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25.09.2020 - 11:05

Erfreulicherweise konnte der Jugendvorstand aus jedem Landesverband mindestens eine*n Vertreter*in aus der Jugend begrüßen. Nach anfänglichen technischen Hindernissen, konnte die Sitzung reibungslos durchgeführt werden. Das Hauptaugenmerk lag auf den Beschlüssen der Ausschreibungen der Jugendwettkämpfe für das Jahr 2021. Alle im Vorfeld gemeinsam erarbeiteten Ausschreibungen wurden vom Jugendausschuss beschlossen und werden Ende des Jahres im Ausschreibungsheft des DSB veröffentlicht werden. Die Durchführung aller Wettbewerbe ist allerdings abhängig von den weiteren Entwicklungen der Coronavirus-Pandemie. „Die Sitzung war ein Erfolg, auch wenn sie natürlich nicht das Flair eines Bundesjugendtags mit seinem Programm und persönlichen Gesprächen ersetzen kann“, berichtete Vizepräsident Jugend, Stefan Rinke, im Nachgang.

Die Jugendausschusssitzung war allerdings nicht die erste Aktivität, die die DSJ in diesem Jahr in den digitalen Raum verlegt hat.

Die Jugendsprecher*innen haben im Mai mit ihrem digitalen Austauschtreffen den Anfang gemacht. Im Juli folgte bereits eine Infoveranstaltung für die Landesjugendleitungen, in der die Berichterstattung über die Entwicklungen und den Umgang mit der Coronavirus-Pandemie im Vordergrund standen. Im August bot die DSJ einen Workshop zum Thema „Förderung des Ehrenamts“ für interessierte Landesjugendleitungen an, der zum Austausch über Probleme in der Gewinnung und Bindung von Ehrenamtlichen anregte und viele Impulse für die Arbeit an der Basis gab.

Der Jugendvorstand selbst hat die Möglichkeiten und Vorzüge des regelmäßigen Austauschs über die digitalen Medien bereits im Oktober letzten Jahres erkannt und tauscht sich seitdem regelmäßig über aktuelle Themen in Videokonferenzen aus. Das verbessert nicht nur die Zusammenarbeit sondern lässt den Jugendvorstand in verschiedenen Situationen mit aktuellen Herausforderungen agil handeln.

Auch zukünftig wird die DSJ Workshops im Online-Format anbieten. Im Oktober ist beispielsweise ein Online-Workshop zum Thema Demokratieförderung und Rassismus im Sport mit interessierten Landesjugendleitungen und Landesjugendsprecher*innen geplant. Für diesen Workshop konnte die DSJ Angelika Ribler, Leiterin des Referats Sport- und Jugendpolitik in der Sportjugend Hessen, als Referentin gewinnen. Ausgehend von der derzeitigen „blacklivesmatter“ Bewegung, werden die Bereiche Demokratie, Mitbestimmung und mündige Sportler*innen thematisiert. Die AG „Schützen gegen Extremismus“ im DSB beschäftigt sich seit einiger Zeit ebenfalls mit diesen Themen und unterstützt den Online-Workshop. Im kommenden Jahr plant die DSJ weitere Online-Workshops zu verschiedenen überfachlichen Themen, die rechtzeitig über die bekannten Kanäle kommuniziert werden.

Die DSJ hofft, bald wieder Sitzungen und Arbeitstagungen auch in größerem Rahmen in Präsenzform abhalten zu können - eine digitale Sitzung kann den persönlichen Kontakt und Austausch nun mal nicht komplett ersetzen. Dennoch bleibt als Fazit, dass digitale Formate auch zukünftig Teil der Zusammenarbeit in der DSJ bleiben werden, denn sie begünstigen den einfachen, regelmäßigen Austausch untereinander und fördern so die Zusammenarbeit.

25.09.2020 - 09:29

Gewehr/Pistole:

Zielscheiben, wie wir sie heute kennen, also ohne irgendwelchen bildlichen Schmuck und ausschließlich mit Zielkreisen, tauchen in dem Moment auf, wo das Schießen ausdrücklich - auch mit diesem Begriff - zum "Sport" wurde. Das war um die Mitte des 19. Jahrhunderts, als auch die technische Entwicklung der Waffen zu einer höheren und feineren Präzision führte. In den 1860er Jahren erweiterte der französische Büchsenmacher Gastinne-Renette sein Geschäft an der Champs Elysee und einen Schießstand, geschossen wurde dort in den 16- und 28-Meterboxen mit vornehmen Zuschauern auf der Galerie. Er entwickelte Schießwettbewerbe, die auf kleine Papierzielscheiben oder – in Anlehnung an die Duellsituation – auf große Silhouettescheiben ausgetragen wurden. Ein Schießstand, der später auch zur Anlaufstation der ersten Olympiasieger wurde. So entwickelte sich das Duellschießen bei Gastinne-Renette von der (überlebenswichtigen) Übung für den Austrag von Ehrenhändeln zur schießsportlichen Disziplin. Geschossen wurde auf 1,60 Meter hohe Figurenscheiben, die eine Silhouette eines im Gehrock mit hohem Kragen gekleideten Mannes im Profil zeigten. Die Scheiben waren aus schwarz gestrichenem Metall mit drei aufgesetzten, ebenfalls metallenen Trefferflächen in Brusthöhe und weiteren darunter und darüber, die unterschiedlich viele Trefferpunkte zählten. Die Distanzen betrugen 16 oder 25 Meter, der Wettkampf wurde im K.O.-System ausgetragen. Ringscheiben aus Papier finden sich aber auch bereits im Stukenbrok-Herstellerkatalog 1912 wieder. Bis zu 20 Ringe konnten auf den Deutschen Scheibengewehr-Ringscheiben erzielt werden. In den 1930er Jahren (also auch während der Zeit, in der der DSB schon aufgelöst war), zeigt sich auf den Scheiben, dass das Schießen für den militärischen Einsatz "im Feld" trainiert werden sollte (Gefechtsscheiben", Geco-Katalog S. 190).

Auch Jagdscheiben mit Tiermotiven finden immer wieder Verwendung, aber auch in diesem Bereich wurden immer wieder bewaffnete Männer auf den Scheiben abgebildet, die Wilderer darstellen sollten. Nach dem 2. Weltkrieg gibt es diese Silhouettenscheiben allerdings nur noch in abstrakter Form beim Schnellfeuerschießen bis sie 1990 durch eine runde Zielscheibe ersetzt wurden. Dass die Leistung der Schützen stetig nach oben ging, zeigt auch die Entwicklung der Schießscheiben: Während 1979 die Ringbreite der 10 noch mit einen Millimeter auf der Gewehr- und Armbrust(10m)-Scheibe in der Sportordnung dargestellt wurde, halbierte sich die Zehn auf heute nur noch 0,5 Millimeter. Im Kleinkalibergewehr-Bereich reduzierte sie sich von 12,4 auf 10,4 Millimeter, bei der Luftpistole von 12 auf 11,5 Millimeter.

Eine echte Revolution bahnte sich allerdings mit der Einführung von elektronischen Trefferanzeigen an, die man heute in jedem modernen Schießstand vorfindet. Entwickelt  wurden diese 1960 für das Großkaliber-Gewehrschießen auf 300m in der Schweiz und erstmals von der ISSF bei den Weltmeisterschaften 1978 in Seoul verwendet. Damit ebneten sie den Weg für eine bessere mediale Darstellung im TV und für Zuschauer. 1989 wurden elektronische Scheiben für die 50-Meter-Disziplinen im Weltcup-Finale 1989 eingesetzt, nur ein Jahr später zogen die 10-Meter-Disziplinen nach. 1992 wurden erstmals alle Gewehr- und Pistolendisziplinen auf elektronischen Trefferanzeigen bei  Olympischen Spielen ausgetragen. Eine weitere Entwicklung fand mit der Einführung der Zehntelwertung bei internationalen Wettbewerben ab 2013 statt.

