19

Im Medaillen-Wettkampf lieferte sich Reitz ein umkämpftes Duell mit den Franzosen Quiquampoix und Bessaguet. Nach drei Viererserien zu Beginn warf Reitz eine Zweierserie zurück und bedeutete quasi die Vorentscheidung um die Goldmedaille. Um Platz zwei gab es ein zweimaliges Shoot-off gegen Bessaguet, das Reitz mit zwei Viererserien für sich entschied. Danach sagte er: „Das Finale ist wirklich gut gelaufen, bis auf ein oder zwei Serien. Es war schön geschossen und ist auch schön angekommen, Jean (Quiquampoix, Anm. d. Red.) hat ein sehr starkes Finale geschossen und verdient gewonnen. Ein schöner Abschluss, dass ich nach dem zweimaligen Stechen die Silbermedaille gewinnen konnte.“

Insgesamt waren das schöne Wettkämpfe und Ergebnisse für mich mit insgesamt zwei Medaillen

Christian Reitz war mit seinen Leistungen in Baku zufrieden

In der Qualifikation musste Reitz kämpfen, da die in Baku antretenden Schützen ein hohes Niveau zeigten: „Mit 584 Ringen bin ich verdient in das Finale eingezogen – das ist immer die Marke für das Finale. Der Eingang war mit 583, das war schon hochkarätig“, so Reitz. Mit ihm gelang auch Florian Peter (584)  der Einzug unter die besten acht Schützen, am Ende belegte Peter einen hervorragenden fünften Platz. Oliver Geis (14. Platz, 577), Emanuel Müller (19. Platz, 575) und Mathias Putzmann (24. Platz, 569 – die beiden Letztgenannten außer der Konkurrenz) komplettierten das DSB-Ergebnis. Für Reitz war Baku definitiv eine Reise wert: „Insgesamt waren das schöne Wettkämpfe und Ergebnisse für mich mit insgesamt zwei Medaillen.“

Skeet: Wißmer stark nach Comeback, Wenzel mit Pech

Lange war nichts von Nele Wißmer zu hören. Die 25-jährige Skeetschützin musste sich Anfang November 2021 einer Schulter-Operation unterziehen und konnte sechs Monate nicht trainieren. Umso beeindruckender ist ihre Rückkehr auf die internationale Bühne zu bewerten: Mit 119 Treffern qualifizierte sie sich als Fünfte für das Halbfinale, in das sie ordentlich startete: „Das Finale ärgert mich. Ich habe mich von einer Kleinigkeit aus dem Konzept bringen lassen. Ich hatte mit dem Schiedsrichter nach zehn Scheiben eine kleine Diskussion. Zwar habe ich Recht bekommen, dennoch habe ich meine Lockerheit etwas verloren“, so Wißmer. Insgesamt fiel das Fazit aber positiv aus: „Der Wettkampf war für mich alles in allem ein Erfolg nach der langen Corona-Pause und meiner Schulter-Operation. Mit dem Ergebnis des Vorkampfs bin ich zufrieden, jetzt freue ich mich auf die Team- und Mixed-Team Wettkämpfe!“

Der Wettkampf war für mich alles in allem ein Erfolg nach der langen Corona-Pause und meiner Schulter-Operation!

Nele Wißmer nach ihrem Comeback auf internationaler Bühne

Mit Christine Wenzel hatte eine zweite DSB-Schützin die Möglichkeit, in die entscheidende Phase einzugreifen. Ihre 117 Treffer ließen sie in das Stechen einziehen, ehe sie das Glück verließ: „Genau bei der ersten Dublette ging die Flinte kaputt. Leider konnten wir sie nicht reparieren und sie musste eine andere Waffe nehmen und schoss vorbei“, berichtet Bundestrainer Axel Krämer vom Pech des Routiniers, die somit 13. wurde. Nadine Messerschmidt kam am Ende auf Platz 23 (112) und musste der zuletzt hohen Belastung etwas Tribut zollen.

