15.06.2022 - 10:48

Doch klar ist auch: Es gibt weitaus mehr als nur die EM-Berichterstattung. Die ehemalige Weltklasseschützin Elena Richter hat nicht nur das Editorial verfasst, sondern auch einen Artikel zur Psychologie im Bogensport. Die Bereiche Tradition, Medizin, Vereins- bzw. Kindertraining und Urlaub werden ebenso abgedeckt, wie es einen „Blick über die Scheibe“ zum erfolgreichsten Vater-Sohn-Bogenduo im Nachbarland Österreich gibt. Dazu sind noch einige Splitter in dieser Ausgabe, und das letzte Wort bzw. die letzte Passe hat dieses Mal Compounderin Carolin Landesfeind. Insgesamt 70 (!) Seiten - Bogen-Herz, was willst du mehr?

Viel Spaß beim Lesen. Und wer die Faszination noch nicht kennt: Einfach unter Faszination Bogen einmalig registrieren und dann am Desktop oder jedem mobilen Endgerät in Ruhe genießen. Oder das Magazin in der App bequem am Endgerät laden und lesen.

15.06.2022 - 10:17

Das Auflageschießen erfreut sich im DSB immer größerer Beliebtheit. Schließlich ist der Schießsport auch bis ins hohe Alter ausübbar. Iris Zimmer, Olympia-Teilnehmern 1996 und professionelle Trainerin mit Schwerpunkt Auflageschießen, wird in dem Webinar über das Auflageschießen mit dem Gewehr sprechen. Wie ist der Aufbau, die Statik und Balance der Anschläge stehend und sitzend? Zudem gibt sie Informationen und Tipps über den inneren Anschlag, also die Spannungszustände im Körper sowie die Annäherung an den Nullpunkt über die Atmung. Im Anschluss an den Vortrag können Teilnehmer – wie immer – Fragen zu dieser Thematik an den Experten stellen.

Anmeldungen sind noch möglich (Link s.u.), um dabei zu sein, ist nur eine stabile Internetleitung und ein Rechner oder mobiles Endgerät notwendig.

14.06.2022 - 12:00

Er wolle den Verband, der mit circa 18.600 Mitgliedern zu den vier größten Sport­verbän­den in Thüringen zählt, zielge­richtet weiter­entwickeln und mit all seiner Erfahrung voran­bringen, sagte Thon. Die Sanierungs- und Umbau­arbeiten am Schieß­sport­zentrum Suhl mit dem Olympia­stützpunkt, um inter­national konkurrenz­fähig zu bleiben - auch mit Blick auf eine WM-Bewe­rbung 2030 - und die Mitglieder­gewinnung, um die Basis, auf der die leistungs­sport­lichen Erfolge des Verbandes fußen, noch breiter aufzustellen, seien zentrale Arbeits­schwer­punkte. Auch appellierte er an die Politik, in Sachen Blei­verbot Augen­maß walten zu lassen.

Einstimmig wieder in ihren Funktionen wählten die Delegierten die Vize­präsi­dentin Finanzen, Susanne Weyh (FV SSZ Suhl), den Vize­präsi­denten Recht, Hans Gülland (SG Worbis), den Vize­präsi­denten Tradition und Brauchtum Karl-Thomas Anger­mann (SGi Crossen) und den Vize­präsi­denten Sport Marco Krannich (PSG Saalfeld). Außerdem zum Präsidium zählen Sina Hölzer (SV Ober­maßfeld), die der Landes­jugend­tag am Vormittag wieder zur Landes­jugend­leiterin wählte, sowie Geschäfts­führer Michael Gohritz.