 

Flinte:

Das Schießen auf kleine Wurfscheiben hat seinen Ursprung im jagdlichen Schießen und sollte die Rebhuhn- bzw. Entenjagd nachahmen. Wurde anfangs noch auf lebendige Tauben geschossen, wurden diese schnell durch „Tontauben“ ersetzt, die von einem Kran aus, der von den Schützen nicht einzusehen war, geschleudert wurden. Sogenannte Monaco-Tauben hatten im inneren eine rote Fahne, die bei einem Treffer herabfiel und innerhalb eines Kreises landen musste, der von einem ein Meter hohen Drahtzaun umgeben war. Reichte bei Tontauben ein Halbkreis, musste bei lebenden Tauben ein voller Kreis gezogen werden, da ihre Flugrichtung in alle 360 Grad-Richtungen erfolgen konnte. Betrug die Distanz beim Schießen auf lebende Tauben rund 27 Meter, wurde die Distanz bei Tontauben auf 15 Meter verkürzt. So verwundert es nicht, dass das Schießen auf Tontauben lange Zeit Teil der Jägerausbildung war. Wichtig dabei: Die Schüler im Schrotschießen sollten sich möglichst schnell auch an die Abgabe des zweiten Schusses gewöhnten, um ein angeschossenes Wild nicht unnötig leiden zu lassen. Heute kennen wir diese Disziplin als Skeet.

 

Laufende Scheibe:

Wie beim Flintenschießen liegen auch in der Disziplin Laufende Scheibe die Ursprünge in der Jagd. Das erste ISSF Laufende Schiebe-Event wurde auf einen in 100 Meter rennenden Hirsche ausgetragen und fand 1900 ins olympische Programm. Zum letzten Mal wurde es bei den Weltmeisterschaften 1962 ausgetragen. Die Neuauflage wurde auf einen 50 Meter entfernten laufenden Rehbock ausgetragen, der zuerst mit einer Zentralfeuerpistole, dann mit Kleinkaliber-Waffen beschossen wurde. Doch die ISSF entschloss sich schnell den Rehbock in ein Wildschwein auszutauschen, da es eher akzeptiert schien auf ein Wildschwein, als auf ein kleines Reh zu schießen. 1980 entwickelten sich die Wettkämpfe auf zehn Meter und auch hier waren es wieder Wildschweine („Laufender Keiler“), die die Scheibe zierten.

 

Armbrust:

Bei der Armbrust gibt es vor allem eine Besonderheit: Das Vogelbaumschießen. Das Schießen auf ein Vogelziel ist vielleicht die älteste Schießdisziplin überhaupt. Schon vor Troja schossen die Griechen (laut Homer) mit Pfeil und Bogen auf eine oben an einem Schiffsmast angebundene Taube. (Holz-)Vogel- und Papageienschießen hat sich über das Mittelalter bis heute erhalten und wird in vielen Vereinen als traditionelles Element gepflegt. Sogar bei den Olympischen Spielen im Jahr 1900 in Paris und 1920 in Antwerpen wurde mit der Armbrust und mit Pfeil und Bogen auf einen oder mehrere Holzvögel geschossen.

Beim Sternschießen gilt es, die in 29 Metern Höhe  hängenden Sterne mit den 18 8,5 x 8,5 Zentimeter großen Holzscheiben (Plattl) mit der Armbrust zu treffen. Dabei steht der Schießtisch ganze vier Meter vom Adlerbaum entfernt, wodurch sich (wie beim Scheibenschießen) eine Flugdistanz des Bolzens von ebenfalls 30 Metern ergibt. Dieses Sternschießen kann mit einem Scheibenschießen im Stehendanschlag kombiniert werden und findet so heute vor allem auf der Deutschen Meisterschaft Armbrust national traditionell im Rahmen des Münchner Oktoberfestes noch ihren Einsatz. Ein besonderer Wettkampf ist auch das sogenannte Adlerschießen. Dabei wird mit der Vogelarmbrust auf einen hölzernen Adler (ca. 2,15m hoch und 1,80m breit) geschossen, der am Vogelbaum befestigt ist. Sieger ist der Schütze mit dem höchsten Gesamtgewicht des abgeschossenen Holzes.

 

Bogen:

Während sich im Schießsport die Scheiben immer wieder veränderten, bleiben sich die Bogenschützen treu. Seit jeher bestehen 10-Ring-Scheiben bei den Recurve- und Compoundschützen aus den Farben Gelb (Gold), Rot, Blau, Schwarz und Weiß und werden auf die unterschiedlichen Distanzen angeglichen. „Alle ins Gold!“ – also ins Zentrum - wünschen sich die Bogenschützen beim Wettkampf.  Im Feldbogenbereich besteht die Scheibe hingegen lediglich aus einer goldenen Mitte mit einem schwarzen Rand. Die höchste Wertung ist dabei eine Sechs. 3D-Schützen hingegen verwenden Tiernachbauten als Zielscheibe und ahmen wie Laufende Scheibe und Flintenschießen das Jagen nach.

 

Schützenscheiben:

Sie zieren beinahe jedes Schützenheim und sind die Zeitzeugen der Geschichte: Ehrenscheiben. Zur Geburt, zur Hochzeit, zum Jubiläum oder zu einem besonderen historischen Ereignis – eine Schützenscheibe aus Holz mit prachtvollen Gemälden darf nicht fehlen. 1743 gab zu Ehren der 23-Jährigen Erzherzogin und österreichischen Landesmutter Maria Theresia, die ihren ersten Sohn bereits zweieinhalb Jahre zuvor zur Welt brachte,  ein Haupt- und Freudenschießen. Dabei wurde auf insgesamt sechs Scheiben auf fast genau 100 Metern Entfernung mit Scheiben-Büchsen geschossen. Ein Pistolenschießen gab es ebenfalls. Auf der Glücksscheibe gab es ein silbernes Tafelservice im Wert von 440 Gulden zu gewinnen, wofür man heute einen Kleinwagen bekäme. Eine Tradition, die in vielen Vereinen bis heute Bestand hat.

 

Quelle:

DSB Archiv

World Archery (2019). Disciplines. Zuletzt aufgerufen am 24.09.2020 unter worldarchery.org/Disciplines

 

24.09.2020 - 11:44

Über vier Jahre ist es jetzt her, als du mit dem Olympiasieg deinen größten sportlichen Erfolg feiern durftest. Nimm uns mit auf die Reise, was seither passiert ist…

Barbara Engleder: „Die Zeit nach den Spielen war eine sehr schöne, wenn auch rasante Zeit. Ich habe die letzten Jahre versucht, dass ich beruflich vorwärts komme, habe meine Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten abgeschlossen und bin jetzt im Bauamt in Triftern, meiner Heimatgemeinde, eingesetzt. Ich bin heilfroh, dass diese Fahrerei ein Ende hat. Letztes Jahr hat sich dann noch einmal überraschend Nachwuchs angekündigt, mit dem ich selbst nicht gerechnet habe. Jetzt bin ich nicht nur einfache, sondern zweifache Mama und das ist fantastisch. Ich führe ein Leben zwischen Flasche und Hausaufgaben machen. Es hat sich seither also alles verändert!“

Du hast dein Leben also vom Profi-Sportler zur Profi-Mama getauscht. Gibt es Parallelen?

