Aufgrund der aktuellen Eindämmungsverordnung ist der Trainingsbetrieb bis mindestens Ende November stark eingeschränkt.
07.08.2020 - 11:29

TV: Geplant ist eine Zusammenfassung des Deutschland Cups in der ZDF Sport extra-Sendung von 16.49 bis 17.05 Uhr. Bogensport-Experte Alexander von der Groeben wird als Reporter fungieren, Heiko Klasen als Interviewer. Da es aber auch zu Verschiebungen innerhalb der Sendung kommen kann, sollten Bogensport-Fans und -Interessierte ab dem Beginn der Sendung um 16.30 Uhr einschalten. Die gesamte Sendung läuft bis 18.55 Uhr und hat neben dem Deutschland Cup noch die DM im Kanurennsport und der Leichtathletik zum Thema.

Teilnehmer: Das Teilnehmerfeld ist überschaubar, aber extrem stark: Acht Bundeskaderschützen werden in Wiesbaden um die drei Titel im Mixed, Einzel Frauen und Einzel Männer schießen. Angeführt werden die Wettkämpfe, die am Sonntag von 11.00 bis 15.00 Uhr angesetzt sind, von den Qualifikations-Ersten Lisa Unruh und Florian Kahllund, die auch im Mixed zusammen antreten.
Die Athleten reisen bereits am Samstag an und trainieren am späten Nachmittag ein erstes Mal. Am Sonntag haben sie vor dem eigentlichen Wettkampf nochmals eine kurze Trainingsmöglichkeit, um sich mit den Gegebenheiten vertraut zu machen.

Modus: Es werden zunächst die Halbfinals nacheinander und dann die Finals (Bronze und Gold), jeweils in der Reihenfolge Mixed, Frauen und Männer geschossen. Dabei treffen die Erstplatzierten der Qualifikation auf die Viertplatzierten sowie die Zweiten auf die Dritten. So kommt es in den Halbfinals z.B. zu den „Krachern“ Olympia-Zweite Unruh vs. WM-Vierte Kroppen oder Kahllund vs. Rieger. Die kompletten Ansetzungen befinden sich im Anhang.

Das Ranking nach der Qualifikation lautete:

Frauen: 1. Lisa Unruh (Ø 655,3 Ringe), 2. Elisa Tartler (Ø 651,8 Ringe), 3. Katharina Bauer (Ø 646,8 Ringe), 4. Michelle Kroppen (Ø 644,3 Ringe)

Männer: 1. Florian Kahllund (Ø 671,3 Ringe), 2. Maximilian Weckmüller (Ø 668,3 Ringe), 3. Felix Wieser (Ø 666,5 Ringe), 4. Cedric Rieger (Ø 656,4 Ringe)

Mixed: 1. Kahllund/Unruh, 2. Weckmüller/Tartler, 3. Wieser/Bauer, 4. Rieger/Kroppen

Teilnehmer II: Leider ist aufgrund der Corona-Pandemie nur eine begrenzte Zahl an Personen auf dem Gelände zugelassen. Darunter sind neben den Sportlern, das ZDF-Team, einige wenige Journalisten, DSB-Mitarbeiter und einige Ehrengäste. So haben sich beispielsweise Tom Dielen (Generalsekretär Bogensport-Weltverband World Archery WA), Gert-Uwe Mende (Oberbürgermeister Wiesbaden), Uschi Schmitz (Vize-Präsidentin Leistungssport DOSB), Klaus Schormann (Präsident des Weltverbandes Moderner Fünfkampf UIPM) und Hans-Heinrich von Schönfels (DSB-Präsident) angesagt. Alle anderen können sich mittels ZDF-Übertragung und der Live-Statistik unter www.ianseo.net  informieren, können dies aber – im Gegensatz zu den Anwesenden beim Deutschland Cup (Ausnahme sind die Sportler) – ohne Mund- und Nasenschutz tun.

07.08.2020 - 08:48

Fokus: Sich aufs Wesentliche zu fokussieren und alles um sich herum zu vergessen ist einer der Grundbausteine des Flows. Der Fokus ist voll und ganz auf den Sportler und dessen Handlung gerichtet. Um Ablenkung zu reduzieren, kann es z.B. dabei helfen, geräuschreduzierende Kopfhörer aufzuziehen und das Smartphone abzustellen. Zudem kann man das Blickfeld einschränken, indem man sich einen ca. 30-Zentimter-Kreis um sich herum zieht und den Blick nicht aus diesem Feld (außer auf die Scheibe) richtet.

Achtsamkeit: Erwartungen und Druck bestimmen oftmals das Leben der Leistungssportler. Besonders im Training sollten wir versuchen den Druck außer Acht zu lassen, uns vielmehr auf Körpergefühl, Rhythmus und sich selbst zu konzentrieren. Die Kunst: Im Hier und Jetzt zu sein, statt Gedanken an schlechte, bereits vergangene Resultate zu verschwenden, Hätte-Wäre-Wenn-Theorien aufzustellen oder von Erfolgen zu träumen. Achtsamkeit schult uns darin, die Signale unseres Körpers – und damit uns selbst - besser wahrzunehmen. Ideal, um Körper und Geist in Harmonie zu bringen und damit in den Flow zu gelangen. Üben kann man diese Achtsamkeit z.B. durch Meditationen oder progressive Muskelrelaxation (PMR), bei der es darum geht, zwischen wechselnder Anspannung und Entspannung das Körpergefühl zu stärken.