Auch die deutschen Männer zeigten keinen schlechten Wettkampf. Tilo Schreier schoss sich mit 121 Treffern auf Platz 16, eine Scheibe fehlte zum Shoot-off um einen Finalplatz. Felix Haase hatte einen katastrophalen Start mit 19 Treffern und landete am Ende noch bei 116 Treffern (41. Platz), Vincent Haaga schaffte eine Scheibe mehr (38. Platz): „Unser Team hat eine solide Basis hingelegt. Tilo fehlte nur eine Scheibe zum Finale, Felix hat nur mit einer 19 begonnen, aber dann auf 116 hochgeschossen, was zeigt, dass seine Fähigkeiten da sind, um ins Finale zu schießen. Bei Vincent hat sich – wie bei Nadine - die Belastung gezeigt. Generell gilt: Das Fundament ist da, jetzt müssen wir das Hochhaus bauen.“

Der Weltcup endet aus deutscher Sicht noch mit den Skeet-Wettbewerben in der Mannschaft und im Mixed.

Das deutsche Team in Baku

Flinte: Nadine Halwax, Kathrin Murche, Bettina Valdorf, Marco Kroß, Andreas Löw, Paul Pigorsch (alle Trap), Nadine Messerschmidt, Christine Wenzel, Nele Wißmer, Vincent Haaga, Felix Haase, Tilo Schreier (alle Skeet)

Pistole: Svenja Berge, Monika Karsch, Sandra Reitz, Michelle Skeries, Doreen Vennekamp (alle Luftpistole und Sportpistole), Paul Fröhlich, Michael Heise, David Probst, Michael Schwald (alle Luftpistole), Christian Reitz, Oliver Geis, Emanuel Müller, Florian Peter, Mathias Putzmann (alle Schnellfeuerpistole)

03.06.2022 - 16:53

Wie fühlt sich Sebastian Hamdorf, der als „alter Hase“ seine erste EM schießen wird; in welchem Kontext zu den Olympischen Spielen 1972 steht die EM; was sagen zwei Protagonisten zur „EM dahoam“; wie sieht der exakte Zeitplan aus und alles weitere Wissenswerte ist in der FaBo-Sonderausgabe zu lesen.

Die Zeitschrift soll Lust machen und die Bogen-Fans nach München bewegen, um am Final-Wochenende (11./12. Juni) die (deutschen) Athleten zu unterstützen. Wie gesagt: Die Bogen-EM ist absolut historisch – 50 Jahre nach den Olympischen Spielen kehrt der internationale Bogensport wieder nach München zurück.

Um die „Faszination Bogen“ zu lesen ist nur eine einmalige Registrierung erforderlich, dann ist sie am Desktop, Handy oder Pad bequem abrufbar. Und – wie gesagt – KOSTENLOS.

03.06.2022 - 11:47

Als eine eindrucksvolle Veranstaltung, die sowohl die Erneuerung des Verbandes als auch das Festhalten an traditionellen Werten in den Vordergrund stellte, präsentierte sich das bayerische Schützenwesen neben der Delegiertenversammlung mit einem umfangreichen Rahmenprogramm, das dem Anspruch gerecht wurde, das Schützenwesen als ein Stück der Kultur des Freistaats darzustellen.

In den bayerischen Schützenvereinen findet jeder eine Heimat. Mehr Integration geht nicht!

Joachim Herrmann, Bayerns Innenminister

Nach einem Festgottesdienst im „Alten Peter“, sozusagen der „Schützenkirche“ der Landeshauptstadt, zog die Schützenschar in einem kurzen Schützenzug zum Aufgang zum Fest- und Tanzsaal des Alten Rathauses. Dort erlebten die geladenen Gäste das Grußwort des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann, der dem Schützenwesen attestierte, es sei seit mehr als 700 Jahren Teil der bayerischen Identität, damit traditionsverbunden und integrativ. Deshalb machten Bayerns Schützenvereine „unseren Freistaat so besonders lebens- und liebenswert.“ Er zollte der bayerischen Schützenfamilie für ihr gesellschaftliches Engagement großes Lob. „Ob Jung oder Alt, Mann oder Frau, ansässig oder zugezogen, ob im Spitzen- oder im Breitensport, in den bayerischen Schützenvereinen findet jeder eine Heimat. Mehr Integration geht nicht!“ Joachim Herrmann verwehrte sich massiv gegen eine weitere Verschärfung des Waffenrechts ohne konkreten Sicherheitsgewinn sowie gegen das geplante Verbot bleihaltiger Munition für Sportschützen