Barbara Engleder: „Natürlich! Wenn du sportlich erfolgreich warst, mit diesem Plan im Hinterkopf, den du durchsetzen hast können, dann bist du irgendwie auch in der Familie ein bisschen gechillter und nimmst nicht alles so schwer. Man müsste meine Kinder fragen, ob ich eine gute Mama bin, aber ich glaube, ich bekomme es ganz gut hin. Und ein bisschen Zeit für das Schießen bleibt auch noch, denn ich könnte es nie ganz hinten lassen.“

Du warst immer zwischen den besten Sportlern auf der ganzen Welt unterwegs, jetzt startest du in der Bayernliga. Hast du trotzdem noch den gleichen Ansporn?

Barbara Engleder: „Voll! Ich bin so ehrgeizig! Ich trainiere nichts, aber wenn ich am Stand stehe, im Mann-gegen-Mann-Modus, dann schaltet sich alles um. Das hast du drin, wenn du den Sport 20 Jahre gemacht hast, dann willst du gewinnen und gibst keinen Schuss auf. Mittlerweile brauche ich statt 17 Minuten eher an die 30, aber eben auch nur, weil ich so viel absetzen muss, weil ich keinen Schuss verloren geben will. Natürlich sind meine Leistungen nicht mehr die von früher, aber ab und an haut es mir schon wieder einen raus und das freut mich. Ich hätte auch Hammelklasse (niedrige Klasse, Anm. d. Red.) geschossen, denn ich wollte einfach wieder in meinem Heimatverein schießen, denn es geht mir vor allem um das gemütliche Beisammensein.“

Machst du den Schießsport also vor allem für dich, oder möchtest du auch deinem Verein etwas zurückgeben?

Barbara Engleder: „Natürlich möchte ich meinem Verein etwas zurückgeben, aber vor allem mach ich es für mich, denn es würde mir etwas abgehen. Du kannst bis zu einem gewissen Grad zurückfahren, aber wenn du diesen Sport dein halbes Leben lang gemacht hast, dann kann ich das nicht einfach wegschieben. Nach der Geburt meines zweiten Sohnes konnte ich es kaum erwarten wieder an den Schießstand zu kommen. Wer rastet, der rostet. Sich ein bisschen hinzustellen, zu schäkern und alte Bekannte wieder zu sehen, gefällt mir sehr gut, das möchte ich nicht wissen.“

Jetzt sind vier Jahre vergangen, ist dir trotzdem der Tag deines Olympiasiegs noch im Kopf präsent? Kommen die Gefühle wieder hoch?

Barbara Engleder: „Ich habe mich damals unglaublich gefreut, was wahrscheinlich viele gesehen haben und viele haben sich mit mir gefreut. Das ist das Allerschönste, wenn man es teilen kann. Ich werde das nie vergessen. Wenn man mir heute ein Video zeigen würde, hätte ich inzwischen sicher ein paar Details vergessen. Aber ich weiß noch ganz genau, wie das Licht dort war, wie es gerochen hat, aber ich könnte dir nicht mehr sagen, wer mir die Medaille umgehangen hat. Ich weiß nicht mal mehr, was ich geschossen habe, aber das was rauskam, das war das Wichtigste.“

Der Olympiasieg ist das Höchste, was man im Schießsport erreichen kann. Wie hat sich dein Leben in der Öffentlichkeit dadurch verändert?

Barbara Engleder: „Man muss selbst dazu helfen, um in der Öffentlichkeit Aufmerksamkeit zu bekommen, denn Schießen ist nicht der publikumsintensivste Sport. Wir hatten ein absolutes Glück, dass viele Schützen eine Medaille geholt haben und wenn man auf diese Welle mitaufspringt, dann hat man eine Chance Sponsoren zu werben und in bestimmte Kreise reinzukommen. Ich war damals bereits am Ende meiner Karriere und habe das deshalb nicht gemacht, aber ich versuche mit meinem Namen junge Schützen zu motivieren und ihnen etwas zu zeigen, ihnen zu sagen, dass man nichts Besonderes sein muss, um etwas zu erreichen. Man muss sich nur reinhängen, dann kann man es schaffen. Jeder, der etwas wissen möchte, bekommt von mir eine Antwort. Mir wäre wichtig, dass ich etwas weitergeben kann.“

Du motivierst also junge Sportler, den Weg in den Leistungssport einzuschlagen?

Barbara Engleder: „Genau. Das ist mir das Wichtigste.“

Nach den letzten Olympischen Spielen haben viele Leistungsträger wie du,  Daniel Brodmeier und Henri Junghänel im Gewehrlager aufgehört. Bis jetzt gibt es noch keinen Quotenplatz bei den Herren. Wie schätzt du die Situation ein?

Barbara Engleder: „Wie man so hoch fahren kann und dann so tief fallen kann, ist mir immer noch ein Rätsel. Es waren gute junge Leute da, aber vielleicht fehlt in Moment ein wenig die Leitfigur. Aber man muss jetzt umdenken und die Leute anders motivieren. Die jungen Leute bröckeln weg und sind nicht mehr so interessiert am Schießsport – jetzt muss man etwas anders machen und versuchen, die Leute wieder zu motivieren.“

Hättest du eine Idee, wie das funktionieren kann?

Barbara Engleder: „Man muss moderner werden, es muss ein frischer Wind reinkommen. Man muss das Schießen verkaufen als einen richtig erstrebenswerten, tollen Sport. Jeder, der das leistungsmäßig betrieben hat, weiß das, aber die Jungen wissen es nicht. Die gehen lieber Fußballspielen oder zocken stundenlang vorm Computer. Ihnen muss man zeigen, dass man im Schießsport richtig tolle Bekanntschaften und Freundschaften schließen kann und man richtig Spaß dabei haben kann. Das ist das, was man durch neue Medien vermitteln muss. Ich würde überall rumfahren und sagen: Probiert es aus! Natürlich brauchst du dann immer welche, die den Biss haben, aber die wirst du immer brauchen und die wird es auch immer geben, die das schaffen wollen. Aber zuerst musst du die Leute dahin bringen.“

Leute mit Biss, die es letztendlich vielleicht bis zu den Olympischen Spielen schaffen. Jetzt gibt es ja bereits ein paar Quotenplätze und es werden Schützen zu Olympia fahren. Gibt es einen Tipp, den du ihnen gerne mitgeben würdest?

Barbara Engleder: „Ich war auf vier Olympischen Spielen und in Peking und London war ich in einer wahnsinnig guten Verfassung, in Rio wiederum war mein Trainingszustand auf Grund meines kleinen Sohnes nicht der Beste – und auch meine Ehe hätte das nicht mehr lange durchgemacht, denn wenn du deinen Trainer öfter siehst als deinen Mann, ist das schwierig. Aber ich glaube, dass das „Olympiasieger werden“ ganz viel Kopfsache ist. Du brauchst dich im Training nicht reinsteigern, wenn es einmal nicht so läuft. Es ist ganz simpel und einfach gesagt, ob ich das rocken kann oder nicht, entscheidet der Kopf. Ich bin in Rio mit einer ganz anderen Einstellung rangegangen. In Peking und London musste es hundertprozentig etwas werden, in Rio habe ich gesagt: Schauen wir einmal, was passiert. Wenn man mit einer gesunden Distanz ran geht und man immer einen Plan B hat, dann tut man sich leichter. Mein Plan B war meine Familie Zuhause, aber das ist ein wichtiges Detail, das man ausgeglichen ist und dann die Leistung abrufen kann. Natürlich musst du technisch gut drauf sein und natürlich müssen die Schüsse dort hinfliegen, wo du sie hinschießt, aber du musst nicht immer der Beste sein, du musst nur an diesem Tag der Beste sein.“

24.09.2020 - 09:44

Die 64 Mädchen, Jungs, Frauen und Männer haben sich in dem „bereinigten“ Teilnehmerfeld - Bundeskaderathleten sind nicht startberechtigt, zudem gab es einige wenige Absagen - durchgesetzt und werden auf der Anlage des SV Igstadt (Bogen und Druckluft) und auf dem DSB-Bundesstützpunkt Am Rheinblick (Flinte) um die Plätze eins bis vier und insgesamt 22.400 Preisgeld kämpfen. Denn dank der Unterstützung der JSM können die Schützinnen und Schützinnen für sich und ihren Verein - deswegen der Slogan #DuUndDeinVerein – etwas gewinnen: Der Erstplatzierte erhält 500 Euro (250 Euro für den Schützen und 250 Euro für den Verein), der Zweitplatzierte 400 Euro (200/200), der Drittplatzierte 300 Euro (150/150) und der Viertplatzierte 200 Euro (100/100).