4%-Herausforderung: Die optimale Herausforderung, um in einen Flowzustand zu kommen, liegt vier Prozent höher, als deine Fähigkeiten. Man könnte also z.B. Schützen zu einem Duell herausfordern, die vier Prozent höher im Schnitt schießen, oder vier Prozent höher in einer Rangliste gelistet sind. Auch die Reduzierung der Zeit, die man durchschnittlich für einen Wettkampf braucht, um vier Prozent wäre eine weitere Möglichkeit.

Musik: Studien zeigen, dass z.B. Musik während des Trainings die intrinsische Motivation von Sportlern steigern kann und damit auch das Flow-Erleben. Ist die ausgewählte Musik synchron zur Handlung, können dadurch ergonomische Effekte beobachtet werden. Athleten, deren Rhythmus auf die Musik abgestimmt ist, trainieren längere Zeit härter. Während schnelle, peppige Musik eher eine stimulierende Wirkung hat, zeigt langsame, sanfte Musik einen beruhigenden Effekt. Dass Musik einen positiven Einfluss nehmen kann, zeigt auch die Geschichte des britischen Doppel-Trapschützen Richard Faulds bei den Olympischen Spielen in Sydney 2000. Jedes Mal, wenn er zum Schießstand fuhr – egal, ob fürs Training oder zum Wettkampf – hörte er das Lied „One Moment in Time“ von Whitney Housten und visualisierte gleichzeitig wie er ruhig, aber entschlossen seinen Moment nutzte.  Seine Strategie wurde mit Gold belohnt.

Ziele: Vor jedem Training und Wettkampf sollte sich noch einmal im Vorhinein Zeit genommen werden, sich seine Ziele vor Augen zu führen. Was will ich heute erreichen? Warum ist das Training wertvoll für mein großes Ziel? Welchen nächsten Schritt will ich gehen? Zu wissen, worauf es ankommt ist ein wesentlicher Faktor, um in einen Flow zu kommen.

Literatur:

Schütz, Kathrin & Rötters, Annika. (2019). Motiviert durch Musik: Flow und intrinsische Motivation beim Reiten. Zeitschrift für Sportpsychologie.26. S. 121-129.

Terry, Peter. (2020). Psychophysical effects of music in sport and exercise: an update on theory, research and application. Zuletzt aufgerufen am 4.08.2020 unter www.researchgate.net/publication/228668613_Psychophysical_effects_of_music_in_sport_and_exercise_an_update_on_theory_research_and_application

Productivity Game (20.02.2019). The 4 Fc of Flow. Mihaly Csikszentmihalyi. Zuletzt aufgerufen am 4.8.2020 unter www.youtube.com/watch

06.08.2020 - 13:28

Nicht Olympische Spiele 2020 in Tokio, sondern Deutschland Cup 2020 in Wiesbaden. Wie fühlt sich das an?
Tartler: „Der Deutschland Cup ersetzt die Spiele natürlich nicht, trotzdem ist es schön, mal wieder einen Wettkampf bestreiten zu können, auch wenn auf nationaler Ebene und noch in kleinerem Rahmen.“
Weckmüller: „Natürlich ist der Deutschland Cup kein Ersatz für das größte Sportevent der Welt, aber in der jetzigen Situation ist es auf jeden Fall toll, einen hochwertigen Wettkampf bestreiten zu können.“

Eigentlich hätte am 9. August die Abschlussfeier in Tokio stattgefunden. Welchen Stellenwert hat der Deutschland Cup für euch?
Tartler: „Nach der ganzen wettkampfreien Zeit ist der Deutschland Cup ein kleiner Hoffnungsträger für die Zukunft, dass wieder mehr Wettkämpfe stattfinden können. So hoffentlich auch die Olympischen Spiele 2021 in Tokio.“
Weckmüller: „Nachdem die internationale Saison abgesagt wurde, ist der Deutschland Cup das Highlight unserer Saison. Es ist wichtig, sich auch jetzt auf einen Wettkampf vorbereiten zu können und ein Ziel zu haben. Als Startschuss für die Saison 2021 würde ich den Deutschland Cup nicht sehen, da die Saison 2020 noch läuft und die Planung für nächstes Jahr erst im Oktober beginnt.“

Wie habt ihr die bis jetzt andauernde Phase der Corona-Pandemie und der Einschränkungen sportlich bewältigt?
Tartler: „Als nach und nach immer mehr Wettkämpfe abgesagt wurden und zuletzt auch die Olympischen Spiele, war das schon erst ein harter Schlag. In Berlin konnten wir die ganze Zeit zum Glück ohne zu große Einschränkungen weiter trainieren. Es war nicht einfach, sich motiviert zu halten, wenn alle Wettkämpfe, auf die man sonst hinarbeitet, abgesagt worden sind. Mit dem Gedanken, dass sich für das nächste Jahr das Training auszahlen wird, wurde es für mich dann ein bisschen einfacher, da ich jetzt genug Zeit hatte, mich nur auf meine Technik-Stabilisierung zu konzentrieren.“
Weckmüller: „Eigentlich verhältnismäßig gut, es blieb viel Zeit, weiter zu trainieren und an sich zu arbeiten. Allerdings ist es schwierig, ohne klares Ziel und in der Ungewissheit, wie es weitergeht, fokussiert und motiviert zu bleiben.“