Im Beisein weiterer hoher Politiker, dem Präsidenten Hans-Heinrich von Schönfels und seinem Stellvertreter Gerhard Furnier sowie zahlreicher Landesverbands-Präsidenten und
-Schützenmeister aus In- und Ausland wie die Landesoberschützenmeister aus Tirol und Südtirol, aus Brandenburg, der Oberpfalz, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Württemberg und Baden, Westfalen und Thüringen, schwor 1. Landesschützenmeister Christian Kühn die Gäste darauf ein, Initiative zu ergreifen, die Schützenhäuser zu öffnen und verstärkt auf die Jugend zuzugehen.

DSB Präsident Hans-Heinrich von Schönfels, der sich sichtlich darüber freute, endlich wieder eine große Präsenzveranstaltung besuchen zu dürfen, erinnerte an die Tradition Münchens als Austragungsort der Bundesschießen, aber auch einer Welt- und Europameisterschaft und zahlreicher Weltcups und Weltcup-Finales. Auch die Olympischen Spiele von 1972 seien nicht vergessen, München sei eben eine Sportstadt. Das zeige auch, dass die Finals der WA-Europameisterschaft Bogen ab Pfingsten inmitten der Stadt direkt unter der Bavaria ausgetragen werden.

Als Gastgeschenk hatte der DSB-Präsident ein modernes Walther-Match-Luftgewehr mitgebracht, das zusammen mit einer Munitionsspende der RUAG für die Basisarbeit in einem Verein mit besonderer Jugendarbeit bestimmt sei. Bayern sei nun der erste Landesverband, der sich über ein solches Gastgeschenk freuen dürfe. Mit den Ehrungen schloss die Feierstunde.

Es schloss sich ein Festabend im Festsaal des wohl berühmtesten Wirtshauses weltweit, dem Hofbräuhaus, an. Das Kulturprogramm gestaltete die Couplet AG, die sich als tragendes Element der Brettlspitzn des Bayerischen Rundfunks der Szene der Volkssänger der Zeit Karl Valentins und Weiß Ferdls verschrieben hat.

Tags darauf fand dann in der Druckluftwaffenhalle der Olympia-Schießanlage die Delegiertenversammlung statt. Nach zwei Jahren der pandemiebedingten Beeinträchtigung des gesellschaftlichen Lebens, traten die Vertreter der rund 4.500 Schützenvereine zusammen, um die Berichte entgegenzunehmen und die Entlastung des Schützenmeisteramtes vorzunehmen. Auch über die Ehrenmitgliedschaft von Karl Schnell, dem langjährigen Präsidenten des Schützenbezirks Schwaben und Walter Wagner, dem langjährigen Sportleiter des Schützenbezirks Niederbayern, wurde abgestimmt.

„Neustart in einer schwierigen Zeit“ – unter diesem Motto stand dieser 71. Bayerische Schützentag. Die Arbeit in den Schützenvereinen läuft seit dem Frühjahr wieder an. Vieles habe sich in den vergangenen beiden Jahren, in denen die Pflege der Gemeinschaft nur sehr eingeschränkt möglich war, verändert; neue Wege der Wettkampfgestaltung und der Präsentation unseres Schießsports haben sich aufgetan. Darüber konnten sich die Delegierten informieren und sind nun wohl gerüstet, in eine neue Zeit aufzubrechen.

(BSSB)

03.06.2022 - 08:22

Liebevoll spricht Bauer von der „EM dahoam“. Kein Wunder, schließlich kennt sie den Bogenplatz auf der Olympia-Schießanlage in Garching-Hochbrück aus dem Effeff und will diesen Vorteil nutzen, um bei ihrer ersten EM-Teilnahme bei den Erwachsenen in den Medaillenkampf einzugreifen.