Unter den Teilnehmern sind einige bekannte Namen: So z.B. die Bundesligaschützen Kerstin Kohler und Jana Erstfeld (Luftgewehr für SSVg Brigachtal bzw. SSG Kevelaer) oder Susanne Roß (Luftpistole SV Waldkirch). Deutsche Meister wie Valerius Rack, Markus Blass (beide Luftpistole Auflage) oder Anne Ursula Mayer (Luftgewehr Auflage). Im Nachwuchsbereich ist mit Marius John (Trap) ebenfalls ein aktueller Deutscher Meister am Start.

Drei Geschwister-Paare am Start

Zudem gibt es gleich drei Geschwister-Paare, die beim Meisterschützen 2020 antreten: Im Skeet-Finale der Erwachsenen sind Paul und Christian Butterer am Start, Katrin Butterer (geb. Wieslhuber) und Ehefrau von Christian, wäre auch qualifiziert gewesen, ist aber Nationalkader. Im Bogen-Bereich sind die Geschwister Felix-Alexander Pape (Recurve Schüler) und Paul-Jannik Pape (Compound Schüler) qualifiziert, bei der Skeet Jugend treffen mit Alexander und Annabella Hettmer Bruder und Schwester aufeinander. Es gibt also genügend „Stoff“ für einige interessante Geschichten, die allesamt auch per Livestream zu verfolgen sind. Sportdeutschland.TV zeigt alle Wettkämpfe live im Stream, die Goldfinals werden zudem allesamt fachkundig kommentiert.

Folgende Sportler kämpfen am Samstag, 26. September um die Meisterschützen-Krone

Luftgewehr Schüler: Marie Christin Hönge (Schützenverein Tell e.V. Urexweiler), Annabelle Lotter (Schützengilde Engstingen), Johanna Kurmann (Schützengilde zu Werder/H.), Finnja Rentmeister (SpSch AvL Hamminkeln e.V.)

Luftgewehr Jugend/Junioren/Erwachsene: Kerstin Kohler (Schützenkameradschaft Dachtel), Patrick Müller (Gemütlichkeit Mertingen), Jana  Erstfeld (SSG Kevelaer 2005 e.V.), Nicole Juchem (St. Seb. Br. Gymnich 1139 e.V.)

Luftgewehr Senioren: Clemens Buschmann (Sportschützenverein Lohne e.V.), Anne Ursula Mayer (Schützenkameradschaft Dachtel), Gudrun Große-Venhaus (BSV Bottrop-Vonderort e.V.), Christhard Junge (Sportschützengilde Magstadt)

Luftpistole Schüler: David Obenaus (SchGi Döllingen), Simon Steinmetz (Büdinger Schützengesellschaft 1353 e.V.), Ferdinand Hengst (Priv. SSG zu Dresden e.V.), Schulz Tobias (Büdinger Schützengesellschaft 1353 e.V.)

Luftpistole Jugend/Junioren/Erwachsene: Susanne Roß (Kgl. priv. HSG Regensburg), Florian Schmidt  (Echzeller Sportschützengemeinschaft e.V.), Oliver Balg (Edelweiß Scheuring), Andreas Kögler (SpSch St.Seb. Pier 2000 e.V.)

Luftpistole Senioren: Valerius Rack (SG 1868 e.V. Bad Berneck), Markus Blass (Schützenverein St. Hub. Saarlouis-Fraulautern), Heinz Kraft (Schützenverein Stangenrod e.V.), Ralf-Peter Müller (Schützenverein St. Hub. Saarlouis-Fraulautern)

Recurve Schüler: Felix-Alexander Pape (TuS Grün-Weiss Holten - BoSch), Mia Schüller (KK-Schützenverein Stebbach), Luke Freisinger (Schützenverein e.V. Wörth), Kilian Jacob Mayer (BSG-Raubling e.V.)

Recurve Jugend/Junioren: Max Moulliet (Sportschützenverein 1985 Hatzenbühl), Noah Pop (SV Trier 1926 e.V.), Jule Gay (Sportschützenverein Karlsbad e.V.), Justine-Sophie Morgenstern (Schützenverein Schopp)

Recurve Erwachsene: Robin Faltus (Tassilo-Schützen Aschheim e.V.), Hendric Schüttenberg (Schützenverein Querum v. 1874 e.V.), Jakob Hetz (BC Spvgg.Reuth), Christian Höck (Bogen-Schützen-Club Lindach e.V.)

Compound Schüler: Joel Luis Jennrich (Bogensportfreunde Dreiländereck Schallbach 2010 e.V.), Paul-Jannik Pape (TuS Grün-Weiss Holten), Marcia Bingemer (Bogensportclub Markgräflerland e.V.), Noah Nuber (Sportschützenverein Baiertal)

Compound Jugend/Junioren: Ruven Flüß (BSV Eppinghoven 1743 e.V.), Yanneck  Regling (TSG Lübbenau Abt. Bogensport), Lukas Lehnig (TSG Lübbenau Abt. Bogensport), Mia Sautter (Schützengilde Ditzingen)

Compound Erwachsene: Patrick  Piecha (Sportschützenverein Baiertal), Manuel Spies (Schützengesellschaft Seckenheim), Kai Knechtel (Bogenschützen Gerdau e.V.), Stefan Butz (Bogensportclub Heidelberg)

Skeet Jugend: Alexander Hettmer (Wurftauben Club Wiesbaden e.V.), Maximilian Seibel (SSC Schale e.V.), Annabella Hettmer  (Wurftauben Club Wiesbaden e.V.), Clemens  Jacob (Förderverein Schießsportzentrum-Suhl e.V.),

Skeet Erwachsene: Paul Butterer (Förderverein Schießsportzentrum-Suhl e.V.), Christian Butterer (SSC Schale e.V.), Hicham  Abou Khodr (Wurftauben Club Wiesbaden e.V.), Slawek Nicinski (Jagdgesellschaft Wiesental)

Trap Jugend: Marius John (Förderverein Schießsportzentrum-Suhl e.V.), Pius Rosenecker (Jagd- u.Sport-SV e.V. Herrieden-Wieseth), Jan Andres (Förderverein Schießsportzentrum-Suhl e.V.), Ben Schäfer (WTC Siegerland e.V.)

Trap Erwachsene: Marc Unbescheiden (Schützengesellschaft Linden von 1904 e.V.), Jeremy Schulz (Schützenclub Diana e.V.), André Schwarz (IJSSC Bad Neuenahr e.V.), Timo Schulze (Privilegierte Schützengilde Schildau e.V.)