Bei der Qualifikation in Kienbaum habt ihr euch beide prächtig geschlagen und als jeweils Zweite souverän für Wiesbaden qualifiziert. Ein Wort zur Qualifikation!
Tartler: „Dankeschön! Es war erst ein bisschen ungewohnt, wieder im Wettkampfmodus zu sein. Nach dem ersten Tag konnte ich dann doch wieder etwas zu mir finden und die Qualifikation gut zu Ende bringen. Mich hat es sehr gefreut, auch wieder alle aus dem Team zu sehen, da wir uns während der Einschränkungen nur über Video Konferenzen sehen konnten.“
Weckmüller: „Die Qualifikation war nach vier Monaten das erste Mal, dass das ganze Team wieder zusammen war, was wir in der Zeit vorher sehr vermisst haben. Meine Leistung war teilweise sehr gut, allerdings fehlte mir nach der langen Wettkampfpause die Konstanz über mehrere Tage. Alles in allem bin ich aber zufrieden gewesen.“

Max, du hast gleich zu Beginn für einen Paukenschlag gesorgt und mit 691 Ringen einen neuen Deutschen Rekord geschossen. Wie kam es zu diesem Sensations-Ergebnis, dem viertbesten eines Europäers überhaupt?
Weckmüller: „Das war natürlich eine sehr schöne Überraschung und ein perfekter Einstieg in die restliche Saison. Es kam doch ein bisschen unerwartet, da mir auch die Wettkampfpraxis gefehlt hat und die Ergebnisse im Vorfeld nicht im Bereich einer 690+ waren. Für mich war es einfach der perfekte Lauf an dem perfekten Tag bei den perfekten Bedingungen. Als vierter Europäer so ein Ergebnis zu liefern, ist natürlich eine riesige Ehre.“

Der Deutschland Cup ist für euch der erste offizielle Wettkampf in diesem Jahr überhaupt. Was für Emotionen werden dabei sein?
Tartler: „Ein bisschen Nervosität gehört immer dazu, auch auf nationaler Ebene. Ich bin gespannt wie es sein wird und freue mich darauf im Mixed-Team an den Start gehen zu dürfen. Ich bin voller Hoffnung, dass nach dem ersten Wettkampf jetzt in Wiesbaden dann auch weitere Wettkämpfe sowohl national als auch international stattfinden können.“
Weckmüller: „Finale ist immer etwas Besonderes, gerade mit TV-Übertragung und bei einer so schönen Kulisse. Ich denke, meine Nervosität wird sich in Grenzen halten, schließlich ist es nicht mein erster Finalauftritt und es geht nicht um z.B. Quotenplätze. Meine Vorfreude allerdings ist riesig, wie bereits erwähnt, der Deutschland Cup ist in der noch aktuellen Saison natürlich das Highlight.“

In Wiesbaden schießt ihr auf dem Bowling Green, so wie 2018 bei der DM. Was macht das Ambiente aus?
Tartler: „Das Ambiente in Wiesbaden ist wirklich sehr schön, jedoch als ich damals 2018 im Finale stand, hatte ich nicht so sehr auf die Umgebung geachtet, da ich mich auf mein Finale konzentriert habe. Als Zuschauer und im Nachhinein ist es jedoch sehr schön anzusehen.“
Weckmüller: „Ich kenne das Ambiente schon von der DM vor zwei Jahren, der Finalplatz gehört auf jeden Fall zu den Top 5, wo ich bisher geschossen habe. Es ist natürlich toll, allerdings bekomme ich im eigentlichen Wettkampf eher weniger davon mit, bzw. ich konzentriere mich sehr auf mich und meine Scheibe, deshalb nehme ich das Außenherum nur begrenzt wahr.“

Das ZDF überträgt den Wettbewerb in einem längeren Beitrag. Wie wichtig ist die TV-Präsenz für euch persönlich und für den Bogensport generell?
Tartler: „Ich freue mich sehr, dass das ZDF einen Teil unseres Wettkampfes überträgt. Nicht nur für mich selbst, sondern auch für die gesamte Bogensportgemeinschaft in Deutschland, die seit längerem mal wieder bei einem Wettkampf mitjubeln kann, wenn auch nur von zuhause.“
Weckmüller: „Für uns als Sportart ist jede TV-Präsenz sehr schön und auch nach den ganzen Jahren freut man sich immer noch, wenn ein Beitrag zu unserem Wettkampf, in dem man teilnimmt im Fernsehen kommt. Gerade die nationale Übertragung ist für unsere Fans und auch Sponsoren natürlich sehr wichtig.“

Das Teilnehmerfeld ist elitär, die besten deutschen Bogenschützen sind am Start. Es gibt kein Taktieren, sondern mit Halbfinale und Finale zwei Entscheidungsmatches. Euer Ziel?
Tartler: „Mein Ziel ist es, meine Technik so gut es geht auch im Wettkampf umzusetzen. Alle Teilnehmer sind sehr gute Schützen, und deshalb gebe ich alles, was ich kann und werde am Ende sehen, wofür es reicht. Gewinnen ist natürlich trotzdem das Ziel. Im Mixed Team kann man sich gegenseitig im Team hochpushen, indem man dem anderen und in dessen Können vertraut.“
Weckmüller: „Im Finalschießen gibt es eigentlich generell kein Taktieren mehr, da gerade auf internationaler Ebene das Niveau so hoch ist, dass man schon direkt im 1/48-Finale eine sehr gute Leistung abliefern muss. Hier hängt alles nur an zwei Matches, und die Konkurrenz ist natürlich sehr gut, trotzdem ist das Ziel zu gewinnen.“