Zum Schützentag in der Residenzstadt über­brachte Martina Reinhardt, Abteilungs­leiterin im Thüringer Mini­sterium für Bildung, Jugend und Sport, „herzliche Grüße und Wünsche meines Chefs”, des Bildungs­ministers Helmut Holter (Die Linke) und dankte in der Feier­stunde im Achteck­haus dem Schützen­bund für die sport­liche und gesell­schaft­liche Arbeit in Traditions­pflege und Moderne, etwa mit einer Schützen-WM 2030 in Suhl als Heraus­forderung. „Wir stehen dazu ja in engem Kontakt”, sagte sie und Stephan Thon befand: „Das Ministerium ist uns stets ein guter Partner.”

Die Bedeutung des Schützen­bundes betonten auch weitere Politiker und Funktionäre in ihren Reden und lobten das große Engage­ment. „Heute ist Sonders­hausen das Zentrum der Schützen­welt”, sagte der Bundestags­abge­ord­nete Manfred Grund (CDU). „Herzlichen Dank für Ihren uner­müd­lichen, ehren­amt­lichen Einsatz”, sagte Land­rätin Antje Hochwind-Schneider (SPD). „Es ist mir außerdem ein Anliegen, all jenen zu danken, die mit viel Herzblut diesen Schützen­tag vorbe­reitet haben.” Ganz besonders hob sie den Thüringer Schützen­bund und den Kreis­schützen­meister Lutz Kewel mit seiner Mann­schaft des Kyff­häuser Schützen­kreises hervor, welche die rundum gelungene, dreitägige Groß­veran­stal­tung mit Feier­stunde, Delegierten­versamm­lung und Landes­jugend­tag, mit Landes­böller­treffen, Ermitt­lung des Thüringer Scheiben­königs sowie des Landes­jugend­schützen­königs, großem Fest­umzug, Fest­gottes­dienst und Fest­abend organi­siert hatten.

Auch der Präsident des Landes­sport­bundes Thüringen, Prof. Dr. Stefan Hügel, über­brachte sport­liche Grüße und betonte die Bedeu­tung des Sport- und Bogen­schießens für das Sport­land Thüringen – beein­druckend unter Beweis gestellt nicht zuletzt bei den Olym­pischen Sommer­spielen in Tokio. Außerdem hob er die Wich­tigkeit der Arbeit an der Basis im Verein und Breiten­sport hervor und verwies u.a. auf die zahl­reichen Möglich­keiten und Programme zur Unter­stützung der Vereins­arbeit, u.a. nach der Corona-Zwangs­pause im Sport sowie die partner­schaft­liche Zusam­men­arbeit zwischen LSB und TSB.

DSB-Vizepräsident Gerd Hamm ging ausführlich auf die aktuellen Heraus­forde­rungen im Deutschen Schieß- und Bogen­sport und Schützen­wesen ein. Neben der aktuellen Ent­wick­lung im Sport wurden u.a. die Effekte der Corona-Pan­demie auf die Schützen­vereine oder die Blei­proble­matik beleuchtet. Im Zuge der Kampagne „Jugend trifft” übergab er zur Freunde des Nach­wuchses ein Gewehr der Firma Walther sowie 5000 Schuss LG-Munition von der Firma RUAG – sym­bolisch natürlich.

Sondershausens Bürgermeister und Schirm­herr des Schützen­tages Steffen Grimm (parteilos), der anfangs die Gäste und Dele­gierten aufs Herz­lichste willkommen geheißen hatte, übergab in der Schluss­phase der Feier­stunde den Staffel­stab an Ina Leuke­feld, Stadt­rätin und Beige­ordnete der Stadt Suhl, wo der nächste Schützen­tag im Jahr 2024 statt­finden wird. „Ich kann ihnen versichern, dass wir uns sehr viel Mühe geben. Seien Sie eingeladen zum 19. Thüringer Schützen­tag nach Suhl”, sagte sie, nachdem sie auf die lange Schützen­tradition im Schieß­sport­mekka Suhl verwiesen hatte.