23.09.2020 - 13:58

Die meisten Teilnehmer kamen vom mitgliederstärksten Landesverband: Exakt 1223 Schützinnen und Schützen des Bayerischen Sportschützenbundes (BSSB) schossen beim Meisterschützen 2020 #DuUndDeinVerein mit. Es folgten die Landesverbände Hessen (536), angeführt von seiner sportlichen Präsidentin Tanja Frank (Platz 548 Luftgewehr), Württemberg (362), Rheinland (358), Niedersachsen (281) und Westfalen (265).

Teilnehmer im Alter von 7 bis 85 Jahre
3129 männliche und 1290 weibliche Sportler nahmen am Wettkampf teil, das entspricht einer Verteilung von 71% zu 29%. Älteste Teilnehmerin war die 85-jährige (!) Rosina Traub, die tolle 349,8 Ringe mit dem aufgelegten Luftgewehr erzielte und damit 879. (von 1057) wurde. Dem gegenüber steht die erst 7-jährige Charlotte Amelia Stuckart, die in der Bogen Recurve Schülerklasse 61 Ringe auf die Scheibe brachte.

Dass Spitze und Breite an einem Strang ziehen, verdeutlicht die Zahl von immerhin 36 Nationalkaderathleten, die die Gelegenheit nutzten, um im rar gesäten Wettkampfjahr einen neuen „Kitzel“ zu erfahren. Und auch 34 Para-Schützen nahmen die Chance wahr, sich mit Luftgewehr, Luftpistole, Bogen (Recurve oder Compound) oder im Trap zu messen. Das alles zeigt, wie breit der Bogen- und Schießsport aufgestellt ist, dass es Sportarten für jederfrau und jedermann ist.

Meister, inoffizielle Weltmeister und sogar Olympiateilnehmer am Start
An diesem Mittwoch steht final fest, wie die insgesamt 64 Finalteilnehmer heißen. Klar ist: Das Teilnehmerfeld wird hochkarätig sein, auch wenn die Nationalkaderathleten nicht dabei sein dürfen. So werden Deutsche Meister und DM-Medaillengewinner am Start sein, Bundesligaschützen und sogar inoffizielle Weltmeister. Und eigentlich sogar ein Olympia-Teilnehmer, doch Arben Kucana - 2012 für Albanien in London mit der Luftpistole am Start - musste seinen Start absagen.

Urkunden online abrufbar
Viele unterschiedliche Teilnehmer mit völlig unterschiedlicher Qualität, die eins einte: Der Spaß, dem Bogen- und Schießsport nachzugehen und diesen endlich wieder wettkampfmäßig zu betreiben. Dies war auch der Tenor der zahlreichen Rückmeldungen, die den DSB für die Idee und Durchführung lobten. Alle haben nun die Möglichkeit, ihre Teilnahme an der Premiere nachzuweisen, indem sie sich ihre personifizierte Urkunde am eigenen Rechner ausdrucken können.

23.09.2020 - 12:07

Wie wichtig ist es sich vor einer Saison seine Ziele klar zu definieren? Sowohl als Trainer als auch als Sportler?
Kulla: „Grundsätzlich machen Ziele Sinn, weil sie nahbarer machen und einen Dinge strukturierter angehen lassen. Ein Ziel ist etwas, was ich als erstrebenswert erachte und gleichzeitig für erreichbar halte, auch wenn es anspruchsvoll ist. Das heißt, ich habe eine Methodenkiste und Ressourcen, mit denen ich glaube, dorthin kommen zu können. Das Ziel gibt dir die Perspektive und führt dazu, dass du den Weg dorthin ökonomischer beschreitest, als wenn es mit zu viel Versuch und Irrtum versehen ist. Trainer und Sportler haben jedoch ganz andere Ziele. Bei den Junioren sind es oft sehr individuelle Ziele, die oft am Anfang noch gar nicht reflektiert vorliegen, sondern in einem Gespräch herausgearbeitet werden. Neulinge, die in den Kader kommen, werden auf eine solche Frage nichts wissen. Dort gilt es, Ziele zu definieren, wie z.B. „Ich will mich einleben und durch meine Leistung etablieren“, „Ich will als Mensch in der Gruppe ankommen“ usw. Diejenigen, die kommen und sagen: „Ich will zu den Olympischen Spielen“, sind absolut in der Minderheit.“

Möller: „Das ist sehr wichtig, denn ein Ziel braucht man, damit man weiß, wo es hingeht. Und wenn man weiß, wo es hingeht, muss man seinen Weg danach ausrichten. All die Planung hängt davon ab. Ich möchte da ein Zitat von Ralf Schumann anmerken, der sagte: "Wer sein Ziel kennt, muss auch den Weg wissen.“

Helft ihr Trainer bei der Definition von Zielen? Gibt es Maßnahmen?
Kulla: „Anfangs hatte ich einen Zettel, auf dem draufstand: Das möchte ich bei diesem Wettkampf erreichen. Aber das ist nach meiner heutigen Sicht kontraproduktiv. Es macht mehr Sinn über das ganze Jahr nachzudenken, denn es spielt bei den Junioren nicht nur der internationale Wettkampfkalender mit rein, sondern auch, in welcher Schulklasse sie gerade sind, ob Abschlüsse anstehen usw. Eine individuelle Betrachtungsweise ist zwingend erforderlich und wird meistens in einem Gespräch erarbeitet. Auch dann wird der Sportler noch nicht rausgehen und sagen: ‚Das ist jetzt mein Ziel!‘ Vielmehr hat sich für ihn ein Weg geebnet und das, was wir als Rahmen bieten, ist automatisch der Weg, der ihn da hinführt.“

Möller: „Wir versuchen das im gemeinsamen Gespräch herauszufinden und gemeinsame Ziele zu definieren. In diesem Jahr war das sicher schwierig, weil oftmals die Kommunikation fehlte. Bei vielen waren die Ziele durch die lange Pause nicht mehr so richtig definiert, und da ist es als Trainer die Kunst, die Motivation wieder anzukurbeln.“

Was passiert, wenn die Ziele der Trainer und Schützen auseinanderklaffen?
Kulla: „Das passiert sehr häufig in Wettkämpfen, denn viele muten sich dort mehr zu, als sie eigentlich können und werden dadurch zu früh wütend. Das hilft bekanntermaßen nicht. Hier muss man die Leute rausholen, auffangen und ihnen zeigen, wie man sich besser steuert. Ich bin ein Freund von realistischer Zielstellung, denn wenn Ziele zu hoch gesteckt sind, ist es demotivierend, wenn du sie nicht erreichst. Ziele müssen so gesteckt sein, dass wenn du dich aufrecht hinstellst, dich auf die Zehenspitzen stellst und die Arme ausstreckst, das Ziel fünf Zentimeter darüber ist.“

Möller: „Auf jeden Fall das Gespräch suchen, um alles auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen und alle Faktoren – egal, ob beruflich oder privat – mit einzubeziehen und an den richtigen Stellschrauben zu drehen. Man muss am Ende gemeinsam an einem Strang ziehen.“

Gilt dabei lieber groß Träumen, oder kleine Schritte sind die wichtigen?
Kulla: „Der Schritt ist der Anfang des Weges, aber du musst wissen, wo du hinwillst. Dafür brauchst du Ressourcen, Erfahrung von anderen, aber auch eine realistische Selbsteinschätzung. Jeder Olympiasieger wird dir sagen, dass er sich das schon immer gewünscht hat, aber man darf nicht vergessen, dass ein paar Tausend andere sich das auch so gewünscht haben und auch daraufhin gearbeitet haben, aber auf dem Weg dorthin irgendwas anders gelaufen ist.“