Im Mixed geht ihr gemeinsam an den Start. Was macht den Reiz des Mixed aus und was rechnet ihr euch aus?
Tartler: „Ich freue mich sehr, dass ich mit Max in einem Mixed-Team schießen werde. Obwohl wir in Wiesbaden das erste Mal zusammen im Mixed-Team starten werden, glaube ich dennoch, dass wir ein gutes Team sind, da wir in den letzten Monaten auch viel zusammen in Berlin trainieren konnten. Dadurch können wir auf das Schießen und die Leistung des anderen vertrauen und somit zusammen unser Bestes geben. In zwei Matches kann allerdings viel passieren.“
Weckmüller: „Auf den Mixed-Wettbewerb freue ich mich sehr, vor allem mit Elisa an den Start zu gehen. Mixed ist besonders, weil die Einzelleistung wichtiger als beim Team ist, aber man trotzdem nicht alleine da steht, sondern sich aufeinander verlassen kann. Ich denke unsere Chancen sind gut, aber es sind nur zwei Matches, da kann alles passieren.“

Es werden Temperaturen bis zu 36°C erwartet, also "Tokio-Wetter"! Ein Problem?
Tartler: „Nein, mit der richtigen Vorbereitung ist jedes Wetter zu meistern. Genug trinken und einen Hut oder Kappe aufsetzen und los geht´s!“
Weckmüller: „Wir sind es gewohnt, bei fast jedem Wetter Wettkämpfe zu schießen, von daher wird das mit der richtigen Vorbereitung auf jeden Fall kein Problem werden. Ich denke, an das Wetter in Tokio kommt nur so etwas wie die Bedingungen bei der Universiade in Taipeh 2017 heran, das ist nochmal ein ganz anderes Level als Sommer in Deutschland.“

06.08.2020 - 09:35

Am 26. Juni 2020 stellten die Spitzen der Partei BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in Berlin den Entwurf für ein neues Grundsatzprogramm vor. Es steht unter dem Titel „… zu achten und zu schützen …“ und soll nach weiteren Beratungen das alte Grundsatzprogramm aus dem Jahr 2002 ersetzen. Zu den wenigen konkreten Aussagen in dem umfangreichen Entwurf gehört im Kapitel „Rechtsstaat und Sicherheit“ die Forderung nach einem „Ende des privaten Besitzes von tödlichen Schusswaffen mit Ausnahme von Jäger*innen und Förster*innen“ (Seite 39, Punkt 248, Textauszug s. unten). Sie wird mit der Feststellung begründet, es gehöre zu den wichtigsten Aufgaben des Rechtsstaats, die öffentliche Sicherheit und den Schutz vor Gewalt zu gewährleisten, jede*r habe das Recht auf ein Leben frei von Gewalt und das Gewaltmonopol liege beim Staat. Dies ernst zu nehmen, bedeute ein Ende des privaten Waffenbesitzes.

Die Verbotsforderung zielt eindeutig auf die Sportwaffen der Schützinnen und Schützen. An dieser Stelle konstruiert BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN einen Bezug, den es in der Realität nicht gibt. Denn weder unterlaufen Sportschützinnen und -schützen mit ihren privaten Sportwaffen die Aufgaben des Rechtsstaats im Bereich öffentliche Sicherheit und Gewaltprävention, noch rütteln sie am Gewaltmonopol des Staates. Der im Entwurf des Grundsatzprogramms behauptete Bezug ist unsinnig. Das Gewaltmonopol ist laut Definition die im äußersten Fall mit physischer Gewalt erfolgende Durchsetzung der staatlichen Hoheitsmacht, die ausschließlich staatlichen Organen vorbehaltene Legitimation, physische Gewalt auszuüben. Demgegenüber ist der private Besitz von Sportwaffen und ihre Anwendung im Verein und bei Wettkämpfen von seinem Wesen her absolut gewaltfrei und stellt das staatliche Gewaltmonopol in keiner Weise in Frage.

Sportschießen ist ein friedliches Hobby, das von vielen Millionen Menschen auf der ganzen Welt mit Schusswaffen betrieben wird. Seit Jahrhunderten verbindet der Schießsport Völker und Generationen. Kaum etwas ist in Deutschland so umfassend und streng geregelt, eingeschränkt und kontrolliert wie der private Waffenbesitz. Das deutsche Waffenrecht gilt nicht ohne Grund als eines der schärfsten der Welt, das beispielsweise mit den sogenannten Amerikanischen Verhältnissen überhaupt nicht vergleichbar ist. Die Sportschützinnen und -schützen sind die einzigen Sportler in Deutschland, die sich ihre Sportordnung von einer staatlichen Behörde genehmigen lassen müssen. Keine geringeren Einrichtungen als die Deutsche UNESCO-Kommission und die Kultusministerkonferenz haben den Schützenvereinen einen „verantwortungsbewussten Umgang“ mit ihren Schusswaffen bestätigt. Auch aus diesem Grund ist das jahrhundertealte Schützenwesen ins Bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden.