Auch wurden zahlreiche Schützen­freunde für ihre lang­jährigen Ver­dienste geehrt. So reiht sich Referent Leistungs­sport Dirk Schade nun in die ehrenvolle Gruppe der Träger des Goldenen Ehren­kreuzes des TSB in Gold am Band ein. Marco Krannich erhielt das Ehren­kreuz des DSB in Gold und Hans Gülland die Präsi­denten­medaille Stufe zwei, um nur Einige zu nennen.

Zwei mediale Höhepunkte umrahmten die Dele­gierten­versamm­lung: Das neue Image­video der Thüringer Schützen­jugend ist nun online und der Start­schuss für die neu gestal­tete Web­seite des TSB wurde gegeben (Frei­schal­tung im Laufe der Woche).

(Jan-Thomas Markert)

14.06.2022 - 11:43

Knapp 300 Sportler aus 13 Nationen nahmen nach zweijähriger Corona-Pause wieder an diesem beliebten sportlichen Vergleich teil. Die Wettkämpfe beschränken sich auf die wichtigsten Kerndisziplinen (Druckluft, KK 3x20 und Liegend, Sport- und Schnellfeuerpistole), was das Programm nicht weniger intensiv machte.

Das Gewehrteam von Bundestrainerin Claudia Kulla zog sich besonders erfolgreich aus der Affäre: 6 Finalteilnahmen, 2x Einzel-Gold, 2x Team-Gold, 2x Team-Silber und 1x Team-Bronze lautete die Bilanz. Dabei konnte Nils Friedmann seinen Einzel-Erfolg mit dem Luftgewehr – im Finale bezwang er den Tschechen Zaborec 16:8 – kaum selber glauben: „Ich hätte nie damit gerechnet, dass ich im Luftgewehr gewinne, weil ich im KK eigentlich besser bin. Aber natürlich habe ich mich sehr gefreut. Es lief in der Qualifikation und danach richtig gut. Im Finale war ich nervös, das hat sich aber gelegt. Das Goldfinale hat einfach Spaß gemacht, ich war ruhig und habe mir immer gesagt, ich muss nur besser sein als mein Gegner!“ Und das war er: Bei seinen zwölf Finalschüssen landete lediglich einer nicht im Zehnerbereich! Bereits in der Qualifikation kam er mit 622,7 Ringen nahe an seine persönliche Bestleistung heran.

Ich hätte nie damit gerechnet, dass ich im Luftgewehr gewinne, weil ich im KK eigentlich besser bin!

Nils Friedmann etwas ungläubig über seinen Sieg im Luftgewehr-Wettkampf

Den zweiten Titel im Einzel sicherte sich Nele Stark mit einem Start-Ziel-Sieg. Denn sowohl in der Qualifikation (589 Ringe), im Finale (405,8 Ringe) als auch im Goldfinale gegen Marta Szabo/SUI (17:7) war sie nicht zu schlagen – trotz eines kleinen Makels: „Kniend lief nicht optimal, sowohl in der Qualifikation als auch im Finale. Aber im Liegend- und Stehend-Anschlag konnte ich mich jeweils nach vorne kämpfen. Im Goldfinale stieg die Nervosität nochmals an, da es sehr aufregend ist, Schuss für Schuss gegen die Gegnerin zu schießen. Ich konnte mich aber zwischen den Schüssen durch meine Atmung sehr gut beruhigen!“

In den Teamwettkämpfen räumten die DSB-Gewehrschützen ordentlich ab: Gold im Liegendschießen für Nils Friedmann, Justus Ott und Marc Hülsmann sowie Gold für die 3x20-Juniorinnen in der Besetzung Nele Stark, Jana Meinheit und Anna-Mari Beutler – im Dreistellungskampf war mit Stark, Meinheit (5.), Beutler (6.)  und Lea Ruppel (7.) gleich ein DSB-Quartett unter den Top Acht.

Silber gab es für die Junioren-Teams 3x20 (Friedmann, Ott, Hülsmann) und Luftgewehr (Friedmann, Hülsmann Nils Palberg), Bronze sicherten sich Franziska Driessen, Lea Ruppel und Nele Stark im Luftgewehr-Team der Juniorinnen.