Möller: „Beides ist wichtig. Erst einmal braucht man vielleicht einen großen Traum, aber die kleinen Schritte ergeben am Ende den zielführenden Weg.“

Inwiefern unterscheidet sich die Zielsetzung bei den Junioren von der der Erwachsenen? Bei wem muss man auf was achten?
Kulla: „Es gibt verschieden Arten von Zielen. Das eine sind sogenannte Outcome-Goals, wie z.B. Europameister zu werden, das andere sind Prozessziele, die sich auf meine Handlung fokussieren und dadurch meine Leistung verbessern, wie z.B. in 80 Prozent der Stehendschüsse gut nachzuhalten. Damit lenke ich vielleicht den Schützen von seinem Ziel ab, ins Finale kommen zu wollen, aber er hat sein zweites Ziel schon mal erreicht und indem er merkt, dass das gut war, wächst er und kommt technisch voran. Und automatisch hat er vielleicht vier Ringe mehr geschossen und zack, schon ist er im Finale. Im Wettkampf muss man immer prozessorientiert arbeiten – da geht der Blick aufs große Ganze verloren und das ist gut so. Erinnert man sich an Matthew Emmons letzten Schuss bei Olympia, der daneben ging, könnte man mutmaßen, dass er vielleicht mit den Gedanken schon ein bisschen weiter war. Das will ich den Junioren lernen, abgrenzen zu können, was ist Vergangenheit, was ist Gegenwart, was ist Zukunft.“

Möller: „Bei den Junioren ist es wichtig, dass man ihnen schon früh eine Zielstellung einpflanzt, dass sie vielleicht einmal bis zu den Olympischen Spielen kommen. Hier ist es mehr perspektivisch zu sehen, während das bei den Erwachsenen top aktuell ist. Die wollen, sollen und müssen dorthin. Sie haben einen ganz anderen Druck, dieses Ziel zu erreichen. Das ist die Kunst des Trainers, diesen Druck wieder wegzunehmen, denn der Druck beim Wettkampf kommt von alleine. Bei den Junioren kommen zudem immer Jahreshöhepunkte, auf die sich konzentriert wird, um auch optimal den Sprung zu den Erwachsenen zu schaffen.“

Wie gehst du mit übermotivierten Eltern um, deren Ziele für ihre Sprösslinge vielleicht zu hoch gesetzt sind oder nicht mit den Zielen der Kinder übereinstimmen?
Kulla: „Das passiert selten wissentlich, noch seltener passiert es, dass man direkten Kontakt zu den Eltern hat, wo man in Gesprächen einlenken könnte. Faktisch weißt du als Eltern nie, ob sich diese finanzielle Investition auszahlen wird, und da kann ich verstehen, wenn Eltern sagen, dass dahinter auch eine gewisse Ernsthaftigkeit stecken soll. Eine Ernsthaftigkeit auf Zeit, in der man locker, mit Spaß ausprobiert, aber auch mit Fokus und Energie daran arbeitet, was man schaffen kann. Nicht jeder hat automatisch ein Nationalkadermitglied oder einen Weltmeister zuhause – so etwas entwickelt sich. In einer Phase, in der man in der Schule mithalten muss, neben Gleichaltrigen bestehen muss, kann das dann auch einmal viel sein, und der Druck der Eltern ist dabei kontraproduktiv. Das Kind muss selbst spüren, was es kann – ohne des Druck von außen.“

Möller: „Das ist eine Situation, die immer wieder vorkommt. Man muss versuchen, die Eltern bei Wettkämpfen möglichst fern zu halten. Grenzen müssen gesetzt werden, denn die Kinder werden nicht von ihren Eltern trainiert, sondern von ihrem Trainer und der hat dort auch das Sagen, denn sie bringen dort ihre Kompetenz und ihre Erfahrung ein und versuchen, die Kinder in die richtige Richtung zu lenken. Die Eltern meinen das ja nicht böse, aber sie haben eben oft nicht die Erfahrung, die ein Stützpunkt- oder Bundestrainer hat.“

Was passiert, wenn Ziele nicht erreicht werden? Wie geht man am besten damit um?
Kulla: „Nach jedem Wettkampf muss es eine Analyse geben. Was war mein Vorhaben? Was habe ich umsetzen können? Was ist gut gelaufen? Wo habe ich noch Kapazitäten? Jeder Wettkampf ist eigentlich nur ein Meilenstein und eine Gelegenheit zu lernen. Du bist nie vollendet! Im Gespräch mit Henri Junghänel hat mir das imponiert, denn er hat als Erwachsener eine höhere Anzahl an wichtigen Wettkämpfen, trotzdem hat er es immer akzeptiert, dass wenn das Alles nichts hilft, was man an taktischem und technischem Know-How mitbringt, es eben so. Dann weiß ich, was ich investiert habe, aber es muss nicht immer reichen, denn ich habe keinen Einfluss darauf, was andere machen. Die meisten hochgesteckten Ziele wird man nicht auf Anhieb erreichen und muss es vielleicht öfter probieren. Aber man wird erfahrener, der Respekt wird kleiner und die Gewöhnung tritt ein.“

Möller: „Das Beste ist, offen damit umzugehen. Das ist nicht immer einfach, denn da spielen oft Emotionen eine große Rolle. Und das feinfühlig mit dem Sportler zu verarbeiten ist herausfordernd. Es geht darum, zu analysieren, was wir beim nächsten Mal besser machen. Hier sind beide Parteien gefragt. Was können wir am Schlechten weglassen, was können wir beim Guten übernehmen? Schlechte Dinge kann man oft sehr gut benennen, aber wir tun uns schwer, was gut ist zu benennen und das positive Denken zu fördern.“

Und zuletzt natürlich die Frage: Wie lauten deine persönlichen Ziele als Trainer?
Kulla: „Ich habe den Wunsch, meine Schützlinge in die erfolgreiche Selbstständigkeit zu entlassen. Ich will, dass Leute etwas über Selbstwirksamkeit und übers Leben lernen. Leistungssport ist eine Lebensschule, und diesen Transfer zu leisten, ist eine wichtige Aufgabe eines jeden Trainers – egal, ob im Verein oder im Nachwuchsleistungssport. Wenn sie lernen, was sie sich zutrauen, was sie meistern können und was ihre Werkzeuge dabei sind, dann können sie unglaublich viel in den beruflichen Alltag und in Alltagssituationen nehmen.“

Möller: „Ich will ein guter Trainer sein – sowohl menschlich als auch fachlich, denn man muss von der Truppe akzeptiert werden. Mein persönliches Ziel ist aber auch das erfolgreiche Bestreiten der Olympischen Spiele im nächsten Jahr, und dem versuche ich alles unterzuordnen.“

 