Der Grundsatzprogrammentwurf von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN assoziiert den privaten Sportwaffenbesitz mit den Begriffen Staatsgefährdung, Gewalt und Tod. Damit stellen BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – bewusst oder fahrlässig – einen großen Teil unserer Gesellschaft in eine die Freiheit und das Leben des Einzelnen und den Staat gefährdende, kriminelle Ecke. Gegen diese pauschale Diffamierung unserer Mitglieder, die in den vielen tausend Schützenvereinen nicht nur Sport treiben sondern in ihren Gemeinden und Regionen wichtige zivilgesellschaftliche Aufgaben wahrnehmen, verwahren wir uns ausdrücklich.

Es besorgt uns aber auch, wie leichtfertig hier ein Konflikt (Sportschützen – Gewaltmonopol des Staates), konstruiert wird, den es in Wirklichkeit nicht gibt, der aber geeignet ist, zu polarisieren und Feindbilder innerhalb unserer Gesellschaft zu schaffen. Die wahren Ursachen von Unsicherheit und Gewalt zwischen den Menschen liegen nicht im privaten Sportwaffenbesitz. Sie liegen woanders und sehr viel tiefer – angefangen beim illegalen Waffenbesitz, dem im Grundsatzprogramm lediglich ein Satz gewidmet wird, aber u.a. auch in wichtigen Bereichen wie Wertevermittlung und Demokratieverständnis innerhalb unserer Gesellschaft. Wir erwarten und fordern, dass die politischen Parteien sich auch in ihren Grundsatzprogrammen ernsthaft, verantwortungsbewusst und frei von ideologischen Vorgaben darum kümmern.

In Anlehnung an Artikel 1 Grundgesetz nennen BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN ihren Grundsatzprogrammentwurf „… zu achten und zu schützen …“. Die Sportschützinnen und –schützen fühlen sich dieser Grundlage unserer staatlichen Gemeinschaft seit jeher uneingeschränkt verpflichtet. Sie sehen aber auch das Freiheitsrecht des Artikels 2 Grundgesetz, das gerade in einer Demokratie – unter Beachtung der gesetzten Grenzen! – eine besondere Bedeutung hat und das auch für die Sportschützinnen und –schützen gilt:

„Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.“

06.08.2020 - 08:42

Man kann die Ausrichtung der Konzentration in vier Dimensionen unterteilen:

  • weit
  • eng
  • außen
  • innen

Um sich dies besser zu visualisieren, kann man sich seine Konzentration als Scheinwerfer vorstellen. Fokussiert man mit dem Scheinwerfer einen nahen Punkt, wird der Lichtkegel ganz eng und man beleuchtet nur einen kleinen Teil, richtet man den Scheinwerfer in die Ferne, wird die Umgebung ebenfalls erhellt und der Radius weitet sich.

Eine enge Scheinwerferstellung im Sport könnte sein, wenn man sich lediglich auf den Abzugsvorgang oder sein Gleichgewicht konzentriert. Eine weite Scheinwerfervorstellung kann z.B. sein, wenn man sich auf die Scheibe oder die Windfahnen konzentriert.

Ist der Scheinwerfer nach außen gestellt, nimmt man die Umgebung war. Das können Jury-Kommandos sein, Zuschauer oder Ergebnisverkündungen. Richtet sich der Scheinwerfer nach innen, stehen die eigenen Gedanken und man selbst im Vordergrund. Das kann sein, wenn man sein eigenes Herz schnell schlagen hört oder man versucht negative Gedanken in positive umzuwandeln.

Wenn man diese vier Formen nun kombiniert, landet man bei vier unterschiedlichen Arten der Fokusausrichtung:

  • innen & eng
  • außen & eng
  • innen & weit
  • außen & weit

Als kleine Vorübung können Beispiele aus dem Sport für jede der Richtungen gesammelt werden. Wichtig ist dabei auch zu überlegen in welcher Situation welche Ausrichtung sinnvoll und hilfreich ist. Nun ist es Zeit zu üben!

Weit-außen: Lassen Sie die Sportler die Umgebung wahrnehmen, welche Farben, Gerüche und Geräusche herrschen vor. Die Sportler sollen sich einen kompletten Blick der Sportstätte verschaffen, ohne sich auf Details zu fokussieren. Bei geschlossenen Augen soll anschließend noch einmal alles in Erinnerung gerufen werden.

Weit- innen: Kreisen Sie die Arme in zwei Richtungen, während Sie mit einem Fuß eine Acht vor sich zeichnen. Je besser man den Fokus auf weit-innen richten kann, desto weniger Gleichgewichtsschwankungen wird man haben.

Eng-außen: Richten Sie den Blick starr auf Ihre Zielscheibe aus und blenden Sie alles drum herum aus. Sollten dennoch Gedanken aufkommen, kann man sich vorstellen diese einen Fluss hinunterfließen zu lassen oder sie in eine Schublade zu stecken, um sie später wieder herauszuholen.

Eng-innen: Um die Konzentration eng-innen zu trainieren hilft es, sich lediglich auf seine eigene Atmung zu konzentrieren. Es geht darum sie fließen zu lassen ohne abzuschweifen. Es kann helfen, sich dabei z.B. Schusswerte vorzusagen, um zu kontrollieren, ob man noch bei der Sache ist oder mit den Gedanken bereits ganz wo anders.

Im Anschluss sollten die Erfahrungen der Sportler gemeinsam ausgetauscht und reflektiert werden.