Auch im Pistolenbereich gab es neben einigen Finalteilnahmen dreimal Edelmetall: Lydia Vetter gewann Bronze mit der Sportpistole, Tobias Gsöll sicherte sich das gleiche Edelmetall mit der Schnellfeuerpistole. Zudem gewann das Schnellfeuerpistolen-Team in der Besetzung Gsöll, Felix Hollfoth und Evan Dörr noch Bronze.

13.06.2022 - 15:08

Kroppen der Star der „EM dahoam“
Gold mit Katharina Bauer und Charline Schwarz im Teamwettbewerb! Silber im Mixed mit Florian Unruh! Silber im Einzel! Keine Frage: Michelle Kroppen (SV GutsMuths Jena/BSG Ebersberg) war der Star der EM. Noch nie war es einer Sportlerin in der nunmehr 27-jährigen EM-Historie gelungen, drei Medaillen bei einer Europameisterschaft zu gewinnen. Die 26-jährige Bundespolizistin schoss wie von einem anderen Stern, zeigte Konstanz auf höchstem Niveau. Und das die gesamte Woche über. In der Qualifikation stellte sie ihre Bestleistung ein (675 Ringe), im Mixed stellte sie mit Unruh einen neuen Europarekord auf (1362 Ringe). Und nachdem die erste Enttäuschung nach dem verlorenen Einzelfinale verflogen und die Tränen getrocknet waren, wurde Kroppen bewusst, was sie geschafft hatte: „Ich habe hier nichts verloren, sondern Erfahrung gesammelt für die nächsten Wettkämpfe. Es bringt mich einfach nur weiter!“ Denn es geht natürlich weiter. Die Bogen-Elite ist in Bälde wieder gefordert, dann beim Weltcup in Paris: „Jetzt steht eine Acht-Stunden-Rückfahrt mit Mama an, dann Grillen wir zu Hause mit der Familie, ab Mittwoch wird wieder trainiert“, erzählte Kroppen kurz von den nächsten Tagen. Paris ist natürlich ein gutes Stichwort: 2024 finden dort bekanntermaßen die nächsten Olympischen Spiele statt, und sind bei der Olympia-Dritten im Team 2021 bereits im Hinterkopf: „Wer weiß, vielleicht steht man in Paris in drei Goldmedaillenmatches, dann kann ich von dieser Erfahrung profitieren.“

Emotionen, Power und Spaß!

Drei Medaillen, drei Worte. Michelle Kroppen fasst die EM zusammen.

Das deutsche Team ist ein Team
Doch natürlich bestand das deutsche Team nicht nur aus Kroppen. Florian Unruh gewann zwei Silbermedaillen, Katharina Bauer Gold und Bronze, Charline Schwarz Gold. Und auch Jonathan Vetter und Moritz Wieser hatten als EM-Siebte bzw. -Achte keineswegs enttäuscht. Damit war das DSB-Team das erfolgreichste Recurve-Team bei der EM, insgesamt sammelten nur die Türken - auch dank ihrer Compounder - mehr Medaillen ein (acht). Bundestrainer Oliver Haidn und Nachwuchs-Bundestrainer Marc Dellenbach haben ein Team geformt, dass harmoniert und Spaß hat: „Wir sind zu einem tollen Team zusammengewachsen. Es gab einige Abgänge und einige Neuzugänge, wir haben eine mannschaftliche Geschlossenheit, die Schützen vertrauen und respektieren einander. Jeder steht für jeden ein", so der Bundestrainer. Haidn lobte den den DSB, den BSSB, die Partner wie Toyota, Erima oder Bundespolizei, Bundeswehr oder Sporthilfe für die großartige Unterstützung und dankte in aller erster Linie seinen Athleten: „Wir haben hart trainiert, und das zahlt sich aus. Wir sind eine der Top-Nationen in Europa und in der Welt, wir haben die EM zu unserem Vorteil genutzt.“