23.09.2020 - 11:41

Die eigentliche Coburger Königskette stammt aus dem Jahr 1741 und war der Schützengesellschaft von Herzog Franz Josias von Sachsen-Coburg-Saalfeld gestiftet worden. Der Schützenkönig darf dieses prächtige Rokoko-Kleinod nur zu ganz wenigen besonderen Anlässen tragen, die meiste Zeit des Jahres liegt die Kette in einer Vitrine des Coburger Zimmers im Deutschen Schützenmuseum und wird dort von den Besuchern bestaunt. Zum Königsschmuck gehören seit den 1980er Jahren aber auch die Orden für den König selbst und seine beiden Ritter, also die Zweit- und Drittplatzierten. Die Königsorden sind aus massivem Silber handgearbeitet und gehen in das Eigentum des Königs und der Ritter über. Erstmals sollte in diesem Jahr auch ein silberner Orden für den Jugendschützenkönig ausgegeben werden. Bekanntlich kam alles anders. „Die Covid-19-Pandemie hat viele Veranstaltungen unserer Schützengesellschaft verhindert“, klagte der neue Coburger Oberschützenmeister Stefan Stahl beim Festakt im alten Rosengarten von Schloss Callenberg, „es gab im März schon keine Hauptversammlung, dann kein Sommeranfangsschießen, kein Vogelschießen mit dem dazugehörigen Königsschießen, und wahrscheinlich wird auch das bald anstehende Oktoberfest nicht stattfinden.“ Mit dem Protektor der Schützengesellschaft, Prinz Andreas von Sachsen-Coburg und Gotha, der bekanntlich auch Protektor des Deutschen Schützenbundes ist, habe er die Möglichkeit besprochen, die Königs- und Ritterorden im Deutschen Schützenmuseum aufzubewahren. Nach der Zustimmung durch DSB-Präsident Hans-Heinrich von Schönfels fand die Übergabe in Anwesenheit des Protektors und einer stattlichen Anzahl von Mitgliedern unter Einhaltung der strengen bayerischen Hygienevorschriften statt.

Die nicht ausgegebenen Königsorden des Jahres 2020 ergänzen nicht nur den Königsschmuck im Coburger Zimmer des Deutschen Schützenmuseums auf Schloss Callenberg, sie haben neben ihrem materiellen auch einen gewissen historischen Wert, indem sie ein abgesagtes Königsschießen dokumentieren und damit eine – durch die Pandemie ausgelöste, hoffentlich vorübergehende – Episode der Zeitgeschichte erzählen.

23.09.2020 - 10:00

Petersberg verstärkt sich mit Barbe; Mengshausen profitiert vom Absteiger

Heißer Transfer beim SV Petersberg: Tom Barbe (19), der bisher in der hessischen Oberliga-Nord beim SV Goddelsheim schoss, kennt seine neuen Teamkollegen bereits, denn mit Mona Heck sicherte er sich bereits in der Jugendklasse den Hessenmeistertitel. Mengshausen hat hingegen beim Absteiger aus Nordstemmen Ayleen Heuft und Nadine Gudert "abgegriffen" und wird so versuchen, den Klassenerhalt zu sichern. Währenddessen verstärken sich Kevelaer, Gölzau und Wieckenberg noch einmal auf der Ausländerposition. Die Französin Jade Bordet gewann jüngst EM-Silber bei den Junioren mit dem Luftgewehr und ist damit die neueste Tigerin im Team Kevelaer. Damit reagiert der Verein auch auf die momentane Corona-Lage, denn es sei sehr ungewiss, ob Sergey Richter (ISR) einreisen dürfe, so SSG-Sportleiter Simon Janßen gegenüber dem Westfalen Blatt. Denn eins haben die Tiger aus Kevelaer fest im Visier: Sie wollen als erster Luftgewehr-Verein in der Bundesliga-Geschichte das Triple schaffen. Perfekt zum jungen Team des SV Wieckenberg passt der 17-jährige Singh Panwar Divyans, der zu den größten indischen Nachwuchstalenten gehört, was er zuletzt im Weltcup-Finale in Putian (CHN) bewies, als er sowohl mit dem Luftgewehr als auch im Luftgewehr Mixed Team Gold gewann. Für den SV Gölzau kommt der Pole Rafal Lukaszyk ins Team. Ob die Teams ihre ausländische Verstärkung in diesem Jahr voll ausnutzen können, bleibt auf Grund der unsicheren Lage der Corona-Pandemie jedoch fraglich.

Koenders wechselt in den Süden; Zirfaß überraschend von Dießen nach Vöhringen

Wechsel auf den Ausländerpositionen gab es auch im Süden: Die Inderin Ayonika Paul wechselte vom Absteiger Petersaurach nach Coburg, und Etienne Germond (FRA) wird künftig die Prittlbacher Schützen unterstützen. Prominente Unterstützung erhält auch der Bund München, die mit dem Kroaten Petar Gorsa, der zuletzt für den Deutschen Meisters Kevelaer an den Start ging, aber in der letzten Saison pausierte, und der Amerikanerin und Olympiasiegerin Virginia Trasher, die vom Absteiger des SV Buch wechselte,  aufgerüstet hat und damit die Position von Pierre-Edmond Piasecki (FRA) ersetzen, der verletzungsbedingt seine Schießkarriere an den Nagel hängen musste. „Ob unsere Ausländer schießen können, steht in den Sternen, aber auch wenn wir ohne Ausländer starten müssen, sind wir gut aufgestellt“, so Trainer Norbert Ettner, „Sarah Grubmüller ist unser dritter Neuzugang und heiß auf die neue Herausforderung.“

Von Nord nach Süd zog es derweil David Koenders, der bereits Anfang des Jahres berufsbedingt nach München in eine Wohngemeinschaft mit Maxi Dallinger zog. Daher liegt es nahe, dass er in dieser Saison gemeinsam mit ihm für den SV Niederlauterbach an den Start geht und dem BSV Buer-Bülse den Rücken kehrt. „Neben der Doppelbelastung von Sport und Beruf, wollte ich nicht mehr so weit zur Bundesliga reisen“, so der Nationalkaderathlet, „ich möchte einfach Spaß haben und freue mich, wieder in der Bundesliga zu starten, nachdem das wegen meines Auslandsstudiums die letzten Jahre nur sehr begrenzt möglich war.“ Mit Sarah Lechner kommt ein weiteres starkes Nachwuchstalent nach Niederlauterbach.

Südens ungeschlagener Vorjahresgruppensieger Vöhrigen, bekommt mit der Ungarin Eszter Denez und Alisa Zirfaß ebenfalls zwei junge Gesichter ins Team. Zirfaß schaffte im letzten Jahr eigentlich den Aufstieg in die 1. Liga mit ihrem Team aus Dießen, entscheid sich aber dann doch, für Vöhringen an den Start zu gehen. „Eine fragliche Entscheidung“, wie Dießens Spitzenschütze Maximilian Ulbrich gegenüber dem Münchner Merkur äußert. Schließlich müsse sich die junge Schützin im Top-Feld der Vöhringer erst einmal einen Startplatz in der 1. Mannschaft sichern. Doch Aufsteiger Dießen wusste sich zu helfen und holte mit Ines Maierhofer, die zuletzt mit Olympiasiegerin Barbara Engleder im Team schoss, und Lisa Marie Höpp zwei motivierte Nachwuchstalente ins Team. Neue Gesichter auch im Team aus Fürth: Mit Dominik Fischer kommt frischer Wind ins Team rund um Routinier Sonja Pfeilschifter. Die österreichische Nationalkaderschützin Nadine Ungerank und  Klavdija Jerovsek (SLO) komplettieren das Team. Und auch im Team aus Kronau tut sich was: Norweger Simon Claussen und Cora-Heidi Vonthron, die mit Teamkollegin Larissa Weindorf momentan die DSB-Luftgewehr-Rangliste der Juniorinnen anführt und in der Oberliga Baden mit einem letztjährigen Schnitt von 396 Ringe glänzte, werden zum jungen Team stoßen und versuchen, es so gut wie es geht zu unterstützen.

Die ersten Wettkämpfe der Luftgewehr Bundesliga finden am 10./11. Oktober bei den Gastgebern des SV Petersberg, BSV Buer-Bülse, SSG Dynamit-Fürth und dem Bund München unter strengen Hygienemaßnahmen und ohne Zuschauer statt. Verfolgt werden können alle Wettkämpfe jedoch auf dem Meyton Liveticker.