Je öfter man die Ausrichtung trainiert, desto besser wird es funktionieren in entscheidenden Situationen die beste Fokusausrichtung zu wählen. Wer beispielsweise in einem Finale steht, muss sich schnell von der Startansage wieder auf seinen Zielvorgang konzentrieren und vielleicht ein besonderes Augenmerk auf die Entspannung der Schulter legen, ohne dabei vom Rhythmus der Mitstreiter oder der Zuschauer abgelenkt zu werden. Je besser dieser Wechsel gelingt, desto besser kommt man eben am Ende auch in seinen Flow.

Hinweis: Übung in Anlehnung an Engbert, K., Droste, A., Werts, T. und Zier, E. (2011). Mentales Training im Leistungssport. Ein Übungsbuch für den Schüler- und Jugendbereich. Stuttgart: Neuer Sportverlag.

05.08.2020 - 14:09

Am 9. August berichtet das ZDF ausführlich von der Leichtathletik-DM aus Braunschweig. Warum wollten Sie das Angebot um weitere Sportarten erhöhen?
Lauterbach: „Der Grund ist, dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen viele verschiedene Sportarten zeigt und wir die Gelegenheit nutzen wollten, Sachen an einem Wochenende - so ähnlich wie wir das im vergangenen Jahr bei Die Finals gemacht haben - zusammenfügen. Das ist jetzt im Kleinen gelungen, da auch noch die DM im Kanurennsport übertragen werden. Damit haben wir drei olympische Sportarten im Programm.“

Es ist also quasi „Die Finals light“?
Lauterbach: „Ja, wenn man so will. Es ist eine kleine Version der Finals.“

Warum fiel ihre Wahl u.a. auf den Bogensport?
Lauterbach: „Weil wir die Vielfalt der Sportarten unterstützen und weil wir gemerkt haben, dass der Bogensport und die Bogenschützen gut und sympathisch ankommen.“

Was erhoffen sie sich von der Sendung und den Bildern aus Wiesbaden?
Lauterbach: „Es ist eine schöne und für den Bogensport bekannte Location. Es ist optisch sehr ansprechend, sodass wir uns tolle Bilder von dieser ästhetischen Sportart in einem sehr ansprechenden Ambiente erhoffen.“

Können Sie ein paar Fakten nennen zu der ZDF-Übertragung?
Lauterbach: „Da wir in einer Verbundsendung mit dem Schwerpunkt Leichtathletik sind, wird die Sendung am Sonntag ab 16.30 Uhr aus Braunschweig von Norbert König geleitet. In Wiesbaden wird Alexander von der Groeben Reporter sein, Heiko Klasen ist Interviewer. Wir übertragen den Deutschland-Cup mit sieben Kameras und versuchen natürlich, das Ganze spannend und nachvollziehbar rüberzubringen.“

Das Super-Sportjahr 2020 mit Fußball-EM und Olympischen Spielen ist ausgefallen. Wie wichtig ist es für das ZDF, dass wieder sportliche Veranstaltungen stattfinden?
Lauterbach: „Nicht nur für das ZDF, sondern für die gesamte Allgemeinheit ist es schön, dass jetzt wieder einige Sachen sportlich wie auch kulturell passieren und es wieder Abwechslung gibt. Es ist das erste große Wochenende außerhalb des Fußballs, das hat lange genug gedauert. Deshalb freuen wir uns darauf, auch wenn noch nicht die Normalität zurückgekehrt ist. Aber es ist ein erster Anfang, den Sport außerhalb des Fußballs wieder näherzubringen.“

Wie sehr freuen Sie sich persönlich, wieder draußen zu sein und Live-Sport zu sehen?
Lauterbach: „Es ist ein zweischneidiges Schwert. Natürlich ist die Situation immer noch angespannt, und wir werden die strengen Hygienemaßnahmen - Stichwort Abstand und Masken - einhalten. Aber wir freuen uns darauf, dass Sport wieder stattfindet, und das geht nicht nur uns so, sondern sicherlich auch den Athletinnen und Athleten.“
 

Hinweis: Aktuell ist geplant, dass die ZDF-Übertragung mit der Kanu-DM beginnt und um 16.49 Uhr die Übertragung des Deutschland-Cups Bogen startet. Da es jedoch zu kurzfristigen Änderungen kommen kann, sollten Bogensport-Fans ab 16.30 Uhr einschalten!

05.08.2020 - 08:20

Inwieweit beeinflusst ein Flow-Erlebnis die Leistung eines Athleten?

Koch: „Wenn ein Athlet während des Trainings in ein Flow-Erleben kommt, ist er in der Lage, alles um sich herum auszuschalten. Er ruft dabei sein optimales Leistungspotenzial ab und ist somit in vielen Sportarten zu Höchstleistungen fähig.“

Bekommt der Flow in einer Sportart wie dem Sportschießen, wo die mentale Komponente, Rhythmus und Routinen eine so wesentliche Rolle spielen, eine noch stärkere Bedeutung als in anderen Sportarten?

Koch: „Gerade im hochautomatisierten Schießsport ist es wichtig, dass der Sportler in der Lage ist, einen Flow-Zustand zu erreichen. Er denkt dann nicht mehr nach, sondern fühlt praktisch den Schuss. Die Herausforderung besteht darin, die Pre-Shot-Routinen so aufzubauen, dass ein Flow-Zustand erreicht werden kann.“

Ist eine Spitzenleistung bzw. ein perfekter Wettkampf überhaupt ohne Flow möglich?