Zuschauer pushen deutsche Athleten
Man sagt den deutschen Zuschauern ja Zurückhaltung nach, bisweilen ist von einem Operettenpublikum die Rede. Das traf auf München ganz und gar nicht zu. Die Finalisten wurden bejubelt, die deutschen Stars teilweise frenetisch angefeuert. Dabei tat sich die BSG Raubling, der Heimatverein Bauers, hervor, der mit einer Hundertschaft samt Bürgermeister vor Ort war und das Publikum, inklusive der Fußballbrüder Mats und Jonas Hummels, dirigierte. Selbst ein nicht für emotionale Ausbrüche bekannter Florian Unruh zeigte sich angetan: „Die Atmosphäre war wirklich super, vor allem, dass die Tribünen so voll waren!“ Haidn, der Olympische Spiele, Welt- und Europameisterschaften und Weltcups erlebt hat, war begeistert: „Es war sagenhaft! Man wünscht sich so etwas, man kennt ja viele internationale Wettbewerbe. Es ist mit das Beste, was wir jemals erlebt haben.“

Ich hoffe, wir haben viele und vor allem junge Menschen vom Bogensport begeistern können!

Bundestrainer Oliver Haidn

Es bleibt zu hoffen, dass München nicht der Schlusspunkt, sondern der Startschuss für eine noch positivere deutsche Bogen-Zukunft war. Die Bedingungen sind glänzend: Die deutschen Bogenschützen sind Weltklasse, die nächsten internationalen Top-Veranstaltungen mit Quotenplatzvergabe für die Olympischen Spiele 2024 in Paris finden in Berlin (WM 2023) und Essen (EM 2024) statt. Auch Kroppen blickte bereits mit einem Glänzen in den Augen voraus: „Ich freue mich jetzt schon extrem auf Berlin nächstes Jahr, weil das nur mindestens genauso gut werden kann.“

12.06.2022 - 17:56

Team Frauen: Nach dem Stechen wird gejubelt
Die Tribünen waren mit 1.300 Zuschauern sehr gut gefüllt an diesem „Super-Sonntag“ aus deutscher Sicht: Barbara Georgi, Ex-Bundestrainerin Pistole, war eigens um 6.00 Uhr morgens in den Zug gestiegen, um sich das Spektakel anzusehen, die Brüder Mats und Jonas Hummels waren ebenfalls da. Und es sollte sich lohnen: Denn gleich zu Beginn lieferte sich Katharina Bauer, Michelle Kroppen und Charline Schwarz ein packendes Duell mit den Türkinnen. Zunächst deutete alles auf einen einfachen Sieg hin, die ersten beiden Passen wurden 54-47 und 56-46 ganz souverän gewonnen, Trainer Marc Dellenbach forderte das Publikum mit Gesten immer wieder auf, die Athletinnen anzufeuern. Doch dann kippte die Partie: Die deutschen Pfeile flogen immer öfter in die Acht, die Türkinnen stabilisierten sich und glichen aus (50-53, 52-53). Somit musste das Stechen über den EM-Titel entscheiden: Bauer legte eine Acht vor, die Türkinnen brachten nur eine Sieben auf die Scheibe. Schwarz ließ eine Neun folgen, die Türkin erzielte abermals einen Ring weniger. Und als Kroppen ihren Pfeil in die Neun setzte, war die Entscheidung gefallen (26-23). Jubel, Umarmungen und Laola mit dem Publikum war die Folge. „Es war der Wahnsinn, ihr seid der absolute Hammer!“, dankte Bauer den Zuschauern und sprach von einer „Achterbahnfahrt der Gefühle.“ Schwarz, die ihre Fingernägel eigens golden gefärbt hatte, sagte: „Shootoff ist immer etwas Besonderes, weil es nur drei Pfeile sind, die entscheiden. Wir haben uns immer abgesprochen, das hat geholfen und gereicht!“ Und Kroppen war erleichtert, ihre erste Gold-Chance verwertet zu haben: „Ich freue mich total, wir hatten super viel Spaß, das Publikum war lauter als in Korea. Wir haben im Stechen nochmals alles probiert, und es hat gereicht!“ Es war die sechste EM-Medaille in Folge für ein deutsches Frauen-Team und das zweite Gold nach 1998 in der EM-Geschichte. „Das Teamschießen ist eine Stärke. Wir standen in diesem Jahr in beiden Weltcup-Finals und sind Weltranglistenzweite. Wir harmonieren, wir können uns alle aufeinander verlassen, wir machen alle einen guten Schuss“, erklärte Schwarz die deutsche Teamstärke. Bronze sicherte sich Slowenien durch ein 6:2 (48-44, 52-49, 53-55, 49-48) gegen Dänemark.