22.09.2020 - 12:31

Die ursprüngliche Zielstellung der Verordnung war eine europaweite Regelung zur Verwendung von Bleischrot für die Jagd an und über Gewässern, die auch DSB, DJV und andere Verbände begrüßen. Nach Meinung des DSB schießt der Entwurf (siehe Anhang) jedoch deutlich über das Ziel hinaus. Denn die Definition von „Feuchtgebieten“ ist derart weit, dass dies jede auch nur temporär nach einem Regenschauer auftretende „Pfütze“ auf einem Acker sein kann.

Zudem kann eine nach der Verordnung festgelegte 100 Meter Pufferzone um ein Feuchtgebiet auch gravierende Auswirkungen auf die sportlich genutzten Schießstände haben, was einem Totalverbot für bleihaltige Schrotmunition auf einer Vielzahl der schießsportlich genutzten Wurfscheibenschießstände gleichkäme. Der Schießsport stand jedoch nie zur Debatte und wurde demnach auch zu keinem Zeitpunkt informiert bzw. angehört.

Da der DSB die Gefahr sieht, dass die Wurfscheibenanlangen – wenn auch unbeabsichtigt – ins Visier eines Verbotes rücken, hat er gemeinsam mit anderen betroffenen europäischen Schießsportverbänden die Initiative ergriffen und Kontakt zu Mitgliedern des Ausschusses für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit des Europäischen Parlaments aufgenommen. Dieser berät am 23.09.2020 in seiner Sitzung über den Verordnungsentwurf.

Um sich ein umfassendes Bild in Deutschland zu verschaffen, hat der DSB seine Landesverbände gebeten, den anhängenden Fragebogen über bekannte Schießstandbetreiber bzw. Vereine ausfüllen zu lassen. Diese werden dann fristgerecht an die europäischen Verbände weitergeleitet. Schließlich ist es zukunftsentscheidend für den Wurfscheibenschießsport, ein flächendeckendes Netz funktionierender Schießstände sowohl für den Breiten- als auch Leistungssport zu haben.

Der DSB wird sich weiterhin mit Nachdruck für die berechtigten Interessen seiner Mitglieder einbringen, sowohl im vorliegenden Verfahren als auch besonders im zweiten, noch weitreichenderen EU-Verfahren zur Verwendung aller Arten von bleihaltiger Munition in allen Territorien, das derzeit noch der Europäischen Chemikalienagentur zur Prüfung vorliegt, und in das sich der DSB bereits mit Stellungnahmen und Informationen eingebracht hat, da es hier explizit um den Schießsport geht.

22.09.2020 - 08:25

Wer sein Ziel SMART formuliert, hat also bessere Chancen, die motivierende Wirkung von Zielen zu spüren und diese auch zu erreichen. Deshalb sollte ein Ziel folgendermaßen formuliert werden:

Spezifisch: Es geht darum, das Ziel so konkret wie möglich zu beschreiben – ohne Verallgemeinerungen und Unklarheiten.  Das heißt nicht, dass ein Ziel auf einer Seite festgehalten werden muss, sondern am besten in einem prägnanten Satz. Zur Formulierung helfen die W-Fragen: Wer, was, wann, wo, wie, warum?

Messbar: Um eindeutig zu wissen, ob man sein Ziel erreicht hat, helfen messbare Ziele. Platzierungen, Ringzahlen, Messwerte (Halteruhe, Kraft,…) oder die Qualifikation für einen bestimmten Wettkampf oder einen Kader können z.B. solch messbare Ergebnisse sein. Auch hier helfen die W-Fragen: Was will ich genau erreichen? Wie werde ich wissen, wann mein Ziel erreicht ist?

Attraktiv/ambitioniert: Was nutzt es, wenn es zwar das Ziel des Trainers oder der Eltern ist, aber nicht das eigene? Ein Ziel kann nur dann erreicht werden, wenn alle Beteiligten dahinter stehen und gemeinsam motiviert daran arbeiten, das Ziel zu realisieren. Ziele sollten nicht zu leicht zu erreichen sein, und deshalb ist es umso wichtiger, dass man zu jeder Zeit motiviert bleibt, denn ansonsten führen zu hoch gesteckte Ziele auch schnell zu Blockaden, Resignation und Enttäuschung. Aber auch wer seine Ziele zu niedrig steckt, kann vor einem Problem stehen: Man ist nicht bereit, die letzten Reserven zu geben.

Realistisch: Die Kompetenzen des Sportlers und die Rahmenbedingungen sollten der Zielerreichung entsprechen, um den Erfolg möglich zu machen. Groß zu denken ist zwar zu jeder Zeit erwünscht, doch kann übertriebener Ehrgeiz auch zu Frust bei der Nichterreichung der Ziele führen, da man seinen eigenen Erwartungen nicht gerecht wird. Deshalb sollte ein Ziel herausfordernd, aber dennoch machbar sein. Quasi eine Art 50:50-Chance.

Terminiert: Ein richtiges Ziel braucht auch eine Ziellinie, also einen Abschluss, denn je näher das Ziel rückt, desto größer wird meistens auch die Motivation. Dieser Termin ist zeitgleich auch der Tag der Abrechnung, um zu sehen, ob man geschafft hat, was man sich selbst vorgenommen hat.

Um nun ein gutes Ziel zu formulieren, sollten alle fünf Kriterien erfüllt sein. Ist das Ziel noch weit in der Zukunft, kann man sich auch zusätzlich Zwischenziele stecken, die nach den gleichen Kriterien definiert und terminiert werden. Wichtig ist zudem, sich aufzuschreiben, welche Stärken man hat, um dieses Ziel zu erreichen, welche Probleme man dabei aber auch vielleicht überwinden muss und mit welchen Hilfsmitteln und Tricks das am besten gelingen kann. Und: Es positiv zu formulieren. Ziele, die Verneinungen enthalten, werden als „Weg-von-Ziele“ beschrieben. Oftmals werden damit Situationen beschrieben, die man nicht mehr erleben möchte. So wird ein Ziel immer schwer zu erreichen sein, denn man wird immer an die Vergangenheit erinnert. Vermeiden sollte man auch Wörter wie „will“, „kann“ und „möchte“. Sie rauben dem Ziel die Prägnanz.

Falsch: Ich will mehr trainieren.
Richtig: Ich werde bis zu den Deutschen Meisterschaften mindestens dreimal die Woche zwei Stunden trainieren, um mich dort für das Finale der besten Acht zu qualifizieren.

Falsch: Ich will besser werden.
Richtig: Mein Ziel ist es, mich im nächsten Jahr zum ersten Mal für die Landesmeisterschaft zu qualifizieren.

Falsch: Ich werde nicht mehr mit meinem jetzigen Team antreten.
Richtig: Ich werde in den nächsten vier Wochen Kontakt mit meinen Wunschpartners/-verein aufnehmen und in nächsten 6 Monate ein neues Team zusammenzustellen, um bei der Deutschen Meisterschaft gemeinsam auf dem Treppchen zu stehen.

Die Checkliste:

  • Spezifisch
  • Messbar
  • Attraktiv
  • Realistisch
  • Terminiert
  • Positiv formuliert
  • prägnant

 

Quellen:

Übung in Anlehnung an Engbert, K., Droste, A., Werts, T. und Zier, E. (2011). Mentales Training im Leistungssport. Ein Übungsbuch für den Schüler- und Jugendbereich. Stuttgart: Neuer Sportverlag.

Sterr, S. (2016). Mentaltraining im Sport. Bessere Leistung im Training und Wettkampf. Hamburg: spomedis GmbH.

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