Dass sie es drauf hat, bewies „Kathi“ zuletzt bei den Weltcups in Antalya und Gwangju, als sie im Einzel (Bronze) sowie Team (Silber und Silber) und Mixed (Gold) gegen die Weltelite große Erfolge feierte. Was sie von der EM erwartet und wie sie sich als „Kader-Oma“ fühlt, verrät sie im „Volltreffer“. Aber natürlich geht es auch um ihre Anfänge, worauf es beim Bogensport ankommt und um Wegbegleiter, die ihr Fragen stellen.

Zu hören ist der Podcast bei Apple Podcasts, Google Podcasts, Spotify und Deezer sowie auf der DSB-Homepage. Über Rückmeldungen, Weiterempfehlungen und (positive) Bewertungen bei Apple würden wir uns freuen.

02.06.2022 - 16:31

Seit seiner frühen Jugend war Hans Keller begeisterter Sportschütze. Bereits im Alter von 15 Jahren trat er der Sektion Sportschießen der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) der Magdeburger Schiffswerft „Edgar André“ bei. Nach Anfängen mit dem Kleinkalibergewehr wechselte er als Student auf die Sportpistole, mit der er sich für die Deutschen Meisterschaften qualifizierte und die er bis ins hohe Alter gekonnt im Training bediente.

Hans Keller war im Besitz der höchsten Übungsleiter- und Kampfrichterlizenzen „Sportschießen“ der DDR, darüber hinaus Vorsitzender des Stadtvorstands und Stellvertreter „Sport“ im Bezirksvorstand der GST Magdeburg.

Nach der politischen Wende war er Gründungsmitglied des Landesschützenverbandes Sachsen-Anhalt und wurde bei der Gründungsversammlung am 28. Juli 1990 zu dessen erstem Präsidenten gewählt. Seit 1991 war Hans Keller auch Mitglied im Gesamtvorstand des Deutschen Schützenbundes. Sein großes Anliegen in dieser Zeit war es, mit Hilfe des neu aufzubauenden Schützenwesens und der Vereine einen nachhaltigen Beitrag zum Zusammenwachsen von Ost und West nach der deutschen Einheit zu leisten. Bahnbrechend in dieser Hinsicht war Hans Kellers Bewerbung um die Ausrichtung des 46. Deutschen Schützentages für den Landesschützen-verband Sachsen-Anhalt und die Stadt Magdeburg im Jahr 1997. Es war der erste Deutsche Schützentag in einem der damals „Neuen Bundesländer“.

Am 28. April 2001 wählten die Delegierten des 50. Deutschen Schützentages in Wiesbaden Hans Keller einstimmig zum Vizepräsidenten des Deutschen Schützenbundes. In seinen beiden Amtszeiten galt Hans Kellers besonderes Augenmerk der Seniorenarbeit und den Bereichen Schützentradition und Brauchtum. Das jährliche Ältestenschießen konnte er erheblich aufwerten, traditionellen Veranstaltungen, wie den Treffen der ältesten Schützenvereinigungen im Deutschen Schützenbund oder dem Bundesfahnenwettbewerb im Jahr 2007, gab er wichtige Impulse. Das Deutsche Schützenmuseum auf Schloss Callenberg bei Coburg verdankt dem Verstorbenen neben unschätzbaren Beiträgen zur historischen Überlieferung auch zahlreiche bedeutende Exponate aus der Zeit des Deutschen Schützenverbandes der DDR.

Hans Keller trug das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik und die höchsten Auszeichnungen des Deutschen Schützenbundes und des Landesschützenverbandes Sachsen-Anhalt. Bei seinem Ausscheiden aus dem Präsidium des Deutschen Schützenbundes wurde ihm die Ehrenmitgliedschaft unseres Verbandes verliehen.