Wir harmonieren, wir können uns alle aufeinander verlassen, wir machen alle einen guten Schuss!

Charline Schwarz zur deutschen Teamstärke

Team Männer: Italien nervenstark zum Titel
Die einzige Finalentscheidung ohne Beteiligung der deutschen Athleten war ebenfalls hochklassig. Den Titel sicherte sich Spanien durch ein 5:1 (56-49, 54-52, 58-58) gegen Italien. Dabei lieferten die Italiener, die letztmals 2008 einen EM-Titel gewonnen hatten, in der letzten Passe ab. Drei Zehner mussten her, und Mauro Nespoli, Federico Musolesi und Alessandro Paoli lieferten. Bronze ging an die Schweiz nach einem 5:3 (56-56, 52-55, 56-53, 57-55) gegen Großbritannien.

Mixed: DSB-Duo knapp geschlagen
Deutschland gegen Niederlande hieß das ewig junge Duell um Gold im Mixed-Wettbewerb: Kroppen & Unruh trafen auf Gaby Schloesser & Rick van der Ven. Während das deutsche Duo schwer in die Partie fand, saßen die Oranje-Pfeile oftmals im Zentrum. So hieß es 0:4 (33-37, 38-39), und das deutsche Team war gefordert. Der Anschluss gelang mit vier Neunern (36-34) und auch in der vierten Passe glänzte das DSB-Duo. Doch der Konter der Niederländer kam punktgenau, die Punkte wurden geteilt (38-38), sodass die Niederländer das Match 5:3 gewannen. Die Enttäuschung auf deutscher Seite hielt sich jedoch in Grenzen: „Es sind immer nur vier Pfeile im Mixed. Wir haben gut reingefunden und sehr gut ausgeschossen, deshalb können wir zufrieden sein“, so Kroppen.
Die Bronzemedaille ging an das Duo Tatiana Andreoli & Mauro Nespoli (ITA) nach einem 6:2 (33-37, 39-38, 36-34, 37-34) gegen Anastasia Pavlova & Olekssi Hunbin (UKR).

Alle sind sie da: Meine Mutter, mein Opa, mein ganzer Verein, der Bürgermeister – das gibt mir Kraft und spornt mich an!

Katharina Bauer war ergriffen von der Unterstützung

Einzel Frauen: Bauer holt Bronze, Kroppen Silber
Fünf Medaillen waren für das deutsche Team an diesem Finaltag möglich, und Katharina Bauer setzte es in die Tat um: Die 26-jährige Raublingern, die wie keine andere für die „EM dahoam“ stand, siegte souverän 6:0 (25-22, 28-23, 27-26) gegen die Österreicherin Elisabeth Straka und warf sich anschließend Bundestrainer Oliver Haidn überglücklich in die Arme: „Bronze ist immer alles oder nichts, aber ich habe mir keinen größeren Druck gemacht. Es ging darum, meinen Schuss zu machen und das hat gut funktioniert. Deswegen bin ich sehr glücklich. Alle sind sie da: Meine Mutter, mein Opa, mein ganzer Verein, der Bürgermeister – das gibt mir Kraft und spornt mich an.“