Koch: „Es gibt sicher Sportarten und Wettkämpfe, bei denen der Athlet einfach kämpfen muss oder rein mit mentalen Strategien, wie beispielsweise Gedankenstopps, gewinnen kann. Dennoch braucht er ein gutes Gefühl und die optimale Balance zwischen Anforderungen und Fähigkeiten.“  

Ein Flow lässt sich nicht erzwingen. Wie kann ein Sportler es trotzdem trainieren leichter oder schneller in diesen Zustand des Flows zu gelangen?

Koch: „Wie ein Sportler in den Flow-Zustand kommt, ist individuell verschieden. Das hängt vor allem davon ab, welchen Sinneskanal er bevorzugt und muss ausprobiert werden. Manche können sich durch Bilder und Erinnerungen an ganz bestimmte Situationen in den Flow-Zustand zurückversetzen. Manche brauchen ganz bestimmte Musik und andere wiederum körperliche Reize. Imaginationsverfahren und hypnotherapeutische Elemente können hierbei wertvolle Unterstützung bringen. Konkrete Techniken sollten dann in Form von Routinen trainiert und bezüglich der Wirksamkeit nach dem Training oder Wettkampf bewertet werden.“ 

03.08.2020 - 09:32

Was ist ein Flow und wie fühlt er sich an?

1965 stieß der ungarische Psychologe Mihály Csíkszentmihályi auf der Suche nach den Wurzeln des Glücks auf ein unerwartetes Phänomen: Einige seiner Künstler arbeiteten so leidenschaftlich an ihrem Werk, dass sie alles um sich herum vergaßen. Sie empfanden weder Hunger noch Durst und das, obwohl am Ende weder eine Belohnung, wie z.B. Geld oder Anerkennung, für ihre Leistung wartete. Er beschreibt diesen Erlebens- und Bewusstseinszustand als Flow. Alles fließt.

Bereits in alten Kulturen dreht sich vieles um die Ekstase, die auch als neue Wirklichkeit bezeichnet wurde. Ein Zustand, bei der die eigene Identität aus dem Bewusstsein verschwindet, weil der Prozess, etwas Neues zu kreieren, zu viel Aufmerksamkeit erfordert. Laut Csíkszentmihályi kann diesen Zustand nur jemand entwickeln, der gut genug trainiert ist und eine gute Technik entwickelt hat.

Aber wie fühlt sich dieser Flow jetzt an? Csíkszentmihályi hat über 8000 Menschen untersucht und dabei haben sich unabhängig von Kultur und Bildungsgrad Merkmale herausentwickelt, die bei allen Personen zutreffen, wenn sie sich in einem Flow-Zustand befinden. Die wichtigsten im Überblick:

  • eine gute Balance zwischen Herausforderung und Können: „Es wird schwierig  heute, aber ich kann es schaffen!“,
  • die Verschmelzung von Handeln und Bewusstsein: „Mein Körper weiß genau, was zu tun ist.“,
  • eine klare Zielsetzung: „Ich weiß, worauf es ankommt.“,
  • interne und externe Wahrnehmungen werden mit äußerster Klarheit erlebt und verarbeitet: „Ich sehe und spüre alles, was jetzt wichtig ist.“,
  • eine hohe Konzentration auf die Aufgabe: „Nichts kann mich ablenken!“,
  • die Handlung wird um ihrer selbst willen ausgeführt, nicht aufgrund irgendwelcher Belohnungen (autotelisches Erlebnis): „Ich will es wissen heute!“.
  • Verändertes Zeitgefühl: „Alle vergeht wie im Flug.“

Die Psychologin Kendra Cherry fügt dieser Liste drei weitere Komponenten hinzu:

  • Unmittelbares Feedback, das man für seine Handlung erhält
  • Das Gefühl, dass man das Potenzial zum erfolgreichen Ausführen der Aktivität hat
  • Ein Gefühl, dass auf Grund von Vertiefung in der Aktivität, andere Bedürfnisse entfallen beziehungsweise zeitweise vernachlässigbar sind

Doch auch, wenn diese Zustände einen Flow gut beschreiben, bleibt er dennoch ein subjektives Gefühl, das nicht auf Knopfdruck produziert werden kann. Aber die schöne Nachricht: Jeder kann diesen Zustand erleben. Ein Flow ist universell.

Wie kommt man in einen Flow?

Für Csíkszentmihályi sind zwei Dinge von großer Bedeutung, um in einen Flow-Zustand zu kommen: Die Herausforderung und die eigenen Fähigkeiten. Denn im Flow ist man, wenn die Herausforderungen überdurchschnittlich sind, ebenso wie die Fähigkeiten (vgl. Grafik). Am meisten lernen Leute im Bereich der Erregung, denn dann werden sie aus ihrem Wohlfühlbereich geholt. Um dieses wieder zu erreichen – also zurück in den Flow zu gelangen – entwickeln sie höhere Fähigkeiten. Ist immer alles unter Kontrolle, ist das zwar eine sichere Sache, denn man fühlt sich in ihr wohl, aber nicht sonderlich erregt. Die Situation ist nicht mehr sehr herausfordernd. Wenn man daher aus der Kontrolle in den Flow eintreten möchte, muss man die Herausforderung erhöhen. Diese beiden Bereiche sind ideale und gegenüberstellende Bereiche, aus denen man den Flow erreichen kann. Es geht also um die richtige Balance und Harmonie zwischen Über- und Unterforderung: Gedanken, Wille, Gefühle und alle Sinne konzentrieren sich dabei auf dasselbe Ziel.

Was passiert beim Flow im Gehirn?