Hans Keller war ein Schützenbruder mit Leib und Seele. Trotz der großen ihm übertragenen Verantwortung, seiner enormen Expertise und seinem unermüdlichen Einsatz war er immer voller Humor und den Menschen zugewandt. Unser Verband, der Schießsport und das Bogenschießen in Deutschland haben ihm viel zu verdanken. Sein Engagement und seinen reichen Erfahrungsschatz werden wir sehr vermissen. Besonders aber auch sein offenes, freundliches und sympathisches Wesen.

Der Deutsche Schützenbund wird Hans Keller ein ehrendes, dankbares Andenken bewahren.

02.06.2022 - 15:23

Keine deutsche Sportpistolen-Schützin im Halbfinale eines Weltcups! Ein zuletzt ungewohntes Bild, das in Baku leider Wirklichkeit wurde. Der Grund: Im Präzisionsteil ließen letztlich alle fünf deutschen Starterinnen (Monika Karsch und Svenja Berge starteten außer Konkurrenz) zu viele Ringe liegen. Sandra Reitz kam auf 288, Michelle Skeries auf 287 und Doreen Vennekamp nur auf 285 Ringe (Berge 286, Karsch 283). Somit betrug der Rückstand vor allem für die Olympia-Siebte Vennekamp bereits sieben, acht Ringe auf die Spitze – zu viel. Da half auch das drittbeste Duell-Programm mit 295 Ringen nichts, der Sportsoldatin fehlte mit insgesamt 580 Ringen (Platz 14) exakt ein Ring zum Halbfinale. Sie zeigte sich aber gleich danach kämpferisch: „So knapp an einem nicht so guten Finaleinzug zu scheitern, ist schade, aber so ist der Sport. Wir hatten alle unsere kleinen Problemchen in Präzision und Duell. Es war eine geschlossene Mannschaftsleistung, und wir sind geschlossen, dass jeder seine Probleme kennt, dass wir geschlossen daran arbeiten und geschlossen bei EM und WM einen raushauen werden.“

Wir werden geschlossen bei EM und WM einen raushauen!

Doreen Vennekamp blickt kämpferisch nach vorne

Sandra Reitz (17. Platz, 579 Ringe), Michelle Skeries (21. Platz, 578 Ringe), Monika Karsch (24. Platz, 577 Ringe) und Svenja Berge (25. Platz, 577 Ringe) folgten.

Trap: Männerteam knapp am Bronzematch vorbei

In den nicht-olympischen Trap-Teamwettbewerben verfehlten die Männer in der Besetzung Andreas Löw, Paul Pigorsch und Marco Kroß mit 212 Treffern das Bronzematch als Fünfte um exakt zwei Scheiben und einen Rang. Vor allem Pigorsch zeigte sich gegenüber seinem Einzel-Wettkampf mit 73 von 75 möglichen Treffern (darunter zwei „Volle“) deutlich verbessert. Das junge Frauen-Trio Kathrin Murche, Bettina Valdorf und Nadine Halwax hatte mit 181 Treffern keinerlei Chance, um in den Kampf um Medaillen einzugreifen und wurde Sechster.

Aus deutscher Sicht folgen noch die Wettkämpfe im Skeet und mit der Schnellfeuerpistole sowie der Team-Wettbewerb mit der Sportpistole.

Das deutsche Team in Baku

Flinte: Nadine Halwax, Kathrin Murche, Bettina Valdorf, Marco Kroß, Andreas Löw, Paul Pigorsch (alle Trap), Nadine Messerschmidt, Christine Wenzel, Nele Wißmer, Vincent Haaga, Felix Haase, Tilo Schreier (alle Skeet)

Pistole: Svenja Berge, Monika Karsch, Sandra Reitz, Michelle Skeries, Doreen Vennekamp (alle Luftpistole und Sportpistole), Paul Fröhlich, Michael Heise, David Probst, Michael Schwald (alle Luftpistole), Christian Reitz, Oliver Geis, Emanuel Müller, Florian Peter, Mathias Putzmann (alle Schnellfeuerpistole)

Seiten