Im Goldfinale hieß es abermals Deutschland gegen die Türkei, konkret Kroppen gegen Gulnaz Coskun. Und dieses Mal konnte sich die Türkin revanchieren. Der Start verlief völlig ausgeglichen, gleich zweimal teilten sich die beiden Finalistinnen die Punkte (28-28, 27-27), danach verlor Kroppen ihren Rhythmus und das Match. Mit 24-26 und 27-29 gingen die beiden Passen an die stark schießende Türkin. „Ich ärgere mich, dass ich in der dritten Passe meinen Fokus verloren habe und sehr zögerlich war. Das hatte ich in der gesamten Woche nicht.“ Dennoch avancierte Kroppen zur „EM-Königin“ mit Gold, und zweimal Silber – das hatte in der EM-Geschichte noch keine Schützin geschafft: „Natürlich ist es immer schade, das letzte Match zu verlieren, aber ich hatte einen extrem schweren Saisonstart und mit dem, was ich abgeliefert habe, bin ich natürlich überglücklich.“ Und zum Publikum fand Kroppen nur lobende Worte: „Ich bin dankbar für jeden, der hier war. Meine Mutter ist acht Stunden hierher gefahren, Raubling hat mich unterstützt, von der Bundespolizei war jemand da. Es hier lauter als in Korea, und die haben eine gigantische Fanbase.“ 

Wer weiß, vielleicht steht man in Paris in drei Goldmedaillenmatches, dann kann ich von dieser Erfahrung profitieren!

Michelle Kroppen sieht die EM auch als Lernprozess

Einzel Männer: Unruh unterliegt Alvarino Garcia
Den Abschluss der EM bildete das Männer-Finale zwischen dem Olympia-Fünften Unruh und dem aktuell besten Schützen der Welt, dem Spanier Miguel Alvarino Garcia. Der hatte bei den Weltcups in Antalya und Gwangju Gold und Bronze gewonnen und unterstrich seine starke Form auch im Finale: 2:6 (26-27, 29-27, 27-29, 27-30) musste sich der Fockbeker vor den Augen seiner angereisten Frau Lisa („Ich habe erst davon erfahren, als sie vor mir stand!“) geschlagen geben – der Gegner war dieses Mal einfach besser: „Ich habe offensichtlich den Wind manchmal nicht so gut gesehen, es war nicht ganz perfekt von meiner Seite. Und ich muss anerkennen, dass der Spanier das gut gemacht hat. Ich habe Silber gewonnen und nicht Gold verloren. Ich verliere lieber jetzt als in einem Match zuvor.“
Bronze sicherte sich Olympiasieger Mete Gazoz (TUR) nach einem 6:4 (29-23, 26-27, 28-28, 27-26, 27-27) gegen den Spanier Daniel Castro.

Wir müssen auch die Kirche einmal im Dorf lassen!

Bundestrainer Oliver Haidn zu der Ausbeute von einer Goldmedaillen in vier Goldfinals

Bundestrainer Oliver Haidn zog ein überaus positives Fazit: „Wir sind sehr, sehr zufrieden. Das Soll waren zwei Medaillenmatches, jetzt haben wir fünf Medaillen gewonnen. Das hat Spaß gemacht. Natürlich will man Gold gewinnen, wenn man im Goldfinale steht. Aber wir müssen auch die Kirche einmal im Dorf lassen! Wir sind eine der Top-Nationen in Europa und in der Welt!“

Medaillenspiegel in München
TUR: 2x Gold, 2x Silber, 4x Bronze
NED: 2x Gold, 1x Silber
GBR: 2x Gold
GER: 1x Gold, 3x Silber, 1x Bronze
ITA: 1x Gold, 1x Silber, 1x Bronze
ESP: 1x Gold, 1x Silber
DEN: 1x Gold
EST: 1x Silber, 1x Bronze
FRA: 1x Silber
AUT: 1x Bronze
SLO: 1x Bronze
SUI: 1x Bronze

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