Beim Zustand eines Flows werden die fünf stärksten Neutransmitter (Norepinephrin, Dopamin, Endorphine, Anandamid, Serotonin) ausgeschüttet, die ein Hirn produzieren kann. Flow ist der einzige Zustand, indem alle fünf auf einmal produziert werden. Alle fünf stärken die physische Leistungsfähigkeit, z.B. durch die Steigerung von Kraft, die Verstärkung der Muskelreaktionszeit oder die Unterdrückung von Schmerz. Aber noch viel wichtiger: Sie steigern die kognitive Leistungsfähigkeit.

Zudem sind sie Basis für drei wichtige Hochleistungsbausteine: Motivation, Lernen und Kreativität. Diese fünf Neurotransmitter wirken im Körper wie Vergnügungs-Drogen. Sie helfen uns mehr Informationen in kürzerer Zeit aufzunehmen, diesen gleichzeitig mehr Aufmerksamkeit zu schenken und die hereinkommenden Informationen mit älteren Ideen zu verknüpfen (Quer-Denken). Es ist die Basis des kreativen Denkens. Flow kann also Kreativität nicht nur um 400-700 Prozent erhöhen, sondern das Gehirn auch dahingehend trainieren, langfristig kreativ zu denken.

Wenn man in einer Welt, in der sich alles immer schneller entwickelt, erfolgreich sein will, muss man ebenso seine Lernrate erhöhen. Flow macht genau das. Denn je mehr Neurochemikalien im Gehirn während eines Prozessen ausgeschüttet werden, desto wahrscheinlicher ist es, dass das Wissen vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis wandert. Warum ist das für Sportler wichtig? Geht man von der 10.000-Stunden-Regel aus, die man für die Entwicklung der individuellen Höchstleistung braucht, könnte diese durch Flow-Erlebnisse laut Kotler halbiert werden.

Weiter verändern sich in einem Flow-Zustand die Gehirnwellen. Schnell bewegende Beta-Wellen werden zu langsam bewegenden Wellen der Kategorie Alpha und Theta. Alpha-Wellen sind Wellen die auch dann vorherrschen, wenn man in einen Art Tag-Traum-Modus verfällt. Theta-Wellen kommen zum Beispiel dann vor, wenn man kurz vor dem Einschlafen ist. Es ist ebenfalls der Zustand, in dem Gedanken in neuer und kreativer Art und Weise verbunden werden können.

Der Bannister-Effekt

Bis 1954 galt es in der Sportwelt als unmöglich, eine Meile unter vier Minuten zu laufen. Ja, bis Roger Bannister sie vom Gegenteil überzeugte und das Unmögliche möglich machte, indem er in 3:59,4 Minuten ins Ziel stürmte. Immer wieder hatte er zuvor im Kopf diese Marke bereits unterschritten und sich darauf fokussiert diese magische Grenze zu unterbieten. So kam er beim Rennen selbst in den Flow seines Lebens. Was daraufhin folgte war erstaunlich, denn bereits kurz darauf unterboten weitere Sportler diese Marke, ja, sogar Junioren liefen unter Bannisters Rekord. Was sich auf einmal veränderte, war der mentale Rahmen, der bisher um diese Leistung gebaut wurde. Es zeigt, dass man daran glauben muss, dass Unmögliche zu erreichen, bevor man wirklich das Unmögliche erreicht.

„Wenn man Flow kontinuierlich dafür nutzt, das Unmögliche zu tun, wirst du selbstbewusst in deiner Fähigkeit das Unmögliche zu tun. Du fängst an, es zu erwarten. Das ist genau das, warum heute so viel Fortschritt in Action-Sport sehen, es ist das natürliche Ergebnis dessen, das es immer mehr Menschen gibt, die versuchen, das Unmögliche zu erwarten“, erklärt der US-amerikanische Motocross- und Freestyle-Motocrosspilot, Travis Pastrana.

Betrachtet man nun den Sport finden sich also viele Merkmale wieder, die den Flows begünstigen: Leidenschaft, klare Ziele, Fokus, sofortiges Feedback und Risiko, um nur einige zu nennen. Wer es also schafft, möglichst viel Flow in sein Leben zu bringen, der zählt laut Csíkszentmihályi am Ende auch zu den glücklichsten und zufriedensten Menschen der Welt.


Literatur:

Csíkszentmihályi, M. & Jackson, SA. (2000). Flow im Sport. Der Schlüssel zur optimalen Erfahrung und Leistung. München: BLV Verlagsgesellschaft.

Csíkszentmihályi, M. (2004). Ted Talk – Mihály Csíkszentmihályi über Flow. Zuletzt aufgerufen am 27.07.2020 unter www.ted.com/talks/mihaly_csikszentmihalyi_flow_the_secret_to_happiness

Gutmann, M. (2020). Flow: Der perfekte Wettkampf. Zuletzt aufgerufen am 27.07.2020 unter:  www.leichtathletik.de/training/psychologie/sportpsychologie-kompakt/flow

Krank.de (2020). Flow. Zuletzt aufgerufen am 28.07.2020 unter krank.de/koerperprozesse/flow/

Kotler, S. (2019). How to get into the flow state. Mindvalley Talks. Zuletzt aufgerufen am 27.07.2020 unter www.youtube.com/watch

Reinhardt, C. (2018), Flow-Erleben im Sport. Empirische Untersuchungen eines motivationsbezogenen Phänomens. Hamburg: Kovač (Verlag